„Vorrang für Frieden“: Ausstellung eröffnet

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Mittels historischer Bilder und Texte wird im Bürgerforum Kriegspropaganda dokumentiert.

Lüdenscheid - Ein Blick auf die letzten 100 Jahre lässt keinen Zweifel zu: Der Krieg hat eine starke Lobby. Zwei Weltkriege, der Kalte Krieg sowie zahllose Waffengänge rund um den Globus beweisen es. Und zumeist waren und sind es dabei Staatsführer, Politiker und Militärs, die auf Gewalt setzen. Angehörige der sogenannten gesellschaftlichen Eliten also. Doch auch der Frieden hat eine Lobby. Das will jetzt eine Wanderausstellung zeigen, die am Montag im Bürgerforum eröffnet wurde. Der Titel der Präsentation: „Frieden gegen Krieg – Gewissen gegen Gewehre“.

Mit gut 80 Besuchern war die Resonanz auf die Veranstaltung dabei beträchtlich. Zur Eröffnung sprach neben Vize-Bürgermeisterin Tanja Tschöke und SPD-Bundesparlamentarierin Petra Crone die bekannte Sozialdemokratin Heidemarie Wieczorek-Zeul.

Zunächst zur Ausstellung selbst. Die richtet den Fokus auf die Friedensarbeit in Hagen und im Märkischen Kreis – eine Bewegung in der Regel von unten, getragen oft von Gewerkschaften und örtlichen Friedensaktivisten.

Friedensgruppen und Pazifisten aus Hagen, Lüdenscheid, Iserlohn und Altena haben die Dokumentation erarbeitet. Auf Lüdenscheider Seite waren besonders Matthias Wagner, Bernd Benscheidt und Martin Sander von der Friedensgruppe in die Gestaltung eingebunden. Matthias Wagner war es auch, der zur Eröffnung noch einmal Sinn und Hintergründe der Initiative erläutert. Eine seiner Kernbotschaften: „Menschliches Handeln ist nie alternativlos.“ Soll heißen: Auch zum Krieg gibt es stets Alternativen.

Gastrednerin: Heidemarie Wieczorek-Zeul.

Die Ausstellung fixiert sich auf zwei Themenstränge. Mittels historischer Texte und erschreckender Bilder lenkt sie den Blick auf die brutalen Kriegsrealitäten, auf die Leiden von Mensch und Tier, auf das laute Kriegsgeschrei und den rigorosen Nationalismus in Politik und Medien während des Ersten Weltkriegs. Als Kontrast dazu ist auf anderen Stellwänden die intensive und vielfältige Friedensarbeit von Gruppen, Gewerkschaften und Einzelpersonen in der Region dokumentiert – vom Vorabend des Ersten Weltkriegs bis zu den Irak-Kriegen.

In ihren Beiträgen würdigten die drei Rednerinnen des Abends diese Friedensbemühungen der Zivilgesellschaft. Vor allem Heidemarie Wieczorek-Zeul, einst Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, setzte dabei die Akzente.

Rund 80 Besucher waren zur Ausstellungseröffnung im Bürgerforum erschienen. - Fotos: Schmidt

Die prominente SPD-Frau plädierte allgemein für friedliche Konfliktlösungen, für „präventive Friedensarbeit“, für „eine Stärkung der UN“, für die Entsendung von Vermittler-Teams in Krisengebiete, für „Transparenz bei Waffenexporten“ und gegen den Besitz von „bewaffneten Kampfdrohnen“. Ihre Worte: „Bei aller Zuneigung zur Bundeswehr müssen auch zivile Friedenskräfte gefördert werden. Sprechen ist besser als schießen.“

Militärische Gewalt kategorisch ablehnen möchte Wieczorek-Zeul dennoch nicht: „Es gibt Situationen, in denen militärische Aktionen nötig sind.“ So hält sie etwa die aktuellen US-Bombardements gegen die IS-Kämpfer im Irak für „gerechtfertigt“.

Und was ist mit den derzeit diskutierten Waffenexporten an die Kurden? Soll Deutschland liefern? Eine klare Antwort auf diese Frage ersparte sich Wieczorek-Zeul: „Die Situation ist kompliziert. Ich habe meine Zweifel.“

Deutlicher drückte sich da der Lüdenscheider Gewerkschafter und Friedensaktivist Bernd Benscheidt aus: „In diese Gebiete gehören keine Waffen. Ich kann mir dort einen Blauhelm-Einsatz vorstellen.“

Die Ausstellung im Bürgerforum ist noch zweieinhalb Wochen zu sehen. - Von Sebastian Schmidt

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