Zahl der Sterbefälle gestiegen

Auch wegen Corona: Krematorium im MK muss Notzelt für Särge aufbauen

Großes Zelt mit Särgen
+
Auch im Lüdenscheider Krematorium am Waldfriedhof Loh sorgt die Corona-Pandemie für erhöhte Auslastung. Zeitweise nutzen die Verantwortlichen ein Zelt, in dem Särge vor der Einäscherung kurzfristig aufbewahrt werden.

Die steigende Zahl der Sterbefälle durch die Corona-Pandemie wirkt sich auf die Arbeit der Bestatter aus – und auf die Auslastung des Krematoriums am Waldfriedhof Loh. Nach einer alarmierenden Meldung aus Wuppertal, wo das Technische Hilfswerk (THW) inzwischen Zelte für die Lagerung von Särgen errichtet, wird deutlich: Auch in Lüdenscheid werden zeitweise die Kapazitätsgrenzen erreicht. Das erklärt Ralf Wendland, Geschäftsführer der Feuerbestattung Sauerland GmbH.

Lüdenscheid - Im Krematorium, an dem 31 Gesellschafter aus dem Bestattergewerbe der ganzen Region beteiligt sind, finden pro Jahr bis zu 9000 Einäscherungen statt. Dass das Team um Betriebsleiter Dennis Schönrath so viel zu tun hat, dass ein Drei-Schicht-Betrieb eingerichtet werden musste, hat aber nach Wendlands Worten nicht nur mit Corona zu tun.

Die Verantwortlichen rechnen allgemein mit einem Anstieg des Anteils an Feuerbestattungen von derzeit rund 65 auf 80 Prozent. Der Geschäftsführer sagte dazu schon im Sommer vergangenen Jahres: „Die Bestattungskultur in der Bevölkerung hat sich geändert.“

Das ist der Anlass für eine Erweiterung des Krematoriums um eine dritte Ofenlinie. Im Juli 2020 fand dafür der erste Spatenstich statt, im Sommer dieses Jahres sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Kühlkapazitäten am Krematorium Lüdenscheid ausgeweitet

Doch schon jetzt hat die GmbH an ihrem Standort nahe Piepersloh die Kühlkapazitäten ausgeweitet, um eine größere Anzahl Verstorbener in Särgen fachgerecht lagern zu können. Damit Spitzenbelastungen bewältigt werden können, gibt es auch ein Zelt, ähnlich wie im überlasteten Krematorium Wuppertal. Das dient nach Ralf Wendlands Worten aber „nur zur kurzfristigen Aufbewahrung“.

Denn gerade in Pandemiezeiten sei es wichtig, die an Covid-19 Gestorbenen räumlich von den Körpern der nicht von Corona betroffenen Leichen zu trennen. Ob und inwieweit Corona-Tote infektiös sind, dazu meint der Geschäftsführer des Krematoriums: „Darüber sind sich die Wissenschaftler noch nicht einig.“ Daher werde jeder Körper nach Eintreffen am Loh vollständig desinfiziert. Dazu trägt das Team Vollschutz-Anzüge, wie Wendland erklärt.

Krematorium ausgelastet: behördliche Hürden

Dass einzelne Anlagen, in denen Tote eingeäschert werden, hoffnungslos überlastet sind, führt der Fachmann – er betreibt ein Bestattungsinstitut in Herne – vor allem auf behördliche Hürden zurück. So sei es in vielen Städten an der Tagesordnung, das Rathaus zwischen Weihnachten und Neujahr komplett zu schließen. Ralf Wendland: „Wir brauchen aber unbedingt wichtige Papiere wie Sterbeurkunden und die Freigaben für die Einäscherung.“

Angesichts des Anstiegs der Sterberate sei es also erforderlich, die Standesämter geöffnet zu halten – „sonst sind wir gezwungen, auf Lager zu arbeiten“, heißt: Die Verstorbenen müssen aufbewahrt werden, bis eine Stadtverwaltung wieder geöffnet hat.“ Aus seiner Heimat, dem Ruhrgebiet, weiß Ralf Wendland zum Beispiel: „Bochum hatte sein Standesamt zwischen den Feiertagen nur an einem Tag und dann nur für zwei Stunden geöffnet.“

Es liege also nicht an den Bestattern oder den Betreibern der Krematorien, wenn es einen „Stau“ gebe, sagt Wendland weiter. Noch ist die Menge neuer Aufträge am Krematorium der Feuerbestattung Sauerland GmbH zu bewältigen. Zwar habe sich die Auftragslage „allgemein gebessert“ und ab September oder Oktober habe das Team durch Corona und „akut mehr Sterbefälle vermehrt zu tun“.

Aber Wendland ist sicher: „Bis Herbst haben wir keine Übersterblichkeit gehabt.“ Wie sich die Pandemie auf die Auslastung des Krematoriums auswirke, könne man in etwa einem Jahr sagen.

Bis dahin sollen die Erweiterung der Ofenlinien und die Errichtung eines Erweiterungsgebäudes am Waldfriedhof abgeschlossen sein. Kostenpunkt: Insgesamt vier Millionen Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare