Nach Westermann-Rücktritt beim Stadtmarketing

Bedauern über den Schritt, aber auch Verständnis für den „Möglich-Macher“ der LSM

Vieles funktioniert in der Stadt nur gemeinsam , zum Beispiel Organisation und Durchführung eines Festivals wie Bautz. André Westermann, Willi & Söhne und andere Akteure haben für die Festival-Idee gepowert.
+
Vieles funktioniert in der Stadt nur gemeinsam , zum Beispiel Organisation und Durchführung eines Festivals wie Bautz.

„Überrascht“. „Schade“. „Großer Verlust“. Oder einfach eine „Hiobsbotschaft“, wie es Matthias Czech (Willi & Söhne) nennt – die Reaktionen auf André Westermanns angekündigten Rücktritt vom Amt des LSM-Geschäftsführers zum Jahresende (wir berichteten) ähneln sich: Der Schritt wird weithin bedauert.

Lüdenscheid - „Er war immer ein Möglich-Macher unserer Projekte im Verein Willi & Söhne“ sagt Matthias Czech und zählt nur einiges davon auf: Walk the Line, Burn the Fox, Thekentouren, Bautz, Paint the Wall. „Rückblickend auf das, was wir gemeinsam mit ihm geleistet haben und realisieren durften, wissen wir, mit welchem Kraftakt Projekte in der eigenen Stadt ‘verkauft’ werden müssen“, zeigt der Kreative gleichwohl Verständnis für den Schritt. Bei Bautz, zum Beispiel, habe es viele kritische Stimmen aus der Politik gegeben. „Nach dem Festival allerdings haben sich diejenigen hingestellt und lautstark für eine Fortsetzung plädiert. Ein einfaches „Danke“ hätte gereicht. Jedes Mal gegen solche Windmühlen zu arbeiten macht müde.“ Viele hervorragende Ideen für die Entwicklung der Stadt lägen noch auf Westermanns Schreibtisch – und Stadt und Politik bereits vor: „Allesamt klug, finanzierbar, anziehungsstark, nachhaltig.“ Er hoffe sehr, so Czech, dass die Kritiker „endlich damit beginnen, ihre Energie in ein Miteinander zu investieren, darein, unsere Stadt lebenswerter zu machen.“

„Es wird schwierig werden, einen Nachfolger zu finden für jemanden, der so viel Power, viele Ideen und Kontakte hat“, sagt Oliver Fröhling (CDU). „Ich finde es schade, er hat einen sehr, sehr guten Job gemacht.“ Er könne kein politisches Problem im Miteinander erkennen.

„Er hat sich wirklich eingesetzt und viele Dinge umgesetzt, trotz der viel zu geringen Personalstärke“, sagt Marc Tegtmeyer, Vorsitzender des Gastro-Vereins. Trotzdem habe ihn die Verwaltung weiter mit neuen Aufgaben betraut: „Der wurde immer dahin geschickt, wo es nötig war.“ Bekanntermaßen habe es durchaus Differenzen mit dem Gastro-Verein gegeben, aber das Verhältnis habe sich in der Corona-Zeit geändert: „Es lief sehr, sehr gut gerade, vor allem mit dem langen Donnerstag.“

„Herausragendes geleistet“

„Sehr bedauerlich“, findet auch Jens Voß (SPD) Westermanns Entscheidung: „Er hat ganz Herausragendes geleistet.“ Wie es nun weitergehe, darüber lasse sich noch keine verlässliche Aussage treffen, zumal Westermann bis Ende des Jahres noch in der Verantwortung stehe. Aber auch für die Zukunft gelte: „Alle Veranstaltungen, die der Innenstadt nutzen, sind gut.“ Und da habe André Westermann einiges auf die Beine gestellt.

Die LSM-Geschäftsführung ist nicht Westermanns einzige Aufgabe, der unter anderem noch für die Wirtschaftsförderung Kreisstadt Lüdenscheid (WKL) Geschäftsführer ist. Vorsitzende Christel Gabler lobt ihn als „hervorragenden Geschäftsführer in allen Bereichen – fähig, aktiv und konstruktiv“. Aber neun Jahre „an der Front“ der LSM machten dünnhäutiger: „Der Einsatz hat ihn teilweise auch aufgerieben zwischen all den Akteuren“, zeigt sie Verständnis für den Schritt.

Jens Holzrichter (FDP) war überrascht. Doch: „Heute ist das öfter mal üblich“, sagt er mit Blick auf das angekündigte Jahr Auszeit. Er habe größtes Verständnis dafür, aber vor weiteren Entscheidungen müsse man wissen, ob Westermann nur Kraft sammeln, Luft holen wolle. Dann dürfe man ihm durch eine Umorganisation nicht den Boden unter den Füßen wegziehen, dann müsse nur eine provisorische Übergangslösung her, denn: „Er ist zu wertvoll und sprudelt vor Ideen, er ist vielseitig und einfallsreich.“ Sei jedoch nicht absehbar, dass er die Rolle wieder übernehme, müsse eine größere Lösung her: Die städtische Wirtschaftsförderung gelte es neu aufzustellen. Da gebe es Überschneidungen mit dem Stadtmarketing sowie mit dem Entwicklungs- und Gründerzentrum (EGC). „Wir brauchen eine Lotsenfunktion, da waren sich schon damals alle Bürgermeisterkandidaten einig.“ Vielleicht sei der Schritt eine Chance, all’ das neu zu denken. Wie die Aufgabenstruktur künftig auch aussehe: „Wir müssen aufpassen, dass das nicht ein neuer Verschleißposten wird.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare