KVWL-Server überlastet

„War das wirklich so geplant?“ - Der gescheiterte Versuch, Impftermine zu vereinbaren

Älteres Ehepaar im Wohnzimmer
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Die Eheleute Doris und Friedhelm Moos müssen geduldig warten – wie so viele andere auch.

Am 21. Januar kündigte die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) auf ihrer Homepage an: „Terminvergabe für Corona-Impfungen startet wie geplant am 25. Januar.“ Als meine Eltern, beide über 80, mich fragen, ob ich „mal eben“ einen Termin für sie vereinbaren kann, sage ich: „Na klar, kein Problem!“ Jetzt, nach geschätzt 30 Versuchen, alle vergeblich, frage ich mich, was die KVWL mit „wie geplant“ meinte. War das wirklich so geplant?

7.58 Uhr: Die Kaffeetasse steht neben dem Rechner im häuslichen Arbeitszimmer. Auf www.116117.de erscheinen mir die „Elfen“ auf dem Bildschirm, tantenhafte Damen mit Plastikflügeln und Ansteckern an den Kostümjacken: „ELF6“ die eine, „ELF7“ die andere. Humor haben sie ja, denke ich mir. Die Schaltfläche „Infos zur Impfung und Terminbuchung“ gaukelt vor: Gleich habe ich’s!

8.30 Uhr: Nach fünf gescheiterten Versuchen habe ich den Kaffee auf, im wahren Wortsinne. Es ist immerhin gelungen, sogenannte Vermittlungscodes zu kriegen, jeweils zwölfstellig, einen für den ersten, einen für den zweiten Impftermin. Nur für eine Person, versteht sich, für Mama. Lady’s first! Danach sollte der Code für Papa her.

8.40 Uhr: Der zugesandte Code für Termin 1 ist schnell eingegeben. Die Eieruhr auf dem Bildschirm dreht sich lange. Dann die Meldung: „Ein technischer Fehler ist aufgetreten, bitte probieren Sie es später erneut“.

9 Uhr: Neuer Schauplatz, neuer Versuch. Von der Redaktion aus wähle ich die 116117 an – keine Chance. Hatte ich mit gerechnet. Also probiere ich es online weiter, wieder und wieder. Die Fehlermeldung kann ich drei Minuten später auswendig.

9.15 Uhr: Ein Kollege, Eltern auch über 80, berichtet, er habe den Vermittlungscode eingegeben – und sei tatsächlich eine Runde weiter gekommen („Super, oder!?“). Und dann, so kurz vor dem Ziel, sollte er – Überraschung – plötzlich die Versicherungsnummern seiner Eltern eintippen. Erste Reaktion: „Hä?“ Schneller Anruf, Eltern nicht zu Hause. Terminvergabe gescheitert, „Probieren Sie es später erneut“.

10.30 Uhr: Ich rufe meine Eltern an und lasse mir vorsichtshalber ihre Krankenversicherungsnummern durchgeben.

11.05 Uhr: Ein LN-Leser meldet sich. Er will namentlich nicht genannt werden. Eltern impfwillig und über 80. Seine Erfahrung ist entsprechend. Er ist sauer. „Ich habe beim Bundesgesundheitsministerium in Berlin angerufen, um mich zu beschweren.“ Da habe man ihn an die Landesregierung NRW verwiesen. „Und in Düsseldorf wollten sie mir gar keine Auskunft geben und mich auch nicht weiter verbinden.“

11.15 Uhr: Ich entdecke die vermeintliche Lösung. Mit dem Vermittlungscode hat mir die KVWL einen Trick verraten: „Kopieren Sie bitte Ihre Vermittlungscodes direkt aus der Mail und buchen Sie Ihren Termin auf 355-iz-impfzentrum.de.“ Alles klar, mache ich. Die Antwort kommt postwendend: „Es ist ein unerwarteter Fehler aufgetreten.“

11.25 Uhr: Aufgeben ist keine Option, es geht immerhin um meine Eltern. Also weiter, also noch mal! Wieder kommt eine Antwort. Diesmal lautet sie: „Herzlich willkommen auf unserer Terminvergabe-Seite für Ihre Corona-Impfung! Leider sind derzeit alle Termine vergeben. Wir schalten in Kürze weitere Termine frei. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt wieder.“

12 Uhr: Der Vorstandsvorsitzende der KVWL, Dr. Frank Bergmann, meldet sich per Pressemitteilung. „Niemand muss sich Sorgen um seine Impfung beziehungsweise seinen Termin machen.“ Und: „Jeder Impfwillige wird drankommen und muss nicht befürchten, zu spät zu kommen.“

14.30 Uhr: Die Kreisverwaltung teilt mit: „Nach Startschwierigkeiten (...) hat sich die Situation gegen Mittag entspannt. Von da an ging es schnell: Bis 13.30 Uhr waren bereits 155 Impftermine gebucht.“

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