Wettbewerb um Wasser ist umstritten

LÜDENSCHEID ▪ Wird es künftig ähnlich wie auf dem Strom- und Gasmarkt auch einen Wettbewerb um die Wasserversorgung geben? Wird das Wassertransportnetz über ein Netzentgelt an private Anbieter vergeben? Sind die Stadtwerke dann nur noch Inhaber des Netzes, aber handeln andere Unternehmen mit dem Lebenselixier? Die EU will mit einer neuen Konzessionsrichtlinie das Feld für eine Privatisierung öffnen.

Andreas Köster, Pressesprecher der Stadtwerke, ist eher skeptisch: „Da sind noch sehr viele Fragen zu klären, was die praktische Umsetzung angeht. Zum Beispiel, wie ein möglicher privater Anbieter, der meinetwegen in Norddeutschland sitzt, die Aufbereitung des Trinkwassers vor Ort in Lüdenscheid organisiert? Das muss ja vor Ort gemacht werden, sonst kann es zu Qualitätsverlusten führen. Ganz abgesehen von den logistischen Problemen müssen die Vorgaben der Trinkwasserverordnung erfüllt werden.“ Kämen Anbieter von außen zum Zug, befürchtet nicht nur Köster, dass gewachsene regionale Strukturen in Gefahr gerieten. Die Wasserversorgung der Kommunen Lüdenscheid, Schalksmühle, Herscheid, Halver, Kierspe, Plettenberg, Werdohl und Wiblingwerde erfolgt unter dem Dach des Wasserbeschaffungsverbandes. Die Aufbereitung zu Trinkwasser erfolgt in den Wasserwerken Treckinghausen an der Versetalsperre und in dem Wasserwerk Jubach. Hinzu kommt der Hochbehälter Volmekopf. Drumherum verlaufen die Transportnetze. Die Länge des Wassernetzes beträgt nach Angaben von Andreas Köster ohne Hausanschlüsse 330 Kilometer, mit sind es 100 Kilometer mehr.

Die Versetal- und die Jubachtalsperre sind die großen Wasserreservoire, aus denen die Versorgung gespeist wird. 2011 wurden rund 6,7 Millionen Kubikmeter Wasser umgesetzt. Seit Jahren ist der personenbezogene Wasserverbrauch rückläufig. Waren es laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft 1990 noch 147 Liter pro Einwohner und Tag, so ist die Menge inzwischen auf 123 Liter zurückgegangen. Der Hauptteil wird für Körperpflege (44,5 Liter), die Toilettenspülung (33,5) und Wäsche waschen (15) genutzt.

Gegen das EU-Projekt hat sich bereits über eine europaweite Bürgerinitiative massiver Widerstand formiert. Ihr zentrales Argument lautet: „Wasser ist ein Menschenrecht und kein Spekulationsobjekt.“

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