Prozess wird neu aufgerollt

Wegen Missbrauchs der Töchter: Vater aus MK verurteilt - Gutachten nährt Zweifel

Die Polizei in Hessen hat bei Razzien über 1000 Daten sichergestellt.
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Symbolbild

Es war einer der spektakulärsten Missbrauchsfälle der zurückliegenden Jahre: Nach elf Verhandlungstagen verurteilte das Hagener Landgericht im Juli 2019 einen heute 34-jährigen Familienvater zu zehn Jahren Gefängnis. Er soll sich jahrelang teils massiv an seinen zwei leiblichen Töchtern vergangen haben. Der Mann wurde sofort nach der Urteilsverkündung im Gerichtssaal verhaftet. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil nun „kassiert“. Ab Montag wird der Fall neu aufgerollt.

Lüdenscheid - Die Schilderungen der beiden Mädchen, im Tatzeitraum im Grundschulalter, sowie weiterer Zeugen aus dem Umfeld der Familie ergaben im Prozess Einblicke in abscheuliche Details. Demnach lebte der Angeklagte getrennt von der Mutter der Kinder – beaufsichtigte die Mädchen aber dann und wann in seiner Wohnung in direkter Nachbarschaft.

Dabei kam es nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft zu zahlreichen Übergriffen, ob im Bett oder unter der Dusche. Mit seiner älteren Tochter soll der Angeklagte dreimal Geschlechtsverkehr gehabt haben.

Der Angeklagte bestritt von Anfang an alle Vorwürfe. Eine Kripo-Beamtin erinnerte sich im Zeugenstand an Widersprüche in den Aussagen der Mädchen. Eine Pädagogin, die das ältere Mädchen in einer geschützten Einrichtung betreute, hielt die Darstellungen des Kindes hingegen für glaubwürdig. Dieser Auffassung schlossen sich die Richter an und ließen den Mann einsperren.

Häftling wieder auf freiem Fuß

Strafverteidiger Dominik Petereit wertete die Entscheidung als Fehlurteil und ging in Revision. Die obersten Richter hoben das Urteil auf und ordneten eine Neuverhandlung an. Nach rund zehn Monaten Gefängnis und einer Haftbeschwerde des Anwalts kam dessen Mandant auf freien Fuß.

In einer Mitteilung der Justiz heißt es: „Im Kern hat der BGH bemängelt, dass das Landgericht sich mit den inhaltlich wechselnden Aussagen der einen Geschädigten (...) nicht ausreichend auseinandergesetzt habe.“ Die jetzt zuständige Strafkammer holte darauf ein neues aussagepsychologisches Gutachten ein.

Der erste Prozess umfasste elf, nun sind nur noch zwei halbe Verhandlungstage eingeplant. Prozessbeobachter werten das als Indiz dafür, dass vor dem Hintergrund des neuen Gutachtens möglicherweise ein Freispruch zu erwarten ist. Schon die Tatsache, dass der BGH das Urteil komplett aufgehoben hat, ist für Verteidiger Petereit ein Teilerfolg. „Die Erfolgsaussichten sind ansonsten generell sehr gering.“

Der Prozess findet am Montag 13 Uhr, im Saal 101 des Landgerichts statt.

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