Werbe-„Guerillas“ in Aktion

LÜDENSCHEID ▪ Eine „Guerilla-Kampagne“ und ihre Folgen: Nach der spektakulären Aktion, bei der die Lüdenscheider Werbeagentur David & Goliath während des Stadtfestes einen zehnminütigen Reklamefilm fürs Gartencenter Kremer auf die Fassade des Rathauses projiziert hat (wir berichteten), ist immer noch nicht klar, ob die Sache überhaupt genehmigungspflichtig war.

„Natürlich haben wir vorher mit unserem Auftraggeber über mögliche Risiken gesprochen“, sagte David & Goliath-Chef Matthias Czech gestern im LN-Gespräch. Aber man habe sich darauf geeinigt, die Sache im Geheimen vorzubereiten. „Wir wollen Aktionen machen, über die viele Menschen sprechen.“ Dabei nehme er auch in Kauf, „anzuecken“, wie Czech sagte.

Angeeckt ist er jedenfalls bei Stadtfest-Organisator Wolfgang Löhn. Der kündigte gestern an, von der Rechtsabteilung der Stadt prüfen zu lassen, ob Czech eine Genehmigung hätte beantragen müssen – „und ob hier öffentlich-rechtliche oder privatrechtliche Belange“ berührt seien. Auf die Frage, ob sich – wie gestern in einem Leserbrief erörtert – Bürger mit Spenden von Sanktionen freikaufen könnten, sagte Löhn: „Da sollte man den Ball ’mal flach halten.“

Immerhin: „Eine finanzielle Lösung ist erreicht“, so Wolfgang Löhn. Bürgermeister Dieter Dzewas hatte am Montag nach dem Stadtfest bekannt gegeben, Kremer habe „eine namhafte Summe“ aufs Stadtfest-Konto überwiesen. Matthias Czech bestätigte gestern, dass es 2000 Euro waren. Bei einem Treffen im Gartencenter habe ihm der Bürgermeister am Mittwoch gesagt, er habe die Aktion „wirklich ganz charming“ gefunden.

Kleine Anekdote am Rande: Damit die Projektion auch wirklich den gewünschten Effekt hat, mussten die Lamellen der Rathausfassade geschlossen und alle Lichter gelöscht sein. Doch wie Czech berichtet, war das Licht in einem Büro im dritten Stock nächtelang angeschaltet. „Da habe ich den Hausmeister des Rathauses angerufen und ihm gesagt, als Bürger der Stadt sei mir daran gelegen, dass die Stadt Energie und Kosten spart und nachts alle Lichter löscht.“ Der Werbefachmann schmunzelt. „Am Samstagabend, als es darauf ankam, war dieses Büro dann endlich auch dunkel.“

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