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Mehrweg statt Einweg-Mantel: Widi geht in Hellersen neue (grüne) Wege

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Von: Thomas Machatzke

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Service-Teamleiterin Monika Roder im Vordergrund am OP-Mantel-Prüfgerät
Service-Teamleiterin Monika Roder prüft den OP-Mantel. © Cedric Nougrigat

Die Widi, der Unternehmensverbund Wirtschaftsdienste Hellersen, geht als Systempartner im Gesundheitswesen seit kurzem einen neuen Weg. Am Rande dieses Weges stehen Hinweisschilder. Auf einem steht Nachhaltigkeit, auf dem nächsten Klimaschutz, dann gibt es eines mit der Aufschrift Müllvermeidung und eines mit dem Titel Umweltschutz.

Lüdenscheid Da es nun eine Art grüner Weg ist, passt es ganz gut, dass im Zentrum dieses Weges grüne Mäntel stehen. OP-Mäntel – also jene Kittel, die das Personal im Operationssaal trägt, ohne die es keine Operation geben würde. Mäntel, in der Vergangenheit gemacht für den einen OP-Termin. Ein Blinddarm – und ab in den Restmüll mit dem Plastikumhang, unter dem es schnell unangenehm warm wurde. Müllberge aus Einwegmänteln, schwitzende Ärzte und OP-Schwestern.

Für die Widi ist das Vergangenheit. Man setzt in Hellersen in diesem Segment nun auf Mehrwegmäntel, und wenngleich es sich um Exemplare in blau handelt, ist es doch der grüne Weg. Man setzt auf das Wiederaufbereiten der Kittel. Das ist aufwändig, aber – da ist sich Gaby Knief, Service-Managerin im Steril-Center der Widi, sicher: Es ist der Weg in die Zukunft.

Die Krankenhäuser stehen dieser Tage wie eigentlich jeder Bereich des Lebens auf dem Prüfstand. „Green Hospital“ ist ein Schlagwort – auch die Krankenhäuser sollen grün werden. In Hellersen passt das bei der Fassade sogar. Aber das ist nicht gemeint. Es geht um Nachhaltigkeit, wo diese Nachhaltigkeit machbar und möglich ist. Also zum Beispiel bei der Vermeidung von Müllbergen.

Von heute auf morgen geht das nicht. Das weiß auch Gaby Knief: „Viele Krankenhäuser stecken noch in Verträgen, die sie erfüllen müssen.“ Auch im Klinikum in Hellersen ist das so. Die Widi bereitet 20 000 OP-Mäntel im Monat auf und beliefert so manches Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen, den kurzen Weg in den OP-Saal in Hellersen nehmen die Kittel dabei noch nicht. Hier nutzt man noch auf die Einweg-Lösung, gezwungenermaßen: Vertragsbindung. „Wir gehen davon aus, dass auch das Klinikum demnächst zu uns kommt“, sagt Knief.

80 Aufbereitungen pro OP-Mantel: Von der Waschstraße bis zum Sterilisator

Die Widi kauft die OP-Mäntel beim Konfektionär, sie sind dann Widi-Eigentum – und werden immer aufs Neue gewaschen und sterilisiert. Jeder Kittel 80 Mal, dann ist auch seine Zeit abgelaufen. Die 80 Aufbereitungsvorgänge protokolliert ein Transponder – so wie jeden einzelnen Arbeitsschritt.

„Wir reden von Medizinprodukten – das ist alles validiert und zertifiziert“, sagt Gaby Knief, „wir müssen alle Auflagen erfüllen. Der Waschprozess verläuft nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts.“ Nach dem eigentlichen Waschvorgang in der Waschstraße findet mit Hilfe einer Leuchtpuppe eine manuelle Prüfung statt, die die Unversehrtheit garantieren soll. Auch die Dichtigkeit wird stichprobenartig geprüft. Danach werden die OP-Mäntel händisch, nicht maschinell, zusammengelegt.

Schließlich werden die Mäntel einzeln oder in entsprechenden Paketen mit mehreren Mänteln verpackt. Erst danach geht es in den Sterilisator und mithin im letzten Schritt zurück in den Operationssaal. Alles streng überwacht. „Wir wollen ja unser Siegel behalten“, sagt Gaby Knief. Ein Siegel, auf das die Widi in Hellersen durchaus ein wenig stolz ist.

20 000 OP-Mäntel pro Monat – obwohl der Vorgang sehr aufwändig ist (siehe Info-Kasten), wäre bei der Widi das Dreifache an Kapazitäten da. „Alles ist ausgerichtet auf die Zukunft“, sagt Knief, „da ist noch Luft nach oben, wir sehen es als Zukunftsmarkt.“ Auch deshalb, weil es in ganz Deutschland nur eine gute Handvoll Wäschereien gebe, die dieses Angebot überhaupt zu machen in der Lage seien.

Und so wirbt Knief für ein „Top-Produkt“, denn während die Einwegmäntel eben nicht atmungsaktiv waren, bieten die Mehrwegmäntel nun auch einen anderen Komfort für den Tragenden. Die 300-Gramm-Mäntel aus Mikrofasern und Carbon sind eine Art Standard-Variante, als zweites High-Performance-Modell gibt es den Mantel aus Laminatgewebe. Dieser ist 50 Gramm schwerer und flüssigkeitsdicht. Beide Modelle sind atmungsaktiv, reduzieren den Hitzestau. „Der Tragekomfort ist brillant“, sagt Knief.

Widi Hellersen
Bei Widi geht man neue (grüne) Wege. © Cedric Nougrigat

Besserer Tragekomfort, dazu das gute Umweltgewissen. Da auch die Kostenfrage nicht grundsätzlich gegen Mehrwegmäntel spricht, dürften Einwegmäntel in Zukunft in der Tat einen schweren Stand haben. Gaby Knief verrät, woran es indes mitunter noch hakt. „Die Umstellung ist für die Planung schon ein kleines Projekt für die Häuser“, sagt Knief. Einwegmäntel wurden und werden bisher nach Bedarf bestellt – und fertig. Sie liegen für die Bestellung bereit. Bei Mehrwegmänteln muss genauer kalkuliert werden, sie liegen eben nicht unbegrenzt vorrätig beim Anbieter. Wie viele Kittel benötigt man? In welchen Größen? Welches Modell? Alles muss besser abgeschätzt werden.

Der Tragekomfort ist brillant.

Gaby Knief Service-Managerin im Steril-Center der Widi

Dazu kommt, dass das Personal bei Einwegkitteln schnell mit der Schere zur Hand ist. Was stört, wird bei den Wickelkitteln einfach abgeschnitten. Auch das schafft eine Art von Tragekomfort. „Das geht mit Mehrwegkitteln natürlich nicht“, sagt Knief, „man kann auch nichts drankleben.“ Kurzum: Der Umwelt zuliebe ist auch ein achtsamer Umgang mit dem Mantel erforderlich, sonst bleibt das hehre Ziel vom 80-maligen Gebrauch eines einzelnen Kittels ein frommer Wunsch.

Sei’s drum: Das Umdenken hat begonnen, viele Krankenhäuser setzen bereits auf Nachhaltigkeit, weitere werden dazukommen, irgendwann wohl auch das Klinikum in Hellersen. Das hat’s gut – der probate Steigbügelhalter bei der Wandlung zum „Green Hospital“ sitzt in direkter Nachbarschaft.

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