Mit Batterieladegeräten die 2-Milliarden-Grenze beim Umsatz geknackt

Weltmarktführer aus Lüdenscheid: Kostal fährt (fast) in jedem Auto mit

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Lüdenscheid - Zehn Kilo Technologie aus Lüdenscheid. Verpackt in eine schuhkartongroße Metallbox. Ohne die bewegt sich kein Porsche Taycan, Audi e-tron oder VW ID.3 von der Stelle. Forscher und Entwickler von Kostal machen mit ihrem Batterieladegerät Elektroautos des VW-Konzerns mobil.

Vor zwölf Jahren begannen Experten der Kostal-Gruppe, Lösungen für einen kompakten Onboard-Charger zu finden. Fünf Jahre später ging die erste Generation dieses ins Auto verbauten Ladegeräts in die Produktion und in den Verkauf. „Kostals Onboard-Charger wandelt die Energie aus dem Stromnetz in eine für die Fahrzeugbatterie verwertbare Form um“, sagt Jörg Schwerak (51), Geschäftseiter Entwicklung Automobil Elektrik. Denn an den knapp 20 000 Ladestationen in Deutschland werden derzeit gewöhnlich mit 230 oder 400 Volt Spannung zwischen 3,6 und 22 Kilowatt (kW) Leistung geladen. Und die meisten E-Autos besitzen einen Akku plus eine 12-Volt-Batterie. Während der Akku den Motor antreibt, versorgt die 12-Volt-Batterie zum Beispiel Lüftung oder elektrische Fensterheber.

Kostal verkaufte von den ersten drei Generationen des Batterieladegeräts bereits 400 000 Stück an den VW-Konzern. Schwerak: „Damit haben wir 25 Prozent Weltmarktanteil in diesem Segment und sind Weltmarktführer.“ Mittlerweile liegen neue Aufträge in Euro-Milliardenhöhe vor. Weitere Automobilhersteller werden als Kunden akquiriert. 2020 geht bereits die vierte Generation des Onboard-Chargers in Serie, 2023 wird die fünfte folgen.

Generation vier besitzt erstmals eine Plug-In-Funktion mit integrierter Kreditkartenfunktion. Damit können E-Mobil-Fahrer automatisch, ohne PIN-Eingabe, an Ladestationen bezahlen. Generation fünf erhält zusätzlich einen DC/DC-Wandler. „Dank dieses Gleichstromwandlers lassen sich zum Beispiel Klimaanlage oder Schalter ohne zusätzliche Lichtmaschine mit Energie versorgen“, so Maschinenbauingenieur Schwerak.

In Lüdenscheid und Dortmund entwickeln rund 250 Ingenieure, Informatiker, Physiker und Mechatroniker für Kostals Automobil Elektrik diese Batterie-Ladegeräte mit automobilgerechtem Design. Deutschlandweit sind es 676 – 220 mehr als vor zehn Jahren. Das entspricht etwa einem Drittel des weltweiten Entwicklungsteams. Schwerak: „Entscheidende Faktoren dabei: Kosten, Robustheit, Leistungsdichte, Effizienz. Und natürlich Bauraum sowie Gewicht.“ Den rund zehn Kilo schweren Onboard-Charger verbauen Automobilhersteller im Motorraum oder an anderen geeigneten Stellen im Fahrzeug.

Produziert wird der „Wachstumstreiber der Kostal-Gruppe in Irland und China“, so Schwerak. Das zweite und stärkste Standbein Kostals sind die Bedienelemente. Dazu zählen unter anderem das Porsche-Dachmodul und BMWs Sensetouch. Beides kommt aus Lüdenscheid. Ebenfalls „Made in Lüdenscheid“: das Mercedes-Duftsystem. Bei diesem System wird der in seiner Intensität modulierbare Duft durch einen Duftstoff-Flakon gesaugt und in den Innenraum verströmt. Wahlweise riecht es nach Zitrone, Blumen oder schwerem Ledersessel. „Die empathische Beziehung zwischen Fahrer und Auto gewinnt zukünftig an Bedeutung“, sagt Jörg Schwerak. „Im Zeitalter immer stärker automatisierten Fahrens wird das Wohlbefinden im Auto der letzte Grund sein, mit einer Marke verbunden zu bleiben.“ Da seien auch der richtige Raumduft und die Technologie dahinter hilfreich. Auch für den Produktionsstandort Lüdenscheid.

Kostals Automobil Elektrik erzielt aktuell 85 Prozent des Konzernumsatzes, rund zwei Milliarden Euro. Die Geschäftsbereiche Kontaktsysteme, Industrie Elektrik und Prüftechnik kommen insgesamt auf 450 Millionen Euro. Mit Innovationen wie dem Einklemmschutz bei elektrischen Fensterhebern, dem Regensensor beim Scheibenwischer, dem Lenksäulenmodul oder der automatischen Notbremsfunktion auf Basis einer Monokamera, baute Kostal kontinuierlich seine starke Marktposition unter den weltweiten Automobilzulieferern aus.

Umweltschutz und Nachhaltigkeit gehörten dabei laut Jörg Schwerak, stets zum „Mindset“, zur grundsätzlichen Denkweise Kostals. „Und das schon seit Unternehmensgründung 1912.“ Voll elektrifizierte Spritzgießmaschinen, neue Heizungsanlage und Dämmung sowie kontinuierlicher Umstieg auf LED-Beleuchtung, sorgten am Produktionsstandort Lüdenscheid für weniger Energieverbrauch und eine bessere CO2-Bilanz. Der Strom für das neue Hochvolt-Labor, in dem unter anderem die Onboard-Ladegeräte im einjährigen Dauerbetrieb getestet werden, „wird bis zu 90 Prozent wieder ins Netz eingespeist und damit doppelt genutzt“, sagt Schwerak.

Schwerak blickt für die Standorte Lüdenscheid und Dortmund positiv in die Zukunft, „da Kostal im globalen Verbund weiter wächst“. Und neben Audi, Porsche und VW dürften zukünftig noch weitere Automobilhersteller auf Onboard-Charger „Made in Lüdenscheid“ setzen.

Von Heiko Schlierenkamp

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