Auch beim Energiesparen Weltspitze

Weltmarktführer aus Lüdenscheid: Was macht eigentlich Erco?

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Botschafter für Atmosphäre: Weltweit kommt Lüdenscheider Lichttechnik an repräsentativen Gebäuden wie dem Mailänder Dom zum Einsatz.

Lüdenscheid – Das weltweit agierende Familienunternehmen Erco hat 900 Mitarbeiter, davon 500 in Lüdenscheid, produziert am Standort Lüdenscheid und hat 55 Vertriebsstandorte rund um den Globus. Das macht die Sauerländer Lichtfabrik, die  seit dem Umstieg auf reine LED-Produktion auch beim Energiesparen zur Weltspitze innerhalb ihres Marktsegments gehört, aktuell:

Mit majestätischer Wucht durchbrechen die Fialen und Vertikalen des Mailänder Doms die Dunkelheit. Die Strahlkraft von 570 LED-Leuchten verleiht dem gotischen Kirchenbau außen elektrisierenden Glanz. Während innen ein Licht-Teppich aus 800 LEDs die Räume verbindet, den Gesamteindruck milder werden lässt. Und gleichzeitig weitere akzentsetzende Leuchten Kontraste schaffen, um die Wahrnehmung zu lenken – auf Heiligenskulpturen, Altäre oder Gemälde. Architektur ins perfekte Licht setzen – das ist die Welt von Erco. 

Herausragende Bauwerke, Ladenflächen, Bürokomplexe, Museen und Parlamentsgebäude – bei dutzenden Vorzeige-Objekten auf der ganzen Welt sorgt Leuchtentechnik aus Lüdenscheid für strahlende Akzente. Neben dem Mailänder Dom zählen zu den Projekten Ferraris Flagship Store auf New Yorks Fifth Avenue, das Berliner Reichstagsgebäude oder das Yves-Saint-Laurent-Museum in Marrakesch. 

Stromsparende individuelle Lichtlösungen

Spätestens seit dem Umstieg auf reine LED-Produktion 2015 gehört die Sauerländer Lichtfabrik auch beim Energiesparen zur Weltspitze innerhalb ihres Marktsegments. „Allein beim Mailänder Dom werden dank des Umstiegs auf LEDs etwa 40 Prozent Energie gespart“, sagt Geschäftsführer Kay Pawlik (43), bei Erco hauptverantwortlich für Technik, Forschung & Entwicklung (F&E) sowie Umweltschutz. Insgesamt 75 Lichttechniker, Optoelektroniker, Designer, Physiker und Ingenieure arbeiten in F&E an stromsparenden individuellen Lichtlösungen für den Innen- und Außenbereich. Pawlik: „Zehn Prozent unseres Umsatzes fließen pro Jahr in Forschung & und Entwicklung.“ 

Ein Leuchttum für Licht: Die Erco-Firmenzentrale am Brockhauser Weg in Lüdenscheid.

Neueste Erco-Erfindung: Die Kombination aus Downlights und Stromschiene unter dem Produktnamen Jilly. LED-Strahler an einer Schiene – das klingt zunächst wie ein alter Hut. „Gibt es aber in dieser Form bislang nicht auf dem Markt“, sagt Tim Henrik Maack (52), Vorsitzender der Geschäftsführung. Der Clou dieser Innovation: Via Bluetooth lässt sich etwa per Smartphone-App unter anderem Farbe, Winkeleinfall oder Streuung der LEDs steuern. Maack: „In modernen, so genannten Creative Offices, lässt sich so für jeden Arbeitsplatz individuell passendes Licht programmieren.“ Egal, ob Arbeitsplätze auf- und abgebaut werden oder das ganze Büro umzieht: Laut Maack passt sich die Jilly-Lichtschiene jeder Umgebung an – dank flexibler Einstellungsoptionen und einfachem Ein- und Ausbau. 

Beleuchtungs-Tests mit Prototypen

Erste Brainstormings für Innovationen wie Jilly finden zwischen Poolbillardtisch, Sofa-Ecke und DJ-Mischpult statt – in der Erco-Ideenwerkstatt, die einem Loft in der Hamburger Speicherstadt gleicht. Danach kommt der Computer ins Spiel. „Fürs Entwickeln von Leuchten und dazugehörigen opto-elektronischen Komponenten setzen wir Standard-CAD-Programme sowie spezielle, zum Teil eigenentwickelte Software ein“, so Kay Pawlik. Dem folgen reale Beleuchtungs-Versuche mit Prototypen – bis hin zu Tests für die reibungslose Produktion in der Fabrik für die Serienfertigung. 

Für Brainstormings für Innovationen finden sich die Mitarbeiter zwischen Poolbillardtisch, Sofa-Ecke und DJ-Mischpult in der Erco-Ideenwerkstatt ein.

Die in Erco-Produkten eingesetzten LEDs und LED-Chips sind jedoch genauso wie die Bluetooth-Technik nicht „Made in Lüdenscheid“, so Pawlik. „Selbst Osram kauft genau wie Erco LED-Chips bei asiatischen Herstellern ein.“ Denn die Erco-Philosophie lautet seit einem halben Jahrhundert „Licht statt Leuchten“. Klaus Jürgen Maack (1938 bis 2019), Vater von Tim Henrik Maack, erfand das 1934 von seinem Schwiegervater Arnold Reininghaus gegründete Unternehmen damit neu. 

Einer der Weltmarktführer bei Architektur-Beleuchtung

Aus Reininghaus & Co wurde Erco. Aus dem Leuchten-Hersteller einer der Weltmarktführer bei Architektur-Beleuchtung. Klaus Jürgen Maack machte „Licht zur vierten Dimension der Architektur“. Und setzte seine Vision mit Top-Architekten wie Norman Foster bei Vorzeigeprojekten wie dem Reichstagsgebäude in Berlin um. 

Die aktuelle Geschäftsführung um seinen Sohn Tim Henrik Maack führt diesen Weg fort. Unter besonderem Fokus des Umweltschutzes und der Energieeffizienz. Nicht nur bei prestigeträchtigen internationalen Projekten. Auch am Unternehmensstandort in Lüdenscheid. 

„Ziel: Fünf Prozent Energie-Einsparung pro Jahr“

„Ziel des Erco-Energiemanagements sind fünf Prozent Energie-Einsparung pro Jahr“, so Kay Pawlik. Erreicht werden soll dieses Ziel unter anderem durch den Einsatz von Thin Clients. Das sind schmale PCs mit abgespeckten Betriebssystemen, deren gesamte Software über einen Server im Rechenzentrum läuft. „Und die nur ein Zehntel der Energie eines normalen PCs verbrauchen“, so Pawlik. 

Im Rechenzentrum werden ausschließlich die Server gekühlt, nicht die Räume. Und da etwa ein Drittel der Verwaltungsmitarbeiter an zwei bis drei Tagen pro Woche im Home-Office arbeitet, spart Erco nicht nur Energie am Firmensitz – sondern verbessert auch die CO₂-Bilanz rund um Lüdenscheid. 

„100-jähriges Jubiläum im Jahr 2034 in Lüdenscheid"

Dass Erco sein 100-jähriges Jubiläum im Jahr 2034 am Standort Lüdenscheid feiern wird, bezweifelt weder Maack noch Pawlik. „Momentan stehen alle Zeichen auf Grün“, sagt Tim Henrik Maack. Am Mailänder Dom wird es nicht scheitern. Der auch 2034 im Sauerländer Licht erstrahlen wird.

Von Heiko Schlierenkamp

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