Weniger Leiharbeiter als im Bundesdurchschnitt

LÜDENSCHEID ▪ In zahlreichen heimischen Betrieben der Metall- und Elektrobranche wächst die Unruhe – obwohl die Konjunktur nach der großen Krise wieder anzieht. Das ist die Einschätzung des IG-Metall-Bevollmächtigten Bernd Schildknecht. Doch der Generalvorwurf der Gewerkschaft, deutsche Unternehmer nutzten das Instrument der Leiharbeit dazu, „eine neue Billiglohnlinie zu etablieren“, treffe auf Lüdenscheider Unternehmer pauschal nicht zu, sagte Schildknecht im LN-Gespräch.

Der stellvertretende IGM-Bundesvorsitzende Detlef Wetzel hatte gesagt, in 23 Prozent der Betriebe würden bis zu 50 Prozent Leiharbeiter eingesetzt. Nach Erkenntnissen der Metallgewerkschaft liegt die Quote der Leiharbeiter in tarifgebundenen Firmen in Lüdenscheid bei „maximal zehn bis zwölf Prozent“, so Schildknecht. „In mehr als einem Dutzend Unternehmen haben die Betriebsräte hier mit den Unternehmen Betriebsvereinbarungen getroffen, die die Quote der Leiharbeit begrenzt.“

Dass die Unsicherheit in den Belegschaften trotzdem gewachsen ist, macht der Bevollmächtigte Schildknecht unter anderem an den Eintrittszahlen fest. „Allein im September verzeichnen wir 148 Aufnahmen.“ Ein wachsender Anteil von Neumitgliedern komme aus dem Kreis der Leiharbeiter. Schildknecht: „Nach steigenden Krankenkassenbeiträgen oder Rente mit 67 ist das auch ein Zeichen wachsenden Unrechtsgefühls der Kolleginnen und Kollegen.“ Nach den Worten von Gewerkschaftssekretär Stefan Thalheim sei die Lage der Leiharbeiter prekär. „Es gibt welche, die arbeiten 40 Stunden pro Woche und gehen am Ende des Monats mit 750 Euro netto nach Hause.“

Die in Lüdenscheid offenbar unterdurchschnittliche Leiharbeiter-Quote ist nach Auffassung des Gewerkschafts-Bosses durch mehrere Faktoren zu erklären. „Die Strukturen im hiesigen Mittelstand sind schon sehr speziell.“ Zudem zahle es sich aus, dass Gewerkschaft und Arbeitgeberverband bei Problemen „sehr schnell“ miteinander an Lösungen arbeiteten.

Der 1. Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektroindustrie, Hans Ulrich Volz, bezeichnete die Leiharbeit „trotz einer anfänglichen Erholung nach der Krise“ als „nach wie vor wichtiges Element“. Die Lage habe sich noch nicht so nachhaltig verbessert, dass man auf Leiharbeiter komplett verzichten könne.

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