Wegen schweren  Missbrauchs seiner Töchter zu zehn Jahren Haft verurteilt: Vater ist wieder frei

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Symbolbild

Lüdenscheid - Überraschende Wende in einem aufsehenerregenden Verfahren.

Am 5. Juli vergangenen Jahres verurteilte die 1. große Strafkammer des Hagener Landgerichts einen damals 32 Jahre alten Lüdenscheider zu zehn Jahren Gefängnis. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann sich des schweren sexuellen Missbrauchs seiner beiden Töchter schuldig gemacht hat. 

Jetzt, nach einem Jahr Untersuchungshaft, ist der Verurteilte wieder auf freiem Fuß. Der Bundesgerichtshof ist dem Revisionsantrag des Strafverteidigers Dominik Petereit in vollem Umfang gefolgt. Das Urteil, so die Karlsruher Richter, halte einer sachlich-rechtlichen Prüfung nicht stand. 

„Die Beweiswürdigung des Landgerichts genügt nicht den an sie zu stellenden Anforderungen.“ Petereit hatte seine Sach- und Verfahrensrüge unter anderem damit begründet, dass nicht alle in Frage kommenden Zeugen in dem Prozess gehört wurden. 

Vor allem eine Psychiaterin, die die Kinder schon mehrere Jahre vor dem Ermittlungsverfahren gegen den Lüdenscheider untersucht hatte, kam nicht zu Wort. Sie hatte nach den Worten des Verteidigers „damals keinerlei Anzeichen für einen Missbrauch“ erkannt. 

Den Beweisantrag, mit dem Petereit die entlastende Aussage der Ärztin in den Prozess hatte einführen wollen, wies die Kammer unter Vorsitz von Richter Jörg Weber-Schmitz zurück. 

Nach der BGH-Entscheidung – laut Petereit haben nur etwa drei Prozent der Revisionsanträge in Karlsruhe Erfolg – beantragte der Rechtsanwalt umgehend Haftprüfung für seinen Mandanten und erwirkte dessen Entlassung aus dem Gefängnis. 

Der BGH schreibt: „Das neu zur Entscheidung berufene Tatgericht wird Gelegenheit haben, die Aussageentwicklung der Zeuginnen im Einzelnen aufzuklären und in den Urteilsgründen näher darzustellen sowie mögliche Falschaussagemotive zu erörtern.“ 

Mit Beginn des neuen Prozesses wird nicht vor Sommer nächsten Jahres gerechnet.

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