Kreisritzer im Museumsgarten

Enthüllung vor großer Kulisse: Gut besucht war die Matinée im Museumsgarten. - Fotos: Krumm

Lüdenscheid  - Es ist schön, wenn ein Mensch sich noch selber überraschen kann. Oder wenn er etwas schafft, was ihn wiederum überraschen oder auch seine Erwartungen erfüllen kann. Der Werdohler Künstler Kurt Kornmann hat im Auftrag der Kunstfreunde Lüdenscheid so ein Werk geschaffen: Pünktlich zur Präsentation im Skulpturengarten der Galerie am Sauerfeld begann es leicht zu regnen.

Das hätte hervorragend gepasst, wenn Kurt Kornmann wie so häufig dem Regen die zentrale Rolle bei der Schaffung des Werkes überlassen hätte. Nun ist der Regen aber nur zweitrangiger Schöpfer dessen, was die Eisenspitzen einer Egge in eine Sandsteinplatte zeichnen werden. Denn sie sind nicht aus Edelstahl und werden unter dem Einfluss von Niederschlägen irgendwann anfangen zu rosten. Das wird Farbflächen auf die grünliche Basisplatte aus Anröchter Sandstein zeichnen. Bekannt ist das prägnante Material von den Soester Kirchen, die ihm ihre eigentümliche Färbung verdanken. Doch nicht der Regen, sondern der Wind soll die größte Gestaltungskraft in Kurt Kornmanns neuem Werk entwickeln, das man vorläufig als „windgetriebenen Kreisritzer“ bezeichnen könnte. Nach weniger nüchternen Namen wird derzeit noch gesucht.

Vier Segel sollen die Elementarkraft einfangen und über ein vertikal ausgerichtetes Drehgestänge auf die vier Ausleger mit den Eggen-Spitzen übertragen. Dass das Ritzen funktioniert, zeigte Kurt Kornmann von Hand. Denn nach dem Regen, der sich in seiner Bedeutung in die zweite Reihe zurückversetzt sah, streikte am Sonntag aus Solidarität auch der Wind im doch recht geschützten Museumsgarten. Die spannende Frage ist nun, ab welcher Windstärke der windgetriebene Kreisritzer sein Werk beginnen wird.

„Ich bin selber gespannt, was sich daraus entwickelt“, blickte Kurt Kornmann auf sein Werk, dessen Vollendung fortan den Elementarkräften der Witterung überlassen bleibt. „Der Mann, der mit dem Regen malt“, hatte die Kunsthistorikerin Dr. Carolin Krüger-Bahr dieses Prinzip bei einer Ausstellungseröffnung einst auf den Punkt gebracht. Kurt Kornmann brachte etwa weißen Nesselstoff und runde rostende Metallplatten zusammen und überließ es dem Wetter, die Diffusion der Rostpartikel in den Stoff hervorzurufen. Bei einer solche Vorgehensweise bleibt notwendigerweise viel dem Zufall überlassen – wer mag, kann darin eine besondere Art künstlerischer Freiheit sehen. Denn ein solches Werk verzichtet schon von seiner Anlage her darauf, das künstlerische Resultat umfassend beherrschen zu wollen.

Sponsoren und die Kunstfreunde Lüdenscheid hatten die Anschaffung des windgetriebenen Kreisritzers für den Museumsgarten ermöglicht. Cornelia Amtenbrink, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, begrüßte die zahlreichen Besucher in den Museen am Sauerfeld und dankte der Galerie und allen, die den Ankauf des „bleibenden und sich wandelnden Kunstwerkes“ ermöglicht hatten. Kurt Kornmann führte vor Ort in die Funktionsweise des windgetriebenen Kreisritzers ein und dankte seinerseits allen, die das Werk möglicht gemacht hatten. Die durch den Wind verursachte Kreisbewegung ließ Kurt Kornmann zudem an seine Jugend zurückdenken: Auf Sylt habe er einst den vom Wind zu kreisförmigen Wirbeln beschleunigten Strandhafer beobachtet.

Zu einer durchweg runden Sache wurde die Taufe des neuen Kunstwerks durch die Live-Musik der Lüdenscheider Folkband „Portmeirion“ und eine mittägliche Stärkung. So waren beste Voraussetzungen für interessante Gespräche und Erzählungen gegeben.

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