Beschwerden häufen sich

Weil sie Passanten bedrängen: Lüdenscheid geht gegen Bettler vor

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Verbreitete Masche: Einem Passant wird eine Zeitschrift übergeben, kurze Zeit später fordert der Bettler (rechts) Geld. 

Lüdenscheid - Aggressive Bettler haben das Lüdenscheider Ordnungsamt auf den Plan gerufen. Zuvor hatte es massive Beschwerden über Belästigungen in der Innenstadt gegeben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was gilt als aggressives Betteln? 

Aggressive Bettler sprechen Passanten direkt an, stellen sich ihnen in den Weg, zupfen an der Kleidung oder Zeigen ihre Kinder vor, um Mitleid zu erwecken. Auch das offene Zurschaustellen von körperlichen Beeinträchtigungen und Missbildungen kann unter Umständen als aggressives Betteln gelten, bei dem das Ordnungsamt eingreift. „Aggressives Betteln hat den Charakter eines Freikaufs von weiteren Unannehmlichkeiten“, sagt Frank Ruffer, stellvertretender Fachdienstleiter Öffentliche Ordnung und Sicherheit bei der Stadt Lüdenscheid. Mit anderen Worten: Man wird durch die Bettler „genötigt“, etwas zu geben. 

Ist aggressives Betteln denn überhaupt verboten? 

Ja. Zwar ist aggressives Betteln kein Straftatbestand, aber doch eine Ordnungswidrigkeit, die die Stadt Lüdenscheid in der Gefahrenabwehrverordnung von 2008 explizit nennt.Bei Zuwiderhandlung droht den Bettlern ein Bußgeld von bis zu 1 000 Euro. Das Ordnungsamt schreitet dagegen nicht ein, wenn Personen „still“ betteln. Dabei sprechen sie niemanden direkt an, halten die Hand auf oder präsentieren ein Behältnis oder ein Schild. 

Warum ist die Stadt Lüdenscheid gerade jetzt gegen aggressive Bettler vorgegangen?

Die Problem-Bettler tauchen in Lüdenscheid regelmäßig in der Vorweihnachtszeit auf. „Die aggressive Bettelei stellt eine Störung der öffentlichen Ordnung dar und insbesondere in der Vorweihnachtszeit ist dieses Phänomen besonders ausgeprägt“, so der zuständige Beigeordnete Thomas Ruschin. „Es häufen sich die Beschwerden gegen die aggressive Bettelei und viele Mitbürger fühlen sich bedroht. Die Bettler treten oft in Gruppen auf und bedrängen die Passanten so lange, bis die Geldbörse gezückt wird.“ 

Welche Beschwerden waren das konkret? 

Nach Aussage von Frank Ruffer gab es seit November zahlreiche Beschwerden von Einzelpersonen, aber auch von Beschickern des Weihnachtsmarktes, die das Vorgehen der aggressiven Bettler beobachtet oder selbst erlebt hatten. Verbürgt ist ein Fall vom Weihnachtsmarkt auf dem Sternplatz, bei dem mehrere Bettlerinnen eine ältere Frau bedrängten. Die Dame hatte bereits ihr Portemonnaie geöffnet und einen Euro herausgegeben, als die Bettlerinnen an ihr herumzupften und mehr Geld forderten. 

Welche Formen des aggressiven Bettelns wurden in Lüdenscheid noch festgestellt?

Es gibt verschiedene Maschen, unter anderem das Vorzeigen von Kindern oder Gebrechen. Besonders auffällig waren in Lüdenscheid aber Verteiler von Obdachlosenzeitschriften auf dem Sternplatz. Passanten, die das vermeintliche Geschenk annahmen, wurden anschließend massiv gedrängt, Geld herauszugeben. Ein Sonderfall, der auch in Lüdenscheid beobachtet wurde, sind Bettler, die sich direkt neben Parkscheinautomaten platzieren und auf das Rückgeld spekulieren. 

Wie ging das Ordnungsamt gegen die Bettler vor? 

In einer abgestimmten Aktion suchten mehrere Ordnungsamtsmitarbeiter Bettler in der Innenstadt auf. Sie nahmen die Personalien der Bettler auf und forderten einige von ihnen zur Zahlung einer Sicherheitsleistung auf.In sechs Fällen wurde ein Platzverweis für den Innenstadtbereich für 24 Stunden ausgesprochen, dem die Bettler auch zunächst nachkamen. An den Folgetagen wurde weiterhin intensiv kontrolliert. Dabei wurden mehrere Bettler erneut angetroffen. 

Wie können Spender sicherstellen, dass ihre Gabe bei wirklich Bedürftigen landet? 

Frank Ruffer weist auf die Caritas-Gutscheine hin, die man bei der Caritas in Lüdenscheid erwerben und dann statt Bargeld an Obdachlose oder Bettler verteilen kann. Die Bedürftigen können die Gutscheine dann zum Beispiel gegen einen Kaffee oder eine warme Mahlzeit einlösen. „Damit ist den wirklich Bedürftigen geholfen, und solche, die es nicht sind, werden das Angebot nicht annehmen“, sagt Ruffer.

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