Ein Jahr Abfallstreife in Lüdenscheid

Wenn die Müllpolizei bei den Nachbarn ermittelt, werden die Müllsünder sauer

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Ein Beispiel einer Müllsünde. Illegales Abladen an der Wertstoffsammelstelle. 

Lüdenscheid – Das Ziel war klar formuliert: Lüdenscheid soll sauberer werden. Dafür wurden Mitarbeiter des Ordnungsamts eigens geschult und auf Abfallstreife geschickt. Hat es was gebracht?

Am 1. Juli 2018 ging die Lüdenscheider Abfallstreife erstmals auf Patrouille. Ein Jahr später zieht die Stadtverwaltung nach einer Anfrage unserer Zeitung Bilanz. Fazit: Lüdenscheid ist sauberer geworden. Der Erziehungseffekt ist spürbar – und der klammen Stadtkasse tun Müll-Knöllchen auch gut.

Die Abfallstreife ist hauptsächlich für den Bereich Werdohler Straße, Kluser Straße, Gersbeuler Straße beziehungsweise für den innerstädtischen Bereich zuständig. Hier läuft die Abfallstreife täglich mehrmals Patrouille. Aus diesem Grund wurden die meisten Abfallvergehen in diesem innerstädtischen Bereich festgestellt. 

Die Abfallstreife ist seit einem Jahr auf Patrouille. 

Bürger melden sich vermehrt im Ordnungsamt oder beim Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb Lüdenscheid (STL) und melden illegale Abfallablagerungen oder andere Verstöße. Viele kennen die Abfallstreife vom Sehen und geben direkt den Hinweis am Telefon. Viele freuen sich darüber, dass es in Lüdenscheid endlich eine Art „Müllpolizei“ gibt und die Stadt dadurch sauberer wird. 

Laut Abfallstreife reagieren die erwischte Müllsünder meistens einsichtig. Sie fühlen sich ertappt, da die Abfallstreife zum Beispiel bei Kontrollen der Wertstoffsammelstellen in Zivil unterwegs ist. Der Großteil der Müllsünder ist sofort bereit, den Müll entweder ordnungsgemäß zu entsorgen oder aber diesen wieder mitzunehmen. Weniger einsichtig sind die Bürger, die im Nachgang anhand von Adressaufklebern oder Befragungen der Nachbarschaft ermittelt werden können.

Fast 40.000 Euro nahm die Stadt Lüdenscheid an Verwarn- und Bußgeldern sowie Gebühren für sogenannte Ersatzvornahmen in einem Jahr ein.  Ersatzvornahme bedeutet, dass der Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb Lüdenscheid (STL) Sperrmüll entfernen muss, der nicht unter die kostenlose Abfuhr fällt. Das kommt vor, wenn zum Beispiel die Menge zu groß ist oder Gegenstände zur Abholung bereitgestellt werden, die nicht unter Sperrmüll fallen.

Mehr als ein 100 Bußgelder verteilte die Müllstreife in einem Jahr. 

Aus Sicht der Stadtverwaltung ist die Abfallstreife ein Erfolg. „Entscheidend ist jedoch die Außensicht, also wie beurteilt ein Besucher Lüdenscheid. Wichtig ist auch der Blickwinkel der Einwohner“, sagt Stadtsprecher Sven Prillwitz. „Betrachtet man das Stadtbild, fällt deutlich auf, dass vor allem die Problemstellen seit Einführung der Abfallstreife im Juli 2018 deutlich sauberer geworden sind.“ Es falle auf, dass von wenigen Ausnahmen Müllsünder Einzeltäter sind. Viele Bürger begründeten ihre Verstöße mit Unwissenheit. Die Statistik zeige deutlich, dass die Bürger aus ihren Fehlern lernen. Wer erwischt wird, fällt nicht wieder auf.

Doch es gibt noch viel zu tun: In der Vergangenheit ist aufgefallen, dass die Straßen im Innenstadtbereich (Werdohler Straße, Kluser Straße) an den Tagen, an denen keine Präsenzstreife unterwegs ist, deutlich verschmutzter sind. Laut Stadtsprecher Prillwitz sei es daher wichtig, dass die Abfallstreife Präsenz zeigt und auch von den Bürgern im Stadtgebiet gesehen wird.

Wer ist die Abfallstreife?

Es gibt zurzeit drei Mitarbeiter, die für die Abfallstreife in Vollzeit (39 Stunden) unterwegs sind. Im Normalfall läuft ein Team immer zu zweit und ein Mitarbeiter bearbeitet seine Aufträge alleine. In Ausnahmefällen beziehungsweise an besonders problematischen Stellen wird auch schon mal in einer Dreier-Gruppe gearbeitet. Die Kernarbeitszeit ist montags bis donnerstags von 7 bis 16 Uhr und freitags von 7 bis 12 Uhr. Einmal in der Woche findet eine Spätschicht statt, dann ändert sich die Zeit auf 12 bis 21 Uhr. Die Tätigkeit besteht zu circa 70 Prozent aus einer Außendiensttätigkeit. Die restliche Zeit sind die Mitarbeiter im Innendienst tätig.

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