Werkzeugbau lernt von Natur

„Von der Idee zum fertigen Teil“: Wie eine Airbag-Abdeckung entsteht, lässt sich im Werkzeugbau-Institut (wi-swf) nachvollziehen.

Lüdenscheid - Am 2. und 3. Juli öffnet sich das Werkzeugbau-Institut am Freisenberg Fachleuten und interessierten Laien. Insbesondere eingeladen ist auch der Nachwuchs, der sich ein Bild von der Bandbreite des Werkzeugbaus machen möchte.

Die Metallspäne sind blau vor Hitze. Mit rund 1000 Grad wird’s dem Werkstück aus Metall, das gerade mittels Grobzerspanung in Form gebracht wird, so richtig heiß. Dagegen ist es im Werkzeugbau-Institut am Freisenberg, wo die brandneue Maschine eigens aufgebaut wurde, an diesem heißen Sommertag schön luftig.

Rund 130 angemeldete und weitere spontane Gäste haben zwei Tage Gelegenheit, sich über den technischen Werdegang eines Automobilzulieferteils zu informieren: eine Airbag-Abdeckung. Vorträge und Präsentationen richten sich nicht nur an Fachleute, sondern ebenso an Laien und Nachwuchs.

Von Konstruktion und Design über Programmierung und korrektes Einspannen des Werkstücks informieren Fachleute unterschiedlicher Firmen über Herstellungsschritte. Die lassen sich auch verfolgen: 30 Minuten für die Grobzerspanung, gefolgt vom einstündigen „High Speed Cutting“, bei dem die Metallplatte unter dem kühlenden Einsatz eines Wasser-Schmierstoff-Gemischs eine Stunde lang den Feinschliff bekommt, gefolgt vom aufwendigen 45-Stunden-Lasereinsatz, mit dem die Oberflächenstruktur ausgearbeitet wird, die sich in die Kunststoffform einprägen soll – man will zeigen, was geht. Das könnte ein Zopfmuster sein oder eine winzige Kästchenstruktur, je nach Designer-Wunsch. So kam auch Schlangenhaut auf ein Uhrenarmband aus Kunststoff.

Was alles machbar ist, etwa als Plagiatsschutz, erläutert wi-swf-Geschäftsführer Olaf Schmidt. Eine kleine Fliege, einst im Institut verendet, überträgt den Bernstein-Effekt in die Neuzeit: Mit Silikon abgebildet und dann in Metall gegossen, erhebt sich die tote Fliege aus ihrem Metallblock, die Facettenaugen so fein nachgebildet wie im Original, wie die Vergrößerung einer Mikroskop-Aufnahme verrät. Präzision mit praktischem Nutzen: „Es ist eine Art Plagiatsschutz“, sagt Schmidt. „Fingerabdrücke“ im Metall sichern Urheberrechte. Aber die Technologie, die die Lüdenscheider miterforschen und -entwickeln, kann noch mehr. „Wenn sich die Natur eins zu eins kopieren lässt, lässt sie sich auch überlisten“, weiß Schmidt. Für einen Hustensaftmessbecher hat man die Struktur der Netzmelone abgenommen und so den Lotusblüteneffekt kopiert. „Davon läuft jetzt alles rückstandslos ab.“

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