Schuko-Steckdosen sorgen immer noch für die Hälfte des Umsatzes

Weltmarktführer aus Lüdenscheid: Busch-Jaeger

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Lüdenscheid ist im ABB-Konzern der erste klimaneutrale Standort. Zentrales Element ist der mit Solarmodulen überdachte Mitarbeiter- und Kundenparkplatz.

Lüdenscheid - Die Null muss stehen. Bei Busch-Jaeger in Lüdenscheid. Nicht beim Gewinn. Aber beim jährlichen CO2-Ausstoß am Sauerländer Produktionsstandort. „Unser Mutterkonzern ABB will in Lüdenscheid klimaneutral produzieren – damit wäre Busch-Jaeger der erste Konzern-Standort weltweit“, sagt Geschäftsführer Adalbert M. Neumann (60).

Von 630 Tonnen CO2-Ausstoß auf Null bis Ende 2021. Die entscheidenden Weichen dazu stellte das Unternehmen im Mai 2019. Mit Inbetriebnahme von Photovoltaik-Anlage, Blockheizkraftwerk und einem für Industrieanlagen entwickelten Energiemanagement-System. Neumann: „Schon heute decken wir dadurch 90 Prozent unseres Strombedarfs klimaneutral.“ An Sonnentagen seien es sogar jetzt schon 100 Prozent. Die übrigen zehn Prozent seien vollständig aus Wasserkraft erzeugter Strom, der dazu gekauft werde.

So konsequent wie Busch-Jaeger beim Umweltschutz vorgeht, so solide zeigt sich das Brot-und-Butter-Geschäft: von der Schuko-Steckdose verkaufte das Unternehmen vergangenes Jahr 60 Millionen Einheiten – vier Prozent mehr als im Jahr zuvor. „Das bedeutet einen Weltmarktanteil von 30 Prozent – und macht Busch-Jaeger zum Weltmarktführer bei Schuko-Steckdosen“, so Neumann.

Der Klassiker, der die Firma von Friedrich Wilhelm Busch und den Brüdern Jaeger in den 1930ern groß machte, sorgt für etwa die Hälfte des Umsatzes von 475 Millionen Euro. Für die andere Hälfte zeichnen 6000 weitere Artikel verantwortlich. Darunter das komplette Elektroinstal lationsprogramm mit Schaltern, Sondersteckvorrichtungen, Dimmern und Bewegungsmeldern sowie elektronische Produkte für Smart Home und Smart Building.

Neumann: „Seit eineinhalb Jahrzehnten investiert und forscht Busch-Jaeger verstärkt bei Smart-Home-Lösungen.“ Das Ziel: Leuchten, Heizung, Jalousien oder Türöffner intelligent digital miteinander vernetzen. Und zentral steuern können. Per Smartphone-App oder mit Glassensoren wie Busch-tacteo, die in der Wand integriert sind.

„Der Zauber entsteht, wenn starke Mechanik, Elektronik und Software präzise zusammenspielen“, sagt Benjamin Wilms (40), Leiter Forschung und Entwicklung (F&E). Für die magischen Momente im Busch-Jaeger-Produktportfolio sorge ein F&E-Netzwerk, „das sich vom Silicon Valley in Kalifornien bis ins chinesische Shenzhen spannt“. Mit rund 300 Software-, IT- Elektrotechnik- und Mechanik-Ingenieuren. Und mit Lüdenscheid als strategischem Mittelpunkt, wo allein 100 F&E-Spezialisten an Lösungen arbeiten – darunter auch Produktdesigner und System-Architekten.

Wilms: „Wir denken bei Innovationen stets aus zwei Richtungen: Kundenwünsche und Technologie-Fortschritt liefern die Impulse.“ Zwischen erster Idee und Marktreife sollen bei Busch-Jaeger nicht mehr als eineinhalb Jahre vergehen. „Länger ist nicht akzeptabel“, sagt Geschäftsführer Neumann. Das Entwicklungstempo: sicher ein Grund, warum das Smart-Home- und Smart-Building-Segment laut Neumann seit 2010 „um 20 bis 40 Prozent pro Jahr wächst“. Busch-tacteo gehöre dabei zu den stärksten Umsatztreibern.

Die aktuelle Generation ließe sich individueller denn je konfigurieren. Ob im Wohnungseinsatz oder in der Hotellerie, wo Busch-tacteo neben dem Steuern der Klimaanlage oder des Lichts eine Vielzahl von Hotelmanagement-Aufgaben übernehmen könne: etwa Display-Anzeigen von Zimmernummern bis „Bitte nicht stören“. Gesteuert werde das Ganze vom Rechner an der Rezeption.

Dass Busch-Jaeger auch zum 150. Firmenjubiläum 2029 noch von Lüdenscheid aus gesteuert wird, ist für Elektrotechnik-Ingenieur Neumann keine Frage: „Größte Herausforderung wird sein, Smart-Home- und Smart-Building-Systeme mit höchster Kompatibilität zur Verfügung zu stellen.“ Dabei helfen sollen Partnerschaften mit Miele, Philipps, Sonos und vielen anderen großen Haus- und Elektronikgeräte-Herstellen weltweit. Damit die Null 2029 nur beim CO2-Ausstoß in Lüdenscheid steht. Und nicht in der Unternehmensbilanz.

Smart Home, Smart Building

Elektronische Geräte aller Art, die untereinander kommunizieren, agieren, zentral gesteuert werden – und dadurch das Leben einfacher machen. Das ist das Prinzip von Smart Home (zuhause) und Smart Building (Hotels, Büros). Egal ob Heizung, Jalousien, Türöffner – alles kann mit allem, meist drahtlos, verbunden werden. Üblicherweise per Funk, WLAN oder Bluetooth. Gesteuert wird das Ganze meist über Apps auf Smartphone oder Tablet.

Das Unternehmen

Gegründet: 1879 öffnen Hans-Kurt und Georg Jaeger in Lüdenscheid ihre Metallwarenfabrik. 1926 Fusion mit Friedrich Wilhelm Buschs Firma für Elektroartikel Umsatz: 475 Millionen Euro (70 Prozent in Deutschland) Mitarbeiter: 1300, davon 1000 in Lüdenscheid Produktion: Lüdenscheid und Bad Berleburg (Ortsteil Aue) Produkte (u.a.): Schalter, Steckdosen, Bewegungsmelder, Elektronik für Smart Home und Smart Building Vertriebsstandorte: 60, weltweit Inhaber: ABB (seit 1969) Hauptkunde: Elektrofachgroßhandel Kontakt: www.busch-jaeger.de

Von Heiko Schlierenkamp

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