Offenes Angebot des Integrations- und Begegnungszentrums 

"Wenn ich tanze, vergesse ich alles": Geflüchtete Frauen genießen Zumba-Stunden

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Die Freude an der Bewegung sowie der Begegnung mit anderen Frauen stehen im Mittelpunkt des interkulturellen Zumba-Kurses im Integrations- und Begegnungszentrum. Initiatorin Aygül Aytac und Trainerin Gülay Cetin (vorne) freuen sich auf weitere Teilnehmerinnen.

Lüdenscheid - Eine Stunde Auszeit vom Alltag, Zeit zum Abschalten und die Möglichkeit, sich frei zu machen von Stress und Sorgen: Im Lüdenscheider Integrations- und Begegnungszentrum (Libz) bot sich zuletzt die Möglichkeit, eine Stunde gemeinsam tanzen, etwas für sich zu tun und gemeinsam ins Gespräch zu kommen. 

Und das offene Zumba-Angebot, das sich an Frauen mit und ohne Migrationshintergrund sowie geflüchtete Frauen gleichermaßen richtet, erfreute sich großer Beliebtheit:

Es ist 13 Uhr und durch die geschlossene Tür der Turnhallen-Tür dröhnen rhythmische Klänge. An diesem Montag ist die Gruppe überschaubar, lediglich vier Frauen folgen den Instruktionen von Zumba-Trainerin Gülay Cetin. Die Erkältungswelle hat zugeschlagen und die Gruppe dezimiert. „In der Regel tanzen hier bis zu 20 Frauen, es dürfen aber auch gerne noch mehr werden“, betont Aygül Aytac von der Stabsstelle Integration.

 Sie war es, die das Projekt im Frühjahr angestoßen hatte und sich nun über die Resonanz freut: „Es war mir ein großes Anliegen, für die Frauen eine Möglichkeit der Begegnung zu schaffen, bei der sie durch das Tanzen vom Alltag abgelenkt werden, ihr Selbstwertgefühl stärken und sich gut fühlen können“, verweist sie auf die positiven Wirkungen des Tanzens. 

Und eben diese habe sie bei „ihren“ Frauen, viele von ihnen Mütter, bereits feststellen können. „Am Anfang gab es noch eine gewisse Scheu, nicht zuletzt, weil vielen Zumba gar kein Begriff war. Doch mittlerweile sind die Frauen ganz begeistert, sind gelöst und haben Spaß.“

Und das zeigt sich auch an diesem Tag: In der Halle herrscht eine lockere, fröhliche Stimmung. Die Musik hat mittlerweile orientalische Züge angenommen, Gülay Cetin bringt die Frauen mit strengen, aber herzlichen Anweisungen zum Schwitzen. Und dennoch strahlen sie übers ganze Gesicht, genießen das unbefangene Miteinander. 

„Ich freue mich immer auf die Stunde: Das tut mir gut und ich fühle mich gut“, erzählt Hanife Bengi, die im Libz vormittags für die Kinderbetreuung verantwortlich zeichnet. Und Razwa Azad ergänzt: „Wenn ich tanze, vergesse ich alles.“ Die 22-Jährige kam vor vier Jahren aus dem Irak nach Deutschland und fühlt sich mittlerweile wohl in Lüdenscheid. Ebenso wie die 42-jährige Khadija Tabahimat aus Marokko, die nun – nach vielen Jahren in Italien – in der Bergstadt ein neues Zuhause gefunden hat. Gemeinsam mit der 25-jährigen Alaa Alahmad, die vor vier Jahren ihre Heimat Syrien verlassen musste, nehmen sie derzeit an einem der Awo-Sprachkurse im Libz teil – und besuchen anschließend den wöchentlichen Zumba-Kurs. 

Der Vorteil: Die noch kleinen Kinder der drei Frauen werden nicht nur während des Sprachkurses betreut, sondern auch in der Zeit des Tanzkurses. „Mir war wichtig, mögliche Hindernisse sofort aus dem Weg zu räumen“, betont Aygül Aytac und verweist auf das kostenfreie Angebot von Kurs und Betreuung. 

In der Turnhalle ist Gülay Cetin mittlerweile vom Tanzen auf Übungen für Bauch und Beine umgestiegen. Neben der Matte knieend und mit aufmerksamem Blick motiviert sie ihre Teilnehmerinnen und spornt sie an – und spricht ihnen ein großes Lob aus: „Die Frauen sind so stark, haben schon vieles geschafft und noch so viel vor“, ist auch die Trainerin mit Begeisterung dabei. 

Während die Stunde langsam zu Ende geht, bereitet Aygül Aytac eine Etage tiefer bereits das Kaffeetrinken vor. An den liebevoll gedeckten Tischen kommen die Zumba-Tänzerinnen im Anschluss zusammen, um bei Kaffee und Plätzchen noch ein wenig zu plaudern, sich auszutauschen oder auch Rat zu suchen. „Wir sind hier Freundinnen geworden und treffen uns mittlerweile auch privat“, erzählen die Kursteilnehmerinnen, bevor sie freudig ihre Kinder in die Arme schließen.

Für Aygül Aytac ist dies mehr als Bestätigung dafür, mit dem interkulturellen Zumba-Angebot im Libz auf dem richtigen Weg zu sein: „Es ist wirklich schön zu sehen, welche Entwicklung die Frauen gemacht haben, wie sie sich verändert haben – durch die Begegnung und das Tanzen." Eine Fortsetzung des Kurses ist daher auf jeden Fall in Planung.

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