Der Kampf um die Netze

Stadtwerke, Lennestraße.

Lüdenscheid - Zwischen der Hagener Enervie-Gruppe und der Stadt Lüdenscheid als zweitgrößtem Anteilseigner (24 Prozent) besteht ein massiver Interessenskonflikt. Es geht um die Netz-Infrastruktur der Stadtwerke für Strom und Gas, die Enervie in einem Verschmelzungsmodell hatte übernehmen wollen. Mit diesem Versuch ist Enervie-Vorstand Ivo Grünhagen gescheitert.

Ob es überhaupt und zu welchen Konditionen zu einer Übertragung kommen kann, ist aktuell wichtigstes Thema in allen Fraktionen. Am Dienstag tagt der Verwaltungsrat der Stadtwerke. Ziel ist es, bis November ein für Lüdenscheid akzeptables Paket zu erarbeiten, das politisch zustimmungsfähig ist.

Kernpunkt aus Sicht der Stadt ist es, die Netze nicht dauerhaft aus der Hand zu geben und die Stadtwerke als Unternehmen mit eigener Identität zu erhalten, wie es vertraglich bei der Kooperation mit der damaligen Mark E festgelegt worden war.

Grünhagens Vorstoß sei eine klare Absage an diese Selbstständigkeit der Stadtwerke. Die rein betriebswirtschaftlichen Erwägungen hätten die Stadtwerke zu einer leeren Hülle werden lassen, kritisiert Harald Metzger, Vorsitzender des Stadtwerke-Verwaltungsrats und Mitglied im Aufsichtsrat von Enervie, und verweist auf das Primat der Politik: „Herr Grünhagen ist nicht Vorstandsvorsitzender einer privaten Aktiengesellschaft, sondern leitender Angestellter einer kommunalen Dachgesellschaft.“

„Leitender Angestellter“

Handlungsbedarf für Enervie besteht in mehrfacher Hinsicht. Im Kerngeschäft der Energieerzeugung laufen aufgrund der Energiewende riesige Verluste auf. Eine Dividende sehen die Kommunen nicht. Geld verdient man aber an den Netzen.

Die Kosten für deren Betrieb muss man aber der Bundesnetzagentur offenlegen. Doch die Agentur erkennt das bisherige Verfahren nicht an, nach der die Netze an die Betreibergesellschaft EAN (Enervie Asset Network) verpachtet wurden. Abrechnungsfähig seien nur Kosten, die direkt bei der Netzgesellschaft auflaufen. Zeitdruck entsteht, weil bis Anfang 2015 Klarheit herrschen muss. Dann beginnt das so genannte „Photojahr“, in dem die Kosten für die neue, Periode ermittelt werden.

„Verschmelzung völlig inakzeptabel“

Als gangbarer Weg für beide Seiten zeichnet sich die Überlegung ab, den Fortbestand der Stadtwerke in allen Betriebsteilen nachhaltig zu gewährleisten und die Einbringung der Netze zeitlich jeweils auf die Regulationsperiode durch die Netzagentur zu befristen. Zudem müsse die Stadt Lüdenscheid ein Vorkaufsrecht für den Fall erhalten, dass Enervie eine Teil- oder Vollveräußerung der Netzgesellschaft plant.

Man habe „einen ersten Schritt gemacht“, bewertet Bürgermeister Dieter Dzewas den aktuellen Stand. Das ursprüngliche Verschmelzungsmodell aber sei „völlig unakzeptabel“ gewesen. Und auch Metzger stellt fest: „Es gibt kein grünes Licht zurzeit.“

- flo

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