Magnet für hunderte Schüler: Krabat in Lüdenscheid

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Hunderte Lüdenscheider Schüler nutzten die Gelegenheit, die sorbische Sage "Krabat" zu verfolgen.

Lüdenscheid – Koselbruch, eine Siedlung in Schwarzkollm nahe der Stadt Hoyerswerda, im sächsischen Landkreis Bautzen. Und Schauplatz einer düsteren Geschichte, die der Schriftsteller Otfried Preußler im Jahr 1971 auf der Grundlage einer sorbischen Sage als Jugendroman auf den Markt brachte: Krabat.

Am Mittwochvormittag inszenierte das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel den Stoff als Schülervorstellung im Kulturhaus. Zu sehen war die Geschichte eines Lehrlings, der sich gegen seinen Meister behaupten muss – „Wer auf der Mühle atmet oder lebt, bestimme ich“ – und ihn zum Kampf herausfordert.

Am Ende siegt die Liebe – und das sehr zur Freude der gut 550 jungen Menschen im großen Saal. Viele Schulklassen hatten im Vorfeld die vom Kulturhaus angebotene Möglichkeit genutzt, sich mit den Schauspielern in Workshops auf die Inszenierung vorzubereiten. Dennoch stand vielen Schülern die Aufregung über den morgendlichen Theaterbesuch ins Gesicht geschrieben. Immer wieder die Blicke aufs Billett, immer wieder die Suche nach dem richtigen Sitzplatz, die übliche Schwerstarbeit für die erwachsenen Begleiter im Saal.

Mystisch ging’s schließlich in die Inszenierung hinein. Das Landestheater hatte das Bühnenbild mit dem üblichen Drehelement, aber auch mit Balken und Vorhängen aufgebaut. Das wenige Licht strahlten zwei Scheinwerfer auf der Bühne ab. Dazwischen: der junge Krabat und jede Menge schwarz-weißer und oftmals spannend verzerrter Videoprojektionen. Was nicht mit Worten erklärt werden konnte oder sollte, sprach und filmte Krabat. Bühnenbild und Kostüme gingen auf das Konto von Marc Mahn.

Ein feiner Regieeinfall: Auf die Stimme aus dem Off wurde verzichtet, stattdessen übernahmen die Schauspieler – oftmals im Chor – die Rolle des Erzählers und schufen so eine deutliche Nähe zum Geschehen auf der Bühne. Felix Zimmermann als Protagonist wirkte auch dann noch überzeugend, als der 28-jährige Schauspieler den 14 Jahre alten Waisenjungen Krabat verkörperte.

Die geheime Bruderschaft, Krabats anfängliche Begeisterung über die Kunst der schwarzen Magie, sein Aufstieg zum Gesellen, später der Verlust des Freundes, Verrat, Misstrauen, falsche Freundschaften und schließlich die Liebe zu Kantorka und Krabats Erlösung – kompakt hat das Landestheater den nicht einfachen Theaterstoff in gute, pausenlose anderthalb Stunden verpackt. Durchgängig in diffuses Licht getaucht, hielt die Inszenierung – erst seit Ende Februar auf den Bühnen zu sehen – den Spannungsbogen aufrecht bis zum glücklichen Ende.

Dass das auch die jungen Theaterbesucher im großen Saal des Kulturhauses so empfanden, zeigte der spontane Beifall beim ersten Kuss zwischen Krabat und Kantorka – und der erlösende Jubel, nachdem sich der Mühlenmeister geschlagen gab mit den Worten: „Du bist frei“. Spannender kann ein Jugendtheater kaum sein.

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