Welche Rolle spielt das Auto in Ihrem Verkehrskonzept der Zukunft? - Parteien in Lüdenscheid antworten

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Das Thema Verkehrskonzept hat eine immer größer werdende Bedeutung. 

Lüdenscheid - Sechs Fragen stellen die LN den für den Lüdenscheider Stadtrat kandidierenden Parteien. Die zweite Frage lautet : Welche Rolle spielt das Auto in Ihrem Verkehrskonzept der Zukunft?

SPD: Baumaßnahmen besser koordinieren!

Das Auto wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Dennoch setzen wir darauf, dass alle Formen der Mobilität gleichrangig behandelt werden. Deswegen müssen wir mehr Möglichkeiten für Menschen schaffen, die mit dem Bus, mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sind. Die Stärkung des ÖPNV ist ein wichtiges Ziel. Er soll günstiger – im besten Fall fahrscheinlos –, flächendeckender und umfangreicher werden. Die Außenbezirke sollen öfter angefahren werden. Auch in den Abendstunden soll sich das Angebot der MVG ausweiten. Ein Ringbussystem in der Innenstadt soll die City barriereärmer machen. Die Bahnstrecke zwischen Lüdenscheid und Hagen soll so ausgebaut werden, dass ein Halbstundentakt möglich sein wird. 

Die Zugverbindung nach Köln soll dauerhaft durchgängig und ohne Umstieg verlaufen. Die Planungen zur Elektrifizierung der Strecke, damit hier ein S-Bahn-Verkehr möglich wird, sollen bis nach Lüdenscheid ausgeweitet werden. Die Errichtung weiterer Radwege und Schutzstreifen entlang von Verkehrswegen hat für die SPD eine hohe Priorität. Ein Programm für Gehwege soll die umweltfreundlichste Form der Fortbewegung fördern. Die Sanierung der Straßen wird fortgesetzt. Die Übernahme vieler wichtiger Verkehrswege durch Straßen.NRW hat zur Folge, dass einige Straßenbaumaßnahmen aktuell vorgenommen werden. Das ist aber ein gutes Zeichen: In Zukunft werden die Hauptstraßen in bestem Zustand sein. Wünschenswert ist aber, dass Straßen.NRW die Baumaßnahmen besser koordiniert.

CDU: Elektro-Minibus vom Knapp in die Oberstadt

Die CDU sieht das Auto als Bestandteil des vernetzten Mobilitätskonzepts der Zukunft. Jeder Mensch hat das Recht auf ein Verkehrsmittel seiner Wahl. Besonders ältere Menschen haben den Wunsch nach Individualverkehr. Zu einem vernetzten Mobilitätskonzept gehört der Ausbau von Fuß- und Radwegen genauso wie die Bereitstellung von E-Ladesäulen für Autos und Fahrräder. In Lüdenscheid wird es möglich sein, Wasserstoff zu tanken. Aktuell startet in Iserlohn ein Projekt für einen selbstfahrenden Elektro-Minibus. Dasselbe plant die CDU in Lüdenscheid, um zum Beispiel die Oberstadt mit dem Knapp oder das Sauerfeld mit dem Bahnhof zu verbinden.

Zu einem vernetzten Mobilitätskonzept gehören Sharing-Modelle und die Vision, über eine einzige Mobilitäts-App vom geliehenen E-Bike in den Bus und dann die Bahn umsteigen zu können. Sowohl für den eigenen Pkw als auch ein gemietetes Car-Sharing-Fahrzeug gilt: Autos sind unverzichtbar. Bei Einkäufen (Möbel, Getränke, …), einem Familienurlaub an der See oder der Anbindung des ländlichen Raumes sind viele – gerade ältere – Menschen auf Autos angewiesen. Aus wirtschaftlichen wie ökologischen Gründen setzt die CDU auf „grüne Wellen“, neue Kreisverkehre sowie ein innovatives Parkleitsystem. Freie Parkplätze werden angezeigt und können reserviert werden. Die Parkgebühren werden zurückerstattet. Auch am Bräucken, an der Autobahnauffahrt Lüdenscheid und durch den Tunnel sollte der Verkehr wieder fließen: Das spart Zeit, Sprit, Geld, Nerven und schont die Umwelt.

FDP: Das Auto darf nicht verteufelt werden

Das Auto hat eine hohe emotionale und wirtschaftliche Bedeutung für Lüdenscheid. Es ist nicht nur – wie überall anders – Ausdruck von Freiheit und Individualität. Es sichert gerade in unserer Stadt Tausende von Arbeitsplätzen bei Zulieferbetrieben. Aus Sicht der FDP darf das Auto daher nicht aus ideologischen Gründen verteufelt werden. Allerdings wird der Verbrennungsmotor in der heutigen Form aus Umweltschutzgründen Platz machen müssen für neue Antriebsformen. Die Politik sollte übrigens aus liberaler Sicht dabei das (ökologische) Ziel vorgeben, die Suche nach dem Weg dorthin (in Form des besten Antriebs) aber Wissenschaft und Forschung überlassen. 

Auch bei anderen Verkehrsmitteln geht die Entwicklung weiter. So hat die Verbreitung von E-Bikes das Radfahren für einen größeren Teil der Bevölkerung attraktiv gemacht – trotz oder gerade wegen der Lüdenscheider Topografie. Nach Einschätzung der FDP wird das Auto in Zukunft einige seiner Vorrechte gegenüber anderen Verkehrsmitteln verlieren. Das geht von Ampelphasen über Busbeschleunigung und Erleichterung des Radverkehrs bis zum engen Platz in einer dicht bebauten Stadt. Hier gewinnt der Schutz schwächerer Verkehrsteilnehmer mehr an Bedeutung. Zugleich ist und bleibt das Auto unverzichtbar. Durch intelligente Lösungen muss der Autoverkehr so flüssig und damit abgas- und geräuscharm wie möglich geleitet werden. Wichtigstes Element: Moderne Ampelsteuerungen und eine endlich funktionierende grüne Welle.

Grüne: Raumplanung muss Verkehr reduzieren

Das Auto hat in den letzten sechs Jahrzehnten quasi die Rolle des Alleinunterhalters in der Verkehrspolitik gespielt – es ist Zeit für einen Wechsel! Sicher ist die komplette Rückführung des Autoverkehrs in unserer zum Teil auch ländlich geprägten Region nicht realistisch, es bedarf aber vieler Anstrengungen in dieser Richtung, um den motorisierten Individualverkehr auf ein Maß zu stutzen, das auch mit umweltfreundlichen Technologie darstellbar ist. 

Es ist nicht zielführend, einfach den derzeitigen Verkehrsmix nur auf andere Energieträger umzustellen, da zum Beispiel auch die Batterieherstellung Umweltprobleme mit sich bringt. Wo diese Bemühungen an Grenzen stoßen, muss auch die Raumplanung zu einer Verkehrsreduzierung beitragen: das heißt im Zweifelsfalle keine neuen Wohngebiete dort zu planen, wo es im Nachhinein nicht ohne Autoverkehr funktionieren kann.

Die Linke: Grundlegende Wende der Verkehrspolitik 

Für viele Menschen, gerade auch bei uns in Lüdenscheid, ist das Auto aktuell das zentrale Fortbewegungsmittel. Die Zahl von Fahrzeugen ist ständig gestiegen, und nicht nur auf den Autobahnen fährt man von einem Stau in den nächsten. Das Autofahren ist oft nur noch Stress, verlorene Lebenszeit, Lärm erzeugend und Luft verpestend. Die autogerechte Stadt war und ist das vorherrschende Leitbild, Bahnstrecken wurden stillgelegt, der Transport von Gütern von der Schiene auf die Straße verlegt, der Nahverkehr ausgedünnt. Auf den Straßenverkehr allein entfallen rund 20 Prozent aller klimaschädigenden Emissionen. Wollen wir den Globus retten, dann müssen jetzt die Weichen neu gestellt werden. Elektroautos sehen wir kritisch. 

Der hohe Ressourcenverbrauch bei der Herstellung und die dabei entstehenden Schadstoffemissionen sind kein Beitrag zum Klimaschutz. Der Individualverkehr muss drastisch zurückgefahren werden. Bahn und ÖPNV, Zufußgehen, Radfahren müssen dagegen in den Mittelpunkt der Verkehrspolitik rücken. Die Autozulieferindustrie ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Lüdenscheid. Sie ist weitgehend abhängig von einer Handvoll Autokonzernen. Die zurückgehende Autoproduktion, die Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer und die zunehmende Produktion von Elektroautos werden weitere heimische Arbeitsplätze vernichten. Auch zunehmende Produktion von Elektroautos würde diese Tendenz in den nächsten Jahren verstärken. Eine grundlegende Verkehrswende dagegen könnte Tausende neue Arbeitsplätze schaffen.

ÖDP: Fahrradwege vom Freisenberg bis Piepersloh

Wir brauchen eine „Verkehrswende“. Generell müssen die Zahl der Autos und der ausufernde motorisierte Individualverkehr sinken. Durch Energieverbrauch, Abgase, Lärm, Unfälle und Platzverbrauch schadet er dem Menschen sehr (insbesondere denen, die nicht im Auto sitzen). Auch das Elektroauto ist keine echte „Lösung“. Unser Ziel ist eine menschen- und klimaverträgliche Mobilität. Dazu gehört für uns die konsequente Förderung des autofreien Verkehrs, in Lüdenscheid zum Beispiel mit erweiterten Fußgängerzonen und Fahrradwegen vom Freisenberg bis Piepersloh. Das Bus- und Bahnangebot muss stetig erweitert werden. Unser Ziel ist ein 15-Minuten-Takt für alle Stadtteile und ein 30-Minuten-Takt in die Nachbarstädte sowie mit der Bahn nach Hagen und Köln (zum günstigen VRR/VRS-Tarif). 

In der Stadt- und Verkehrsplanung muss in Zukunft der Fokus auf der guten Erreichbarkeit ohne Auto liegen. Wohnen, Arbeit und Versorgung sollten näher zusammenrücken. Gewerbegebiete auf der grünen Wiese sind kontraproduktiv und dürfen nicht weiter wachsen. Wo nicht ganz auf ein Auto verzichtet werden kann, setzen wir auf Nachbarschaftsautos oder Carsharing, natürlich klimaneutral durch Elektroantrieb oder Ähnliches.

Kommunalwahl in Lüdenscheid: Die Fragen an die Parteien 

Unsere Redaktion hat den Lüdenscheider Parteien sechs Fragen gestellt, mit der Bitte um eine klare Antwort. Das sind die Antworten der Parteien auf unsere Fragen:

1. Frage: Wie wollen Sie die Bürger finanziell entlasten?

2. Frage: Welche Rolle spielt das Auto in Ihrem Verkehrskonzept der Zukunft?

3. Frage: Womit machen Sie Lüdenscheidern Hoffnung/Mut, die Angst um ihren Job haben?

4. Frage: Welche Priorität hat für Ihre Partei der Klima- und Umweltschutz?

5. Frage: Wie wollen Sie das subjektive Sicherheitsgefühl und die Sauberkeit in der Stadt verbessern?

6. Frage: Welche drei Dinge würde Ihre Partei in Lüdenscheid als Erstes ändern, wenn sie die Mehrheit hätte?

Informationen zur Kommunalwahl in Lüdenscheid: Alle Kandidaten und Parteien stellen wir im Bild vor.

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