Weniger Wassergeld jetzt auch für Mieter

Freude in Lüdenscheider Haushalten: Die Jahresabrechnung beim Wasser dürfte bei den meisten niedriger ausfallen.

LÜDENSCHEID ▪ Viele Mieter in Lüdenscheid sollten in nächster Zeit bei der Nebenkosten-Jahresabrechnung in den Genuss einer Erstattung zu viel gezahlter Wasserkosten kommen. Allein bei der stadteigenen Lüdenscheider Wohnstätten AG (Lüwo), bei der die meisten Betriebskosten-Abrechnungen im zweiten Quartal 2013 herausgehen, betrifft dies Mieter in 2000 Wohnungen. Die Erstattung geht zurück auf den 2012 gewonnenen Prozess der Stadtwerke Lüdenscheid gegen den Ruhrverband um Gratiswasser aus der Versetalsperre.

Anno 1929, im Baujahr der Versesperre, erhielten die Stadtwerke das Recht, daraus sechs Millionen Liter Wasser im Jahr kostenlos zu entnehmen, das heute im Wasserwerk Treckinghausen zu Trinkwasser aufbereitet wird. Diese Vereinbarung hatte der Ruhrverband, der die heimischen Talsperren betreibt, Mitte 2009 einseitig gekündigt. Darauf stieg der Wasserpreis in Lüdenscheid um 70 Cent je Kubikmeter – eine Erhöhung, die bis Mitte 2012 bezahlt wurde und sich in drei Jahren auf etwa 2,5 Millionen Euro summierte. Zu Unrecht, wie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz im mehrjährigen Rechtsstreit zwischen Stadtwerken und Ruhrverband entschied.

Jetzt musste alles retour gehen. Der Ruhrverband zahlte im Rahmen eines Vergleichs bereits ein Gutteil des Geldes an die Stadtwerke zurück. Die gaben laut Sprecher Andreas Köster die volle Höhe der geleisteten Mehrzahlungen an ihre Kunden weiter: „Für jede Wasseruhr wurde das nach Arbeits- und Grundpreis einzeln ausgerechnet.“ Zudem senkten die Stadtwerke im Herbst 2012 den Wasserpreis für Lüdenscheid rückwirkend zum Sommer.

Was vielfach noch aussteht, ist nun das Durchreichen des zurückgezahlten Wassergeldes durch die Vermieter an ihre Mieter. Köster: „Jeder reelle private Vermieter wird das sicher so machen.“

Bei der Lüwo AG soll dies jetzt über die gerade laufende Betriebskostenabrechnung 2013 geschehen. Darin werden monatliche Nebenkosten für Gas, Wasser, Strom, Versicherungen oder Gebühren mit den tatsächlich angefallenen Kosten im Jahr verrechnet. Weil das Wasser hier nur ein Punkt von vielen ist, warnt Lüwo-Geschäftsführer Christoph Loos vor zu hohen Erwartungen. Die Stadtwerke haben indes ausgerechnet, dass die gesamte Erstattung beim Wasser für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Durchschnittsverbrauch von 150 Kubikmetern etwa 110 Euro ausmachen müsste.

Auch die Stadt Lüdenscheid vermietet rund 60 Wohnungen, und auch sie will die Ansprüche der Mieter beim Wassergeld berücksichtigen, wie Frank Kuschmirtz von der Zentralen Gebäudewirtschaft (ZGW) erklärte. Wie bei der Lüwo dauere dies aber noch einige Zeit. Das Verfahren war zuletzt Thema eines kritischen Leserbriefs. Versichert wurde gestern aber bei ZGW wie auch in der Rechtsabteilung des Rathauses, dass es die Erstattung geben wird.

Schwierig werde dies zwar bei Mietern, die inzwischen umgezogen sind. Die Stadtwerke konnten laut Köster aber noch hunderte solcher Kunden in der ganzen Republik ausfindig machen.

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