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Weltkonzern schließt letzten Standort im MK

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Von: Georg Dickopf

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Dura, Lüdenscheider Rathausplatz
Der Dura-Standort am Rathausplatz in Lüdenscheid soll kurzfristig aufgegeben werden. Viele Mitarbeiter haben Kündigungsschutzklagen eingereicht. © Cedric Nougrigat

Die Firma Dura erklärt das Kapitel Sauerland für beendet. Noch in diesem Frühjahr wird auch der Lüdenscheider Standort am Rathausplatz geschlossen. Die Suche nach einem Nachmieter für die Räumlichkeiten in städtebaulich wichtiger Lage läuft bereits.

Lüdenscheid/Plettenberg – Als am Dura-Standort in Plettenberg vor knapp zwei Jahren endgültig die Lichter ausgingen, verloren über 500 Mitarbeiter ihren Job. Hoffnung gab es jedoch für rund 120 Ingenieure, Werkzeugbauer, Qualitätssicherer, Labor- und Vertriebsmitarbeiter, denn im Gebäude der ehemaligen Post am Rathausplatz mietete die Firma drei Etagen in Lüdenscheid an.

Der Standort firmiert dort bis heute unter dem Begriff Tech Center und Sales Office – zu deutsch also Technikzentrum und Verkaufsbüro. Doch noch in diesem Frühjahr soll der Betrieb dort eingestellt werden, wie unsere Zeitung aus Mitarbeiterkreisen erfuhr.

Eigentümer der Immobilie war 2020 ein Investor aus Frankfurt, der den 1967 erbauten Komplex als Teil eines Postimmobilienpakets aus ganz Deutschland erworben hatte.

Auch Vertreter der Stadt Lüdenscheid verschafften sich vor einem Jahr ein Bild vom Zustand der Immobilie, die aufgrund der exponierten Lage wichtig ist für die städtebauliche Entwicklung am Rathausplatz. Dass man sich bei der Stadt Lüdenscheid letztlich dazu entschied, Büroetagen im Sauerlandcenter anzumieten, hängt auch mit der Dura-Immobilie im ehemaligen Postbank-Gebäude zusammen, um die sich die Stadt Lüdenscheid bemüht hatte.

Der Komplex vis-a-vis zum Rathaus stand Anfang des Jahres 2021 zum Verkauf – gegen Gebot. Wunschpreis des Verkäufers waren 5,5 Millionen Euro für mehr als 4 200 Quadratmeter vermarktbare Fläche.

Stadt Lüdenscheid gab Angebot ab

Die Stadtverwaltung Lüdenscheid gab seinerzeit ein Angebot in einer „für eine Kommune verantwortungsvollen finanziellen Größenordnung“ ab, wie es damals hieß. Eine Nachverhandlung gab es nicht. Als sich der persönliche Referent des Lüdenscheider Bürgermeisters bei der BGA Invest, die den Verkauf leitete, über den Stand des Verfahrens erkundigte, war der Verkauf an einen anderen Bieter bereits vollzogen. Dabei handelt es um eine große Investmentgesellschaft, die mehr als doppelt so viel Geld auf den Tisch legte, wie die Stadt Lüdenscheid bereit war, zu zahlen.

Aktuellen Handlungsbedarf sieht man angesichts der Dura-Schließung beim derzeitigen Besitzer nicht, da der Mietvertrag noch länger läuft. Konkret ist der Vertrag für die Dura-Flächen bis 2025 datiert, was Dura-Chefjustiziar Dr. Pierre Glozbach auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte.

Den Auftrag, einen Nachmieter für Dura zu finden, bekam der Plettenberger Makler Ralf Beßler.

Hintergrund der Dura-Schließung in Lüdenscheid sollen laut Glozbach „wirtschaftliche Hintergründe“ sein. Die Finanzierung des Technikcenters läuft über die Leistungen an die Dura-Werke in Nordmazedonien, Tschechien und den USA, da der Standort selbst keine nennenswerten Umsätze generiert.

„Es sind letztlich alle Arbeitsplätze betroffen. Das Kapitel Dura im Sauerland ist damit beendet“, bestätigte Glozbach die geplante Umstrukturierung, die auch mit der Übernahme der Dura-Gruppe im August 2020 zu tun hat. MiddleGround Capital übernahm den Mehrheitsbesitz des international tätigen Automobilzulieferers. Das Kapitel Lynn Tilton, die früher die Kontrolle über Dura hatte, ist damit ebenfalls beendet.

Da es am Dura-Standort in Lüdenscheid keinen Betriebsrat gibt, dürfte von Gewerksschaftseite wenig Widerstand gegen die Schließungspläne zu erwarten sein. Doch ein Großteil der verbliebenen Mitarbeiter, die noch keine Folgeverträge bekommen haben, reichte Kündigungsschutzklagen ein. Den 70 Mitarbeitern wurde mitgeteilt, dass der Standort Lüdenscheid bereits Ende Februar geschlossen wird. Möglicherweise soll einigen Beschäftigten eine Übernahme innerhalb der Firmengruppe ermöglicht werden, die zu der MiddleGroup Capital gehört.

Dreijähriger Streit um Sozialplan

Sehr klagefreudig waren auch die Plettenberger Dura-Beschäftigen, die vor der Schließung des dortigen Werkes die Aufstellung eines Sozialplans forderten. Seit nunmehr drei Jahren läuft darüber ein Streit vor dem Arbeitsgericht Lüdenscheid. Die Klage gegen die betriebsbedingten Kündigungen seien laut Glozbach zurückgewiesen worden, da diese rechtens gewesen seien.

Gestritten wird aber weiterhin über einen Sozialplan. Zuletzt habe laut Glozbach eine Summe von 2,75 Millionen Euro als Sozialplan für 500 Mitarbeiter im Raum gestanden. „Dagegen sind wir gerichtlich vorgegangen und haben in der ersten Instanz gewonnen“, betonte der Chefjustiziar. Maßgeblich sei, wie viel Geld bei der Gesellschaft zum Zeitpunkt der Kündigungen vorhanden gewesen sei. Finanziell sei man „zu dieser Zahlung einfach nicht in der Lage gewesen“, betonte Glozbach, der selbst noch in Lüdenscheid beschäftigt ist.

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