Zahlen für 2018 veröffentlicht

Widi-Krise belastet Lüdenscheider Klinik-Konzern - erstmals seit 2014 Verluste

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Die Märkischen Kliniken gehören zur Gesundheitsholding, Rund vier Fünftel des Umsatzes wird in den Kliniken generiert. 

Lüdenscheid – Mit der beschlossenen Schließung des Marienhospitals in Letmathe und der dramatischen Rettung der Wirtschaftsdienste Hellersen mit Hilfe einer Kreditlinie des Märkischen Kreises sorgte die Märkische Gesundheitsholding GmbH & Co. KG in diesem Jahr bereits für Schlagzeilen.

Mit Bekanntwerden der Jahresbilanz 2018 aber wird deutlich: Die Ereignisse sind die Symptome einer tieferliegenden Erkrankung: akuter wirtschaftlicher Probleme. 

Demnach schließt die Holding das vergangene Jahr mit einem Minus von 550.000 Euro ab. 2017 stand noch ein Plus von 3,5 Millionen Euro zu Buche. Zuletzt hatte die Holding 2014 Verluste gemacht. Auch die Bilanzsumme ging zurück: Von 236 Millionen Euro 2017 auf 230 Millionen Euro im Jahr 2018. Die Gesamterlöse stiegen leicht um 2,7 Prozent auf 260,6 Millionen Euro. Die Entwicklungen im Einzelnen: 

Widi Hellersen 

Das negative Konzernergebnis führt die Geschäftsführung um Dr. Thorsten Kehe in erster Linie auf das schlechte Abschneiden der Wirtschaftsdienste Hellersen GmbH (Widi) zurück. Die selbst gesteckten Ziele wurden verfehlt: Am Ende stand ein Verlust von 2,839 Millionen Euro, den die Holding-Geschäftsführung auf eine Abwanderung von Kunden zur Konkurrenz zurückführte. Anfang 2019 wurde die damalige Widi-Geschäftsführung entlassen. 

Widi im letzten Moment gerettet

Die Pleite drohte, der Märkische Kreis sprang ein. Das Fortbestehen der Widi wird derzeit über eine Darlehenszusage des Märkischen Kreises (in Höhe von 7 Millionen Euro) gesichert. Sie gilt nach Umsetzung eines kürzlich vorgelegten Sanierungsgutachtens und der positiven Prognose eines Wirtschaftsprüfers bis zum 31. Januar 2022. 

Die Widi Wirtschaftsdienste GmbH in Hellersen.

Die Geschäftsführung betont in ihrem Risikobericht, dass selbst eine Pleite der Widi kein „bestandsgefährdendes Risiko für den Konzern“ darstellt. 

Akutmedizin

Das Planergebnis der Märkischen Kliniken GmbH wurde unterschritten. Insgesamt wurden 41 995 Fälle bei den Märkischen Kliniken behandelt. Das sind 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr, als 43 191 Fälle registriert wurden. Probleme gab es an allen drei Standorten. Das Kosten-Erlös-Verhältnis lag am Standort Lüdenscheid deutlich unter dem des Vorjahres, in Werdohl war die Chirurgie rückläufig, am Standort Letmathe die Innere Abteilung. 

Schließung des Marienhospitals früher

In Letmathe mussten wegen Modernisierungsmaßnahmen für den Brandschutz teilweise Stationen geschlossen werden. Dennoch stiegen im Bereich der Akutmedizin die Erlöse aus Krankenhausleistungen um 4,7 Millionen Euro auf 169,2 Millionen. 

Rückstellungen 

Die Märkische Gesundheitsholding erhöhte die Rückstellungen um 2,6 Millionen Euro. Damit werden mittlerweile 28,8 Millionen Euro für mögliche Haftpflichtschäden, für ausstehende Eingangsrechnungen, Verpflichtungen im Personalbereich und Risiken aus dem Prüfverfahren des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse (MDK) vorgehalten. Ein großer Unsicherheitsfaktor für den Konzern ist das, was sich hinter dem Punkt „Klagen der Krankenkassen für Forderungen aus Neurokomplexbehandlungen“ verbirgt. Dabei fordern die Krankenkassen von den Kliniken ihrer Ansicht nach zu viel gezahlte Beträge für die Behandlung von Schlaganfall-Patienten vor 2016 zurück. Bundesweit sind tausende Klagen mit einem Streitwert von mindestens einer halben Milliarde Euro an den Sozialgerichten anhängig. Offenbar sind auch die Märkischen Kliniken unter den Beklagten. 

Ausblick 

Die Geschäftsführung kommt zu dem Schluss, dass sich der Konzern positiv entwickelt. Für 2019 wird wieder mit einem Überschuss von 1,4 Millionen Euro gerechnet.

Sitzung

Der Konzernabschluss der Märkische Gesundheitsholding ist Thema im Kreisausschuss am Donnerstag, 10. Oktober, um 16 Uhr im Kreishaus, Zimmer 136.

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