Unterricht im Wechselmodell

Melanie Sander ist Mutter und Grundschullehrerin: Mehr als 60 Kontakte in der Woche

Melanie Sander mit Oskar und Jarno Grundschullehrerin Mutter Corona
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Melanie Sander mit ihren Söhnen Oskar und Jarno.

Mit der schrittweisen Öffnung hieß es für die beiden Lüdenscheider Grundschüler Oskar und Jarno: Schultasche packen und ab zur Grundschule am Bierbaum. Kein Arbeitsblatt, sondern – zumindest in einer kleinen Gruppe – Präsenzunterricht.

Lüdenscheid - Oskar wurde im vergangenen Sommer eingeschult. „Er war aufgeregt“, sagt Mutter Melanie Sander. Sie selbst ist Grundschullehrerin am Wehberg. So schlagen zwei Herzen in ihrer Brust – die der Mutter zweier Söhne, die seit Monaten keinen Kontakt mehr zu ihren Spielkameraden haben, und die der Lehrerin, die durch das seit gestern geltende Wechselmodell am Wehberg auf bis zu 60 Kontakte die Woche kommt.

Anders als beim ersten Lockdown sei diesmal die Atmosphäre im Klassenzimmer gewesen: „Die Tische standen beim ersten Mal sehr statisch, jetzt ist jeder zweite Platz leer. Das wirkt recht entspannend.“ Die Müdigkeit der Kinder sei ihr aufgefallen, „wie nach einem Jetlag. Fast so, als ob die Kinder gerade aus den Sommerferien zurückkommen.“

Es gilt eine Maskenpflicht, auch im Unterricht. Manche kommen mit FFP-2, manche mit den OP-Masken: „Aber die FFP2 soll man ja nur 75 Minuten tragen und dann 30 Minuten durchatmen. Das verträgt sich nicht mit dem Schulalltag.“ Die Pausen am Wehberg sind getrennt, und selbst auf dem Schulhof darf die Gruppe A nur auf der einen Seite und die Gruppe B auf der anderen Seite spielen: „Die Kinder meistern das gut, das war irgendwie fast wie im Zirkus, wie sie einander zugewunken haben. Die haben sich einfach nur darüber gefreut sich mal wiederzusehen.“

Man muss da als Lehrerin nah ‘ran und sagen: Das hast du aber toll gemacht!

Melanie Sander

Die Klassen selbst sind halbiert worden, eine weitere Lehrkraft muss den Unterricht stützen. Was für die Kinder gut ist, multipliziert sich allerdings für die Pädagogen. Denn während in Vor-Corona-Zeiten nur eine Klasse unterrichtet wurde, so sind es jetzt jeweils halbe Klassen im Wechselmodell und in verschiedenen Räumen. „Das wird einem schon komisch“, sagt Melanie Sander, „man soll die Kontakte so weit wie möglich minimieren. Man muss da als Lehrerin nah ‘ran und sagen: Das hast du aber toll gemacht!, Aber wenn ich das mal hoch rechne...“ Also Lehrkräfte impfen? „Auf jeden Fall und möglichst bald!“

Einen Tag Präsenzunterricht, den nächsten wieder Homeschooling – so sieht erst einmal das Modell aus. Zumindest ein Anfang, denn Lernen, das habe sie bei ihren Söhnen gemerkt, sei vor allem der Kontakt mit anderen: „Die lernen bei einem Arbeitsblatt nicht mit Emotion. Die stehen ja nicht morgens auf und denken: Hey, super, heute Akkusativobjekt! Man gibt ihnen Arbeitsblätter, aber die sozialen Kontakte bleiben auf der Strecke. Es gibt keinen Sportunterricht, keinen Musikunterricht. Manchmal habe ich das Gefühl, man hat den Kindern alles weggenommen, was Spaß macht. Die müssen raus aus ihren Kinderzimmern!“

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