„Warten auf das Stadtfest"

Begeisternde Kleinkunst im Wohnzimmer

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Am Donnerstagabend trauten sich einmal mehr Kleinkünstler, Kabarettisten, Dichter, Denker, Tänzer, Rezitatoren und Musiker auf die Bühnenbretter der Garderobenhalle, darunter die 12-jährige Lina mit Schlangen-Akrobatik.

Lüdenscheid - Was den Rang in der Gunst des Publikum anging, waren die beiden am Donnerstagabend auf jeden Fall gleichauf, wenn auch höchst unterschiedlich in ihren Fertigkeiten: Die eine, Lina Pawlowska, zwölf Jahre alt und biegsam, dass es einem schon beim Hinsehen im Rücken schmerzte.

Der andere, Björn Bergs, der sich selbst mit Loops (Wiederholungsschleifen) und einem bisschen Beatbox sein eigenes Orchester samt Backgroundchor schuf – großartig.

In der Garderobehalle des Kulturhauses wurde den Lüdenscheidern das „Warten auf das Stadtfest“ ganz und gar nicht lang. Kleine und große Künstler, mit Funktastic eine wunderbare Showband, mit Melanie Fuhrmann die neue Sängerin dazu, die ihre Premierevorstellung gab und mit Karl-Heinz Blasweiler der charmante Moderator.

Daraus wurde fürs Publikum im seit Tagen ausverkauften Saal eine Trommel Buntes, die sich hören und sehen lassen konnte. Noch nie seien die Karten in solch rasantem Tempo weggegangen, ließ Kulturhausleiter Stefan Weippert wissen. Aber Ambitionen, in den großen Saal zu wechseln, habe man (vorerst) nicht. Denn dann würde die Veranstaltung die Wohnzimmer-Atmosphäre verlieren.

Björn Bergs produzierte sich selbst als Frontmann, Backgroundchor und Orchester.

Wohl wahr, wenn man bedenkt, dass mit der zwölfjährigen Lina und dem 15-jährigen Stefan Cieslik am Klavier zwei sehr junge Künstler auf der Bühne standen. Rezitator Peter Zimmer kam mit Tucholsky und Hüsch daher, Pete Gere und Dieter Heinze mit „Sympathie for the Devil“ von den Stones.

Neu auf der Bühne: David Spangenberg mit seiner Handpuppe Kiffy und der dazugehörigen Abhandlung über Weed, Kiffen und dererlei Alltagsbeschäftigungen.

Ein alter Bekannter auf der Bühne: Timothy Kahler mit einem leider viel zu kurzen Auftritt. Björn Bergs, in der Bergstadt keine unbekannte Größe, ist er doch als Solist der Gospelformation Living Gospel bekannt, brauchte sich nicht davor zu fürchten, dass seine Loop-Programmierung vielleicht mal nicht so läuft. Da reichte beim „Englishman in New York“, vor allem aber bei einem alten englischen Kirchenlied, allein seine Stimme, um ehrfürchtig zu applaudieren. Der Schlussakkord gehörte nach knappen drei Stunden Manuela Dahlberg-Dietz mit ihrem orientalischen Tanz.

Warten aufs Stadtfest

Was bleibt, ist nach einem solch bunten wie schönen Abend die Gewissheit, dass es auch im kommenden Jahr wieder einen Kleinkunstabend im Vorfeld des Stadtfestes geben wird. Und hoffentlich auch wieder in der Wohnzimmer-Atmosphäre der Garderobenhalle. - Jutta Rudewig

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