Als Walker und Biker beim Sponsorenlauf durchs Volmetal

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Es geht auch ohne Shirt und Startnummer: Im strömenden Regen war dieser Läufer oben ohne unterwegs – und mit sichtlich Spaß.

MÄRKISCHER KREIS - Zwölf Kilometer Volmetal hat die bunte Truppe gerade hinter sich gebracht – zwei davon eigens, um beim Volksbank-Sponsorenlauf noch mehr für den Glücksbringer-Verein zu erlaufen...

Jetzt stehen Christa Timm, Bärbel Nolte, Elke Marx, Doris Eisenhardt, Gerd Cordt, Horst Gelhausen und Petra Ecker wieder am Stand ihrer Turboschnecken und erfahren, dass es für Extrakilometer gar kein Extra-Honorar gibt. Sie nehmen’s mit Humor: „Das hat auch so gutgetan!“

Mit der Nachfrage beim Sponsorenlauf sind Gisela und Toni Kaddatz, Volker Hartwig und Arno Dumke zufrieden. Die Namenslisten sind ordentlich gefüllt, und an jeden Teilnehmer, der sich mit zwei Euro zum Glücksbringer macht, haben sie eine Startnummer samt Schneckenstempel und eine faltbare Trinkflasche herausgegeben.

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Als ich kurz nach elf aufkreuze, erhalte ich schon Startnummer 161. Gekleidet bin ich wie ein richtiger Läufer, kurze Hose, Turnschuhe, Trainingsjoppe – das wirkt sportiv, wäre da nicht der Regenschirm. Aber der Knirps verschwindet erstmal im Ärmel, und die Optik ist perfekt. Dabei liegen meine Konditionswerte tief im Calmund-Bereich, und mein Appetit auch. Was soll’s? Als Sponsorenläufer muss man keine Rekorde knacken, Würstchen reichen vollauf.

Wie die von Britta Fuchs und Andrea Kohlhage. Sie haben sogar welche im Becher. Die „Currywurst to go“ passt zu meinem Schlendertempo. Doch hier und heute ist Sponsorenlauf, und wer nicht laufen kann, ist halt Walker. Das klingt wenigstens nach Sport!

Nach der Becherwurst ist die nötige Grundlage endgültig hergestellt, immerhin gab’s vorhin am Schneckenstand schon eine Waffel am Stiel zum Mitnehmen, dazu im Vorbeigehen zwei AOK-Müsliriegel von Ralf Jurka. Irgendwie wollen hier wohl alle, dass es vorangeht. Wenige Meter weiter wird’s Zeit für einen Kaffee – es beginnt zu regnen. Also ab unters schützende Dach der SPD-Bude. Dort haben sie auch Bowle, aber das passt nicht zu einem Walker, auch wenn frische Erdbeeren drin sind. Also Kaffee mit Milch. Und dabei wird mit Sozialdemokraten über das fehlende Bahnhofsklo parliert. Der grüne STL-Toilettenwagen, der das Bahnhofsproblem laut einer CDU-Idee lösen soll, steht nur ein paar Meter weiter. Sagen wir’s mal so: Einladend sieht anders aus.

Beschirmt geht es weiter in Richtung Ortsgrenze. Döner- und Grillangebote lasse ich jetzt mal rechts liegen – auch Walker hassen Seitenstiche. An mir vorbei radeln ganze Familien durch den Regen, ein älterer Herr rauscht mit 30 Sachen über die Volmestraße, die Gattin hält auf Inlinern im geduckten Stil einer Claudia Pechstein mit.

Ich für mein Teil habe schon gut und gerne 800 Meter auf Schusters Rappen geschafft. Bis zum Ortsschild, meinem Ziel, ist es bestimmt nochmal so weit. Bloß nicht vorausgaben!

Da naht ungeahnte Unterstützung. Kaum habe ich bei der Agendabeauftragten Liz Wilfarth ein Rätsel zu den Lichtrouten gelöst – zu essen hatte sie nichts –, wartet nebenan der Pedelec-Stand der Stadtwerke. Also aufs Rad geschwungen und den Batterieschub voll aufgedreht. Der Effekt ist unglaublich. Jetzt bin ich Biker, und was für einer: Eddy Merckx würde nur mein Hinterrad sehen! In Höllentempo geht es ab zum Ortsschild und hurtig wieder retour. Denn jetzt wird’s wirklich ungemütlich, der Dauerregen suppt durch die dünne Trainingsjacke, vermutlich heißt das hier Freezing. Doch was sehe ich da? Ein Läufer hat sein klatschnasses Shirt glatt ausgezogen und sprintet lachend oben ohne weiter.

Thomas Finkewirth ist aus ähnlichem Holz geschnitzt. Der Biker war schon bis Meinerzhagen und wieder zurück – 28 Kilometer plus acht für die Anfahrt, hingerast ist er in 34 Minuten, zurück in 27, mit Rückenwind, alles ohne E-Motor. „Man muss aufpassen“, berichtet er, „die Strecke ist voll, und Kinder mit Stützrädern fahren plötzlich mal im 90-Grad-Winkel.“ Trotz des Tempos hat er die Fahrt genossen: „Ohne Autolärm auf einer Landstraße zu fahren, ist echt ein Erlebnis!“ Ein Erlebnis, das an diesem Tag 7000 Leute teilten – als Walker, Biker, Inliner. Und satt geworden sind sie alle. - Thomas Hagemann

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