Lüdenscheid/NRW: 16 Kinder und Jugendliche verletzt

Wespen-Angriff an Schule: Augenzeuge berichtet - War das Wetter Auslöser?

Der Wespen-Angriff von Lüdenscheid sorgt am Montag für bundesweites Aufsehen. Radio- und Fernsehstationen berichten über die Attacke auf Schüler der Gesamtschule. Ein Augenzeuge und ein Schädlingsbekämpfer über den Ausnahmezustand durch Wespen.

  • Wespen greifen Kinder und Jugendliche an einer Gesamtschule in Lüdenscheid an.
  • Augenzeuge berichtet von dem außergewöhnlichen Wespen-Vorfall.
  • Schädlingsbekämpfer vermutet, dass der Wespen-Angriff auch mit dem Wetter zu tun hat.

Die Wespen hörte er nicht kommen, dafür aber seine Schüler. Frank Bisterfeld, Schulleiter der Adolf-Reichwein-Gesamtschule, hat das Fenster seines Arbeitszimmers fast immer geöffnet. Als er am Montagmorgen (24. August) einen spitzen Schrei eines Schülers auf dem Schulhof vernimmt, hätte er nicht im Traum daran gedacht, dass nur wenig später an seiner Schule Ausnahmezustand herrscht.

Wespen greifen Menschen in Lüdenscheid an - Großeinsatz an Gesamtschule

„Mich hat eine Wespe gestochen – in der Kniekehle“, ruft der Junge gegen 9.45 Uhr zu ihm herauf. Kurz darauf erreicht den Schulleiter die nächste Meldung vom Schulhof: Ein Mädchen hatte im Bereich der Toiletten einen Wespenstich am Hals erlitten, sie bekommt schlecht Luft, zeigt erste allergische Reaktionen. Die Schule setzt einen Notruf ab.

Als der Notarzt kurz darauf eintrifft und sich um die verletzte Schülerin kümmert, tauchen plötzlich immer mehr Kinder und Jugendliche auf und präsentieren ihre Wespenstiche an Hals, Nacken oder im Gesicht. Fast zeitgleich attackieren Wespen zwei Schüler innerhalb des Schulgebäudes, ein betroffener Klassenraum muss daraufhin geräumt werden. „Er herrschte eine große Aufregung, als sich plötzlich immer mehr Kinder mit Stichen meldeten“, sagt Schulleiter Bisterfeld.

Zum Zeitpunkt des Angriffs der Wespen ist gerade Pause an der Schule

Wegen der Corona-Einschränkungen finden die Pausen an der Gesamtschule derzeit zeitversetzt statt. Zum Zeitpunkt des Wespen-Angriffs hielten sich Schüler der siebten, achten und zehnten Klasse auf dem Schulhof auf. Wegen der Corona-Bestimmungen müssen die Fenster während des Unterrichts die meiste Zeit offen stehen.

Wespen-Angriff mit 16 verletzten Schülern: Massenanfall von Verletzten ausgerufen

Aufgrund der besonderen Lage ruft die Kreisleitstelle um 10.37 Uhr den „Massenanfall von Verletzten“ für die Gesamtschule aus. Rettungsdienst und Krankentransporte werden wegen des Wespen-Angriffs zur Schule am Eulenweg beordert. Die Koordinierung übernimmt – wie in diesen Fällen vorgesehen – der organisatorische Leiter des Rettungsdienstes.

Die Bilanz: 16 Schülerinnen und Schüler erleiden in nur wenigen Minuten Wespenstiche. Die Schule informiert die Eltern der betroffenen Schüler, dass ihre Schützlinge in die umliegenden Krankenhäuser gebracht werden. Sieben von ihnen kommen ins Klinikum Lüdenscheid, drei in die Stadtklinik Werdohl und drei ins Radprax-Krankenhaus nach Plettenberg. Eine Chronologie des Wespen-Einsatzes - unser News-Ticker zum Nachlesen.

Wespen-Allergie: Schülerin mit Atemnot kommt ins Klinikum Lüdenscheid

Eine Schülerin wird im Klinikum Lüdenscheid stationär aufgenommen, da sie unter einer Wespengiftallergie leidet. Alle anderen werden nach einer ärztlichen Untersuchung wieder nach Hause entlassen. Im Einsatz sind vier Rettungswagen aus Lüdenscheid, Halver, Breckerfeld und Meinerzhagen, drei Krankentransportfahrzeuge aus Lüdenscheid und zwei Notärzte.

„In dieser Heftigkeit habe ich das noch nicht erlebt, dass eine so große Anzahl von Personen von Wespen angegriffen wurde“, sagt Feuerwehr-Sprecher Jörg Weber am Mittag. Schulleiter Frank Bisterfeld steht auch am Nachmittag noch unter dem Eindruck der Ereignisse: „So eine Attacke, in diesem Ausmaß, damit konnte keiner rechnen.“

Schulleiter macht Durchsagen zum Wespen-Angriff - Schüler sollen in den Klassenräumen bleiben

Über Durchsagen versucht Bisterfeld die Situation zu beruhigen. Die Schulhöfe werden für den Rettungseinsatz sofort gesperrt. Die Schüler werden aufgefordert, in den Klassenräumen zu bleiben. Nach Jahrgängen gestaffelt verlassen sie schließlich am Mittag durch Seiteneingänge das Gebäude. Der Schulleiter lobt die besonnene Arbeit der Retter, aber auch der Kolleginnen und Kollegen.

Die Polizei sperrte den Schulhof der Gesamtschule in Lüdenscheid.

Bereits seit einigen Tagen hatte es immer wieder Meldungen über Wespen auf dem Schulhof gegeben. Der plötzliche Angriff kommt dennoch aus dem Nichts. Ein Schädlingsbekämpfer macht sich am Mittag auf die Suche nach Wespennestern auf dem Schulgelände. Er findet zwei Erdbehausungen der Gemeinen Wespe. Die jeweils rund 500 Tiere starken Völker hatten sich auf dem Schulhof in der Nähe eines Sitzbereiches sowie an der Hausmeisterwohnung niedergelassen. Sie werden mit Gift bekämpft, einem Kontaktinsektizid. Es wird durch die Wespen in die Hohlräume des Nestes getragen. Spätestens nach 48 Stunden sollen die Wespen verendet sein. So lange bleibt der Schulhof gesperrt.

Schädlingsbekämpfer ratlos: Einen solchen Wespen-Angriff hat er noch nie erlebt

Die Ursache für den Wespen-Angriff ist unklar. Eine solche Attacke von Wespen sei absolut außergewöhnlich, sagt Schädlingsbekämpfer Sascha Pick. Er arbeitet für die Firma Bruder aus Hückeswagen, die sich auf dem Schulhof ein Bild der Lage machte. Pick: „Was in Lüdenscheid passiert ist, ist kein normales Verhalten von Wespen. Dass so viele Kinder in so kurzer Zeit gestochen wurden, habe ich noch nie erlebt.“ Da half auch kein Trick, mit dem unter normalen Umständen Wespen vertrieben werden können.

War der Wetterumschwung Auslöser für den Wespen-Angriff von Lüdenscheid

Möglicherweise fühlten sich die Wespen durch kleine Erschütterungen des Erdreichs bedroht und seien deshalb zum Angriff übergegangen, versucht sich Schädlingsbekämpfer Pick an einer Erklärung. Auch der Wetterumschwung der vergangenen Tage könnte eine Rolle spielen. Nach sehr heißen Tagen folgte ein Temperatursturz. Für die wetterfühligen Insekten ein Problem. Dass so viele Kinder aber gleichzeitig attackiert werden, sei kein normales Verhalten der Wespe. Auch Schulleiter Bisterfeld hat etwas dazugelernt: „Was ich seit heute weiß: Wespen sind sehr nützliche Tiere – aber nicht in der Schule.“

Wegen des Wespen-Angriffs in Verbindung mit den nach wie vor geltenden Corona-Schutzbestimmungen muss die Schulleitung der Adolf-Reichwein-Gesamtschule den Stundenplan für den heutigen Dienstag ändern. Der Unterricht für den fünften Jahrgang entfällt komplett.

Nach Wespen-Attacke bleibt der Schulhof gesperrt bis die Wespen tot sind

Die Sechstklässler der Gesamtschule haben bereits nach der dritten Stunde frei, die Jahrgangsstufen 7 und 9 nach der vierten Stunde. Die Jahrgänge 9 und 10 sowie die Schüler der Sekundarstufe II haben Unterricht nach Plan. Durch die die Sperrung des Schulhofs finden die Pausen teilweise im Klassenraum statt. Die Klassenpflegschaftssitzungen finden wie geplant statt. 

Wer ein Wespennest entdeckt, muss einiges beachten. Es drohen Bußgelder bis 50.000 Euro - aber auch Abzocker, vor denen die Polizei dringend warnt, gerade jetzt in der Wespen-Hochsaison. So funktioniert die Wespen-Masche. Ein Mann gab für seinen Traum vom Lotto-Gewinn alles - sogar seine kleine Rente. Jetzt ist sein Geld weg.

Rubriklistenbild: © Florian Hesse/Allgemeiner Anzeiger

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