"Das ist eine schlechte Kombination"

Weniger Blutspender wegen Corona: Engpässe drohen, der Bedarf steigt

+
Wegen Corona müssen immer noch Blutspendetermine ausfallen.

Lüdenscheid – So langsam kehrt für die Krankenhäuser wieder der Alltag ein. Das bedeutet: mehr Operationen und damit auch mehr Blutpräparate, die benötigt werden. „Der Bedarf steigt sprunghaft an“, teilt der Blutspendedienst West mit. Engpässe könnten die Folge sein – auch mit Auswirkungen auf die Kliniken in Lüdenscheid.

„Wir haben derzeit noch keinen extremen Engpass, aber dazu kann es noch kommen“, erklärt Dr. Hans Günther Wahl vom Medizinischen Labor Wahl in Lüdenscheid. Dieses verwaltet für die Sportklinik Hellersen und das Klinikum die Blutpräparate. 

Erst die Corona-Pandemie, durch die die Blutspendetermine ausfallen mussten und teilweise immer noch entfallen, und jetzt die bevorstehenden Sommerferien, in denen erfahrungsgemäß weniger Menschen zur Blutspende kommen – das sei eine schlechte Kombination, sagt Dr. Wahl. „Vielleicht haben wir ja Glück und die Menschen gehen spenden, wenn sie wegen Corona nicht in den Urlaub fahren sollten. Das wäre zumindest schön. Die Spendentermine sollten immer wahrgenommen werden“, sagt er. 

Das Labor hält für die Kliniken ein Depot von allen Blutgruppen mit einem Vorrat von einem Tag vor. Dafür wird ausgerechnet, wie hoch der Bedarf ist und wie viele Blutpräparate benötigt werden, um das Depot wieder aufzufüllen. Der Vorrat darf nicht zu groß sein, da das Blut nach sechs Wochen nicht mehr verwendet werden kann. 

Ist im eigenen Depot nicht genügend vorhanden, bekommt das Labor Blut vom nächsten DRK-Blutspendedienst, in diesem Fall Hagen, und wenn auch dieser kein Blut liefern kann, wird bei weiteren angefragt werden, bis die Suche erfolgreich ist. Gelingt das nicht, müsste im Extremfall eine Operation abgesagt werden, erklärt Dr. Hans Günther Wahl. 

Bisher macht sich der Engpass im Klinikum und in der Sportklinik noch nicht bemerkbar. Diese sind bedacht, blutsparend zu operieren. „Wir arbeiten vorrangig mit Eigenblut“, erklärt Sarah Pawlik, Leitung Marketing und Kommunikation. Mehrheitlich handelt es sich in der Klinik um geplante Operationen. Während der OP werde das Blut des Patienten gesammelt, aufbereitet und dem Patienten zurückgegeben. 

Mit Blutkonserven arbeite man nur in Notfällen, wenn das eigene Blut nicht ausreicht. Dr. Hans Günther Wahl ergänzt: „Eine Blutkonserve ist nötig, wenn jemand Blut verliert, zum Beispiel, weil ein Gefäß beschädigt ist. Es kommt aber auch auf die Größe und das Operationsgebiet an. Wenn zwei Hüften ausgetauscht werden, benötigt man viel Blut, da reicht das eigene nicht.“ 

Trotz eines hohen Anteils an Notfalleingriffen haben sich in den vergangenen 15 Jahren im Klinikum keine Blut-Engpässe bemerkbar gemacht. „Jede Operation konnte durchgeführt werden“, sagt Corinna Schleifenbaum, Sprecherin der Märkischen Kliniken. Sie betont aber auch: „Wir gehen mit Blutkonserven sehr sparsam um.“ 

Eine Reihe von Maßnahmen werde ergriffen, um den Verbrauch von Fremdblutspenden gering zu halten. So wird das Blut, das der Patient bei der OP verliert, gesammelt und ihm zurückgegeben. Zudem werde darauf geachtet, dass eine Blutkonserve erst eingesetzt wird, wenn es nötig ist – zum Beispiel, wenn ein Patient Kreislaufprobleme bekommt, nicht aber, wenn sich der Blutfarbstoff ändert. Dr. Wahl fasst zusammen: „Im Normalfall sind wir relativ gut aufgesellt. Aber damit es so bleibt, ist es wichtig, dass die Menschen zur Blutspende gehen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare