Mit Walzer, Musical und Oper ins neue Jahr

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Orchesterleiter Hermann Breuer (r.) überzeugte beim Neujahrskonzert auch als amüsanter Moderator – als Gesangssolist brillierte Vasilis Tsanaktsidis.

Lüdenscheid - Beschwingt ins neue Jahr begleiteten die Musiker der Huberman Philharmonie Tschenstochau die Musikfreunde unter dem Motto „Seid umschlungen, Millionen“. Das klassische Neujahrskonzert fand unter der Leitung und humorvollen Moderation von Hermann Breuer im Theatersaal des Kulturhauses statt.

Insbesondere die leichte Muse, allen voran der Walzer, stand im Mittelpunkt des Abends, bei dem nicht, wie angekündigt, Alejandro Armenta die solistischen Gesangsparts bestritt, sondern stattdessen der griechische Sänger Vasilis Tsanaktsidis brillierte. Ein beschwingter Walzer aus der 9. Sinfonie von Johann Strauß bildete den Auftakt des unterhaltsamen Programms, bevor Vasilis Tsanaktsidis mit einem ersten Gesangssolo bei der Arie des Rocco „Hat man nicht auch Gold beineben“ aus Beethovens Oper „Fidelio“ überzeugen konnte.

Hermann Breuer offenbarte seinem Publikum nicht nur sein Talent als Orchesterleiter, sondern auch als Moderator, der um keine Anekdote verlegen war. Der Komponist Giacomo Rossini, so Breuer, hatte bereits im Alter von 35 Jahren so viel Geld durch seine Kompositionskünste verdient, dass er sich zur Ruhe setzen konnte. Viele Jahre zuvor, im Alter von gerade mal 21 Jahren, komponierte er jedoch in nur vier Wochen als Auftragsarbeit die Oper „Die Italienerin in Algier“, aus der das Orchester die heitere Ouvertüre souverän bis zum effektvollen Finale interpretierte.

Die Rossini-Oper „Die Reise nach Reims“ war dagegen lange Zeit vergessen, bis Dirigent Claudio Abbado das Werk 1984 erfolgreich wiederaufführte. Beim Neujahrskonzert gab Bassist Vasilis Tsanaktsidis daraus die humorvolle Arie „Medaille incomparable“ („Die unvergleichliche Medaille“) zum Besten, in der verschiedene Nationen durch die Betonung sprachlicher Eigenheiten und Akzente ihr Fett wegbekommen. Bei diesem anspruchsvollen Werk begeisterte der Solist sowohl durch Präzision als auch durch Elan und Sangesfreude, was ihm einen anerkennenden Applaus einbrachte.

Nachdem die Streicher im Orchester die augenzwinkernde „Pizzikato-Polka“ von Johann Strauss leicht und locker hingezupft hatten, folgte mit „Gold und Silber“ wieder ein klassischer Walzer des Meisters, der geschmeidig und elegant daherkam. Auch hier legte Hermann Breuer Wert auf eine flotte Interpretation, ohne dabei feine Nuancen und Schattierungen zu vernachlässigen. Mit einer kraftvollen Version des „Faust-Walzers“, der „Arie des Mephisto“ aus der Oper „Margarete“ von Charles Gounod, eröffnete Vasilis Tsanaktsidis den zweiten Konzertteil. Im Anschluss ließ das Orchester zahlreiche Musical-Melodien erklingen. Bei „Showboat“ von Jerome Kerne, das die Rassentrennung zum Thema hat und im Jahre 1927 entstand, handelt es sich um das erste Musical überhaupt, das das Licht der Bühnenwelt erblickte. Aus ihm spielten die Orchester-Musiker ebenso ein Medley (unter anderem mit dem bekannten Song „Old Man River“) wie aus dem Werk „The Fiddler on the Roof“, das in Deutschland unter dem Namen „Anatevka“ vermarktet wurde. Hier schlüpfte Bassist Tsanaktsidis bei dem populären Lied „Wenn ich einmal reich wär“ in die Rolle des Milchmannes Tevje.

Im Anschluss an das Konzert forderte das Publikum noch zwei Zugaben ein. Dem „Schneewalzer“ folgte der unvermeidliche „Radetzky Marsch“, bei dem alle noch einmal nach Herzenslust mitklatschen konnten. - Von Björn Othlinghaus

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