Werk von Paul Wieghardt

Eine Leinwand mit zwei Bildern

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Die von Paul Wieghardt bemalte Leinwand zeigt auf der einen Seite eine schlafende weibliche Person

Lüdenscheid - Zwei Künstler von internationalem Renomee sind eng mit Lüdenscheid verbunden. Nachdem ein Werk von Ida Gerhardi bereits Einzug ins Virtuelle Museum gefunden hat, folgt nun eine höchst interessante Arbeit von Paul Wieghardt (1897-1969) – denn genaugenommen handelt es sich um zwei Bilder auf einer Leinwand.

Das Werk gelangte erst kürzlich durch eine Schenkung aus Privatbesitz in den Bestand der Städtischen Galerie und bereichert damit die umfangreiche Sammlung mit Bildern des in Lüdenscheid geborenen Künstlers. Einige der Werke sind, neben denen von Ida Gerhardi, in der Dauerausstellung der Städtischen Galerie zu sehen.

Wieghardts Witwe, die Bildhauerin Nelli Bär, hatte bereits 1981 einen großen Teil des Nachlasses ihres Mannes seiner Heimatstadt gestiftet. Eine weitere Schenkung an die Städtische Galerie erfolgte nach dem Tod der Bildhauerin 2001 durch die Familie. Ein großer Teil der Gemälde und Grafiken Wieghardts konnte von 2009 bis 2011 mit Fördergeldern des Restaurierungsprogramms Bildende Kunst NRW restauriert werden. 

Im kommenden Jahr jährt sich der Todestag Paul Wieghardts zum 50. Mal. Dies will die Städtische Galerie zum Anlass nehmen, den Künstler mit einer umfangreichen Ausstellung, die voraussichtlich im Oktober 2019 eröffnet werden soll, zu würdigen. Dazu wird es auch einen ausführlichen Katalog geben, der Leben und Werk von Paul Wieghardt dokumentiert.

Während des Studiums in Dresden entstanden

Die Arbeiten daran laufen bereits jetzt auf Hochtouren. Außerdem erhält die Galerie derzeit weitere Zustiftungen, die die Wieghardt-Sammlung ergänzen. Dazu gehört eben auch dieses doppelseitig bemalte Stück Leinwand, das wir im Virtuellen Museum präsentieren. Es zeigt auf der einen Seite eine schlafende weibliche Person und auf der anderen Seite die Studie eines weiblichen Aktes. Diese Arbeit Wieghardts gehört in die Jahre seiner Studienzeit an der Dresdner Akademie von 1926 bis 1931.

Als jüngster Sohn des Inhabers eines Anstreicherfachbetriebes in Lüdenscheid hatte Wieghardt zunächst eine handwerkliche Ausbildung genossen und danach an der „Kunstgewerbe- und Handwerksschule der Stadt Köln“ studiert. Ein Jahr lang setzte er seine Studien am Weimarer Bauhaus fort. Dieser kurze, aber intensive Aufenthalt an der zu ihrer Zeit revolutionären Schule mit ihrem neuartigen pädagogischen Ansatz, der Verzahnung von Handwerk, Design und Freier Kunst war für Wieghardt insbesondere nach seiner Emigration in die USA von größter Bedeutung. 

Auf der zweiten Seite der Leinwand malte Wieghardt einen weiblichen Akt. 

Aber zunächst war die Dresdner Akademie das ersehnte Ziel des jungen Malers. Neben Berlin und München war diese Stadt das wichtigste Kunstzentrum Deutschlands in den Jahren der Weimarer Republik. 1926 begann Wieghardt sein Studium bei dem Spätimpressionisten Prof. Robert Sterl (1867-1932). Dieser wurde für Paul Wieghardt eine der wichtigsten Bezugspersonen, nicht nur in künstlerischer, sondern auch in pädagogischer Hinsicht. In dieser Zeit wurde die Grundlage für Wieghardts künstlerisches Kernmotiv, der Figur im Raum, gelegt.

Die Figur im Raum als zentrales Thema 

Denn das genaue Studium des menschlichen Körpers, seiner Anatomie und Abbildung im räumlichen Umfeld gehörte zu den wichtigsten Ausbildungsthemen der akademischen künstlerischen Schulung. Die Leinwand mit den zwei Motiven gehört sicherlich in diesen Zusammenhang. Sie stellt eine farbige Umsetzung der während der langen Sitzungen im Aktstudium gezeichneten Studien dar. Das kleine Format der Leinwand besitzt deutlich Studiencharakter. Dafür spricht auch die Tatsache, dass sie doppelt verwendet wurde.

Der Rahmen, in dem sich das Bild – oder die Bilder – inzwischen befindet, hat auf beiden Seiten durchsichtiges Glas. Die Ösen zum Aufhängen sind an der oberen Seite angebracht. So kann das Werk an zentraler Position eines Raumes an die Decke gehängt und von beiden Seiten betrachtet werden.

„Beide Darstellungen kennzeichnet eine breite, pastose Pinselführung und eine spontan anmutende Ausschnitthaftigkeit des Motivs. Die Aktdarstellung zeichnet sich durch eine die komplette Leinwand bedeckende, subtil abgestimmte Farbigkeit aus“, beschriebt Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen das Werk aus kunsthistorischer Sicht. Bei der Darstellung der ruhenden weiblichen Person lässt sich, trotz der kräftigen Farbe des Kleides, ein weitaus sparsamerer Farbauftrag feststellen. Die Leinwand selbst scheint an vielen Stellen als heller, lichter Akzent hindurch und verleiht der Ölstudie eine gewisse stimmungsvolle Leichtigkeit.

Diese Arbeit Paul Wieghardts gibt auf ihre Weise einen konkreten Einblick in die Arbeitsweise des Künstlers während seiner Studienzeit und gibt Aufschluss über seine Auseinandersetzung mit dem Thema der Figur im Raum, das seine weitere künstlerische Entwicklung maßgeblich bestimmte und prägte.

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