Wenig Anlass zur Wildfütterung

Auch in Gärten suchen Rehe nach Futter.

LÜDENSCHEID ▪ Keinen Anlass zur Aufhebung des Wildfütterungsverbotes sieht derzeit das Regionalforstamt Märkisches Sauerland. „Wir haben einen hohen Wildbestand an der oberen Grenze. Bei einer Fütterung kommen Tiere durch, die eigentlich nicht mehr lebensfähig sind.

Das ist auch nicht gut für den Wildbestand“, sagte Verwaltungsleiter Richard Nikodem gestern im Gespräch mit den LN.

Darüber hinaus sei die Lage für die Tiere entgegen dem ersten Eindruck nicht besonders dramatisch: „Die meisten Rehe sehen noch immer munter und proper aus. Es schaut immer noch einiges Fressbares raus aus dem Schnee.“ Anlass für eine Aufhebung des gesetzlichen Fütterungsverbotes sei allenfalls eine Gefährdung des Arterhaltung durch eine unverhältnismäßig harte Notzeit für die Tiere. Davon aber könne keine Rede sein. „Es gibt genug Individuen für die Arterhaltung.“ Zudem sei die Bevorzugung von Rehwild bei Fütterungen nicht zu rechtfertigen: „Eichelhäher, Marder und Eichhörnchen schieben auch Kohldampf.“

Im Gegensatz zu den Jägern, die einen hohen Wildbestand schätzten, dürfe das Forstamt sich nicht auf das Wild fixieren, sagte Nikodem. Die hohen Wildbestände, die durch natürliche Fressfeinde kaum mehr beschränkt würden, gefährdeten die Neuanpflanzungen von Laubbäumen. Diese Wiederaufforstungen seien unter hohem finanziellen Aufwand auf freigeräumten Kyrill-Flächen gepflanzt worden.

Dorothea Zeppke-Sors, Leiterin des Hegerings Lüdenscheid präzisiert die gesetzlichen Vorgaben: So sei es den Jägern durchaus erlaubt, Heu und Grassilage an das Rehwild zu verfüttern. Saftfutter, wie etwa Rüben, würde allerdings den heruntergefahrenen Stoffwechselhaushalt der Tiere fahrlässig ankurbeln und ist deshalb verboten. Dieses Verbot könne nur durch die Forschungsstelle für Jagdkunde und Wild-Schadenverhütung bei Bonn aufgehoben werden.

Zu üppig gefüttertes Rehwild würde bei Tauwetter mit umso größerem Appetit auch über Baum-Setzlinge herfallen. Dass sich Tiere in solchen Notzeiten an Orten komprimierter Nahrung, wie etwa Gärten, schadlos hielten, sei vollkommen normal. Gleichzeitig warnt die Hegeringleiterin: „Auf keinen Fall sollten die Menschen irgendetwas in die Gärten kippen.“ Oft bekämen die Tiere auf diesem Wege Stoffe zu fressen, „die sie überhaupt nicht mehr verdauen können“ – mit fatalen Folgen ▪ thk

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