Warten auf die Spritpreis-App

+
Von jeder Lüdenscheider Zapfsäule aufs Handy: In Kürze soll die Echtzeit-Übertragung der aktuellen Preise starten.

LÜDENSCHEID - Alle Tankstellen in Lüdenscheid melden seit Tagen ihre Spritpreise ans Bundeskartellamt – noch im Probelauf, doch bald soll damit zuverlässige „Spritpreis-Apps“ gefüttert werden. Sie sollen zuverlässig und in Sekundenbruchteilen jede Preisveränderung für Autofahrer sichtbar machen.

Die können dann die günstigste Tankstelle im Umkreis anfahren und die Benzinpreise senken helfen. So weit die Theorie.

Lüdenscheider Tankstellenbesitzer und Pächter sehen das ganze Verfahren kritisch. Alle befragten Betreiber hätten einmalige Preisänderungen pro Tag mit Bekanntgabe am Tag zuvor für besser gehalten. Die App bereite Kosten und Umstände, und sie glauben nicht an Erziehungseffekte: „Zu 90 Prozent habe ich Stammkunden“, sagt etwa Marco Pöckelmann. Die kämen auch dann, wenn seine freie Tankstelle an der Lösenbacher Landstraße 178 mal einen Cent über benachbarten Mitbewerbern liege. Für die kommende amtliche App ist die Meldung an die „Markttransparenzstelle Kraftstoffe“ seit Samstag Pflicht. Zur Datenübertragung nutzt Marco Pöckelmann ein Angebot des Bundes Freier Tankstellen (bft). „Die erledigen das gegen eine Monatsgebühr.“ Nicht bewährt hätten sich Apps, die noch von Autofahrern gefüttert werden: „Bei sieben bis zehn Änderungen pro Tag zeigen die oftmals längst überholte Preise an.“

Ebenso kritisch wie Pöckelmann bewertet Arnt Richter die App. Richter gehören die freien Tankstellen am Brockhauser Weg und In der Dönne. Er musste sich eigens ein PC-Programm zulegen und es mit seinen Tankautomaten verbinden. „Damit klappt die Übermittlung problemlos“, doch zuvor sei er mit Mails zur Handhabung regelrecht zugeworfen worden. Wenn die neue App erstmal laufe, komme es auf die Entfernung zur angezeigten günstigsten Tankstelle an. Im Zweifel verfahre man auf dem Umweg mehr Kraftstoff, als über den Literpreis einzusparen ist.

Anders als nicht markengebundene Kollegen musste sich Maik Klapperich von der Aral an der Volmestraße 161 um die App-Meldungen kaum kümmern: „Das macht Aral.“ Der Konzern nehme täglich bis 19 Uhr auch die Preisänderungen in Brügge von der Zentrale in Bochum aus vor. „Wir geben da nur die gewünschten Senkungen an.“

Es ändere sich derzeit viel, die Zeiten „guter“ Tanktage sind laut Klapperich durch das ständige Auf und Ab vorbei. Die preislich beste Tankzeit liege derzeit zwischen 18 und 19 Uhr: Bis dahin könnten die Pächter Senkungen veranlassen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare