Warmhaltekanne und Werkzeug unterm Hammer

„Zum Ersten, zum Zweiten – und zum Dritten.“ Diesen Satz hat Dr. Andreas Meier gestern Vormittag rund 250 Mal ins Mikrofon gerufen.

LÜDENSCHEID – Mit geschultem Blick sucht Dr. Andreas Meier blitzschnell den Festsaal Hohe Steinert ab. Diesmal vergeblich: Keiner der Kaufinteressierten hält seine gelbe Bieterkarte in die Höhe.

„Niemand?“ vergewissert sich der Mitarbeiter des Auktionshauses Carus Deutschland GmbH noch einmal. Ein neues Dia erscheint auf der Leinwand, Dr. Meier ruft die nächste Position auf.

Das Team der Carus GmbH versteigert das gesamte Inventar der Alfred Auth Metall- und Stahlwarenfabrik – öffentlich und meistbietend. Vom Tesa-Abroller über einen eher mickrigen Ficus – der keinen Abnehmer findet – bis zu Press- und Stanzmaschinen kommt alles unter den Hammer. Auf letzteren verzichtet der Auktionator allerdings, den Standardsatz „Zum Ersten, zum Zweiten – und zum Dritten“ muss er dagegen rund 250 Mal ins Mikrofon rufen.

Die Nummernschilder der Autos auf dem Parkplatz verraten, dass viele Schnäppchenjäger eine lange Anfahrt in Kauf genommen hatten: aus Oberhausen, Aachen, Trier und sogar aus den Niederlanden sind sie angereist. Für einen der holländischen Interessenten hat sich die Reise gelohnt: Ihm gehört nun das gesamte Werkzeug, das einst die Auth-Mitarbeiter im Firmengebäude Am Neuen Haus benutzten. Bei 11 000 Euro steigen die Mitbieter aus – der Niederländer ist zufrieden.

Eher unzufrieden wirkt dagegen Dr. Andreas Meier. Während die „Mitnahmeartikel“  – sogar die Melitta-Warmhaltekanne und die etwas antiquierte Typenradschreibmaschine für jeweils zwei Euro – sofort Abnehmer finden, bleibt der Auktionator auf den Großmaschinen sitzen. Ohne Erfolg bietet er zum Beispiel die Exzenter-stanze und die Spiralpresse an. Auch die Hydraulikpresse – Startgebot 1900 Euro – will niemand haben. „Zu teuer“, ruft eine Bieterin. Der Auktionator reagiert – allerdings mit gerunzelter Stirn und „Bauchschmerzen“ – steigt mit 700 Euro ein. Für 950 Euro wechselt die Maschine schließlich den Besitzer. „Aber unter Vorbehalt“, betont Dr. Meier, der die Versteigerung im Auftrag des Insolvenzverwalters durchführt. Der muss dem Gelegenheitskauf erst noch zustimmen.- cwi

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