Hamsterkäufe aus China in Lüdenscheid: Ein Hauch Kleber für Toilettenpapier

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Der Mundschutz gehört auch in der Firma Hotset inzwischen zur Arbeitskleidung.

Lüdenscheid – In der Corona-Krise sind Produkte dieser Lüdenscheider Firma schwer begehrt. Die Versorgung der Republik mit Toilettenpapier hängt nämlich mit ihrem Produkt zusammen. Es gibt sogar bereits Hamsterkäufe aus China.

„Unsere Heizelemente halten das System am Laufen“, sagt Hotset-Geschäftsführer Ralf Schwarzkopf. Ohne Heizelemente keine Lebensmittel im Supermarkt, keine Tabletten in der Apotheke. Und kein Klopapier. Denn das wird mithilfe kleiner Sprühdüsen, die einen Hauch von Kleber gezielt platzieren, an der Papprolle fixiert.

„Heizpatronen sind Ersatzteile für die Verpackungsindustrie, und das läuft im Moment ganz gut, wir haben noch gut zu tun“, sagt der Lüdenscheider Unternehmer, der sich „froh und dankbar über jeden Auftrag“ zeigt. Darunter sind derzeit auch solche für Maschinen zur Herstellung der Einwegmasken sowie „ein paar Hamsterkäufe aus China“. Die hätten wohl Sorge, dass sie irgendwann doch keine deutschen Produkte mehr bekämen.

Knapp 170 Mitarbeiter sind in normalen Zeiten an der Hueckstraße tätig. Doch der Krankenstand sei aktuell sehr hoch, erzählt Schwarzkopf, eine Tendenz, die er auch aus anderen Betrieben gehört hat.

Coronavirus: Drei Mitarbeiter positiv getestet

Drei Mitarbeiter waren vor Ostern positiv getestet worden – „zum Glück keine kritischen Verläufe“. Einige habe man vorsorglich nach Hause geschickt, sie seien als Kontaktpersonen in Quarantäne. „Die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt läuft sehr gut. Die Mitarbeiter waren zu Beginn etwas nervös, haben sich aber mittlerweile an die Situation gewöhnt. Alle Plätze werden zudem auch regelmäßig desinfiziert.“

Zu alledem kommen die sonstigen Krankheiten, außerdem sei im Prinzip noch Urlaubszeit. Die Lücken sind spürbar, zumal es „zum Glück“ ganz ordentlich läuft mit der Auftragslage. Daher komme es vor, dass auch schon mal ein Rentner aus dem Ruhestand zurückgerufen werde. „Der kommt. Dann hast du nicht alles falsch gemacht als Firma“, freut sich Schwarzkopf.

Alle Informationen rund um das Coronavirus im MK.

Schutzmaßnahmen zu treffen, habe zunächst in der Eigenverantwortung der Betriebe gestanden, erzählt er. Von außen kontrolliert und überprüft wurde das vor Ostern nicht. Aber man habe Masken ausgegeben, einige brächten eigene mit. Man habe ausreichend Handschuhe verteilt und viel Platz zwischen den Mitarbeitern geschaffen: „Die Möglichkeit der Separierung ist bei uns gegeben.“

Inzwischen ist auch das Treffen von Schutzmaßnahmen geregelt. In der Woche nach Osten habe es nun verbindliche – und somit nachprüfbare – Vorgaben für den Arbeitsschutz gegeben, die Hotset aber bereits erfülle, so der Geschäftsführer.

Dass die Unternehmen in Deutschland arbeiten können, ist anderswo nicht selbstverständlich, weiß der Lüdenscheider, der Geschäftsbeziehungen in alle Welt pflegt. „In Indien gibt es einen kompletten Shutdown. Da bricht alles zusammen.“ Lieferungen. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Alles. Angesichts dessen kommt Dankbarkeit auf. „Ich finde es extrem gut, wie wir das in Deutschland machen“, stellt er fest. „Wir sind extrem rational hier. Aber man ist den ganzen Tag nur am Jonglieren. Zum Glück machen die Leute alle mit – das ist grandios.“

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