Weil er Angst vor der Kündigung hatte: Mann begeht Riesen-Dummheit

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Symbolfoto

Lüdenscheid – Der Raub ist schnell geklärt und ebenso schnell zugegeben: Am 30. Juni 2018 hatte ein 38-jähriger Lüdenscheider einer 80-jährigen Frau die Handtasche entrissen und sie kurz darauf ungeöffnet in ein Gebüsch in der Nähe des Tatorts am Loher Wäldchen geworfen. Doch wie kommt ein Mann mit Familie und einem auskömmlichen Einkommen auf so eine dumme Idee?

„Ich schäme mich sehr, dass ich das gemacht habe“, erklärte der Angeklagte im Amtsgericht Lüdenscheid und fügte mit gesenktem Kopf hinzu: „Ich habe Geld gebraucht.“ Sein Verteidiger Andreas Trode versuchte sich an einer Erklärung des Unerklärbaren: Ja, sein Mandant verdiene Geld. Aber zum Zeitpunkt der Tat habe er Angst vor der Kündigung gehabt. 

Die 60 Euro in der Handtasche der rüstigen Rentnerin hätten keine Probleme lösen können. Glücklicherweise kam sie nicht zu Fall beim festen Griff nach der Tasche, bei dem der Schulterriemen riss. Nach einem Schlag unterhalb des Halses habe sie nur noch jemanden weglaufen sehen, erinnert sich die 80-Jährige an jenen Samstag, an dem sie wie gewohnt zu Fuß auf dem Weg zum Markt war. „Ich wohne seit 47 Jahren an der Berliner Straße.“ 

"Sturz, Oberschenkelhalsbruch"

Ein junges Pärchen beobachtete den Raubüberfall – ebenso mehrere Mitarbeiter der Firma Gerhardi, die gerade auf einem Mäuerchen vor der Firma saßen. Sie nahmen sofort die Verfolgung des Täters auf. „Ich war nur dankbar, dass mir nichts passiert war“, erklärte die 80-Jährige und nennt die Gefahren bei plötzlicher Krafteinwirkung auf einen älteren Körper: „Sturz, Oberschenkelhalsbruch“. 

Richter Thomas Kabus stellte noch eine Frage: „Trauen Sie sich denn noch, den Weg in die Stadt zu gehen?“ Die Antwort kam prompt: „Ja, natürlich!“ Sie müsse doch diesen Weg in die Stadt nehmen – auch wenn ein gewisses Angstgefühl geblieben sei. Der Angeklagte nahm dies zum Anlass, sich persönlich bei der 80-Jährigen zu entschuldigen. Sie nahm seine Erklärung ruhig entgegen. 

"Tat rational nicht erklärbar"

Am Rande der Verhandlung würdigte Staatsanwältin Ina Pavel die durchsetzungsstarke Nachkriegsgeneration, der das Wiederaufstehen in die Wiege gelegt wurde. Die beschädigte Umhängetasche war der Anlass für einen weiteren Täter-Opfer-Ausgleich: Weil die Reparatur des Riemens fünf Euro kostete, übergab Verteidiger Andreas Trode der Zeugin einen Zehn-Euro-Schein und traf eine weitere Vereinbarung über 1000 Euro Schmerzensgeld. 

Das Schöffengericht verband die verhängte Bewährungsstrafe von 18 Monaten mit einer weiteren Geldauflage von 2400 Euro zugunsten des Vereins „Glücksbringer“. Die Staatsanwältin hatte eine zweijährige Bewährungsstrafe beantragt. „Rational ist die Tat im Grunde genommen nicht erklärbar“, erklärte Richter Thomas Kabus in seiner Urteilsbegründung. 

„Glücklicherweise gab es keinen Sturz, keine Verletzung.“ Und der Angeklagte habe sich in der Verhandlung reuig und einsichtig bei der Geschädigten entschuldigt, die das Ganze „gut weggesteckt“ habe. „Das Schlimme ist, dass man als älterer Mensch einen Mega-Schock davonträgt.“

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