FDP: Weihnachtsbäume im Rathaustunnel?

Ein Zustand, der wohl bis 2014 andauern wird: die Teilsperrung des Rathaustunnels.

Lüdenscheid - Ausschussvorsitzender Jens Holzrichter (FDP) nennt es „ein ernüchterndes Fazit“. Fast sieben Monate nachdem sich die Leuchten im Rathaustunnel von der Decke gelöst haben, steht die Stadt vor einem finanziellen und technischen Kraftakt.

Die Technische Beigeordnete Marion Ziemann informierte den Bau- und Verkehrsausschuss am Abend über die kaum abzusehenden Ausmaße des Sanierungsbedarfs und warb um Verständnis für den hohen Zeitbedarf bei der Planung.

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Tatsächlich scheint das „Loch im Berg“ das einzige zu sein, was bleibt. „Ansonsten bekommen wir einen komplett neuen Tunnel“, stellt SPD-Ratsherr Gordan Dudas fest. Die bei den ersten groben Kalkulationen ermittelte Zahl von 1,35 Millionen Euro (wir berichteten) wird sich nach Einschätzung von Politik und Verwaltung als „Minimalschätzung“ entpuppen.

Nach dem Gutachten, dass dem STL seit Ende August vorliegt, ist eine neue Beleuchtung nur ein kleiner Teil des Gesamtpakets. Wie Ziemann erläuterte, liegen Mängel an Stromkabeln vor, außerdem in den Betriebsräumen samt der Fluchttüren, an den Brandmeldeanlagen, möglicherweise an der Belüftungsanlage sowie an der Wasserver- und -entsorgung im Brandfalle, auch die Signaltechnik für eine schnelle Notsperrung ist mangelhaft. Und ob eine LED- oder Dampflampentechnik eingesetzt werde, hänge auch von der Beschaffenheit der Tunnelwände ab. „Diese Wände schlucken Licht, sind rau und verrußen. Marion Ziemann: „Wir haben noch keine Planung. Es gibt Kostenrisiken.“

Alle drei Jahre ist das Bauwerk seit seiner Eröffnung 1973 inspiziert worden. Angesichts der knapper werdenden städtischen Finanzen habe man jeweils „erleichtert durchgeatmet“, wenn alles funktionierte und die Betriebserlaubnis weiter galt. Der Vorfall mit der kaputten Beleuchtung versetze die Stadt aber „in eine völlig andere rechtliche Situation“, so die Beigeordnete. Der Bestandsschutz sei nun aufgehoben, „jetzt gelten auch für uns neueste Standards“. Im November will Ziemann der Politik eine erste Entwurfsplanung präsentieren.

Harsche Kritik hagelte es aus der CDU-Fraktion. Hansjürgen Wakup: „In der Bevölkerung herrscht der Eindruck, es sei sieben bis acht Monate gar nichts passiert. Da sieht die Verwaltung ziemlich mies aus.“ SPD-Mann Michael Thielicke verteidigte die Verantwortlichen. „Man kann nicht einfach zum Obi gehen, weil die es billiger haben.“ Es gebe Bauvorschriften.

Eine schnelle Lösung erwartet niemand mehr. Jens Holzrichter: „Auf der rechten Spur können wir schon Weihnachtsbäume aufstellen.“

Olaf Moos

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