Folge der Entwicklung

Waldschäden in Lüdenscheid: Erschreckende Zahlen zeigen das Dilemma

wald lüdenscheid
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Der Borkenkäfer hat in den vergangenen drei Jahren in negativer Hinsicht ganz besondere Arbeit geleistet: Erstmals seit den 1970er Jahren ist der Homertturm nicht mehr von Bäumen verdeckt, sondern weithin sichtbar.

Die Lage der städtischen Forstflächen in Lüdenscheid ist dramatisch. Revierförster Marcus Teuber sagt dies nicht nur ganz klar, sondern unterlegt die Folge der Entwicklung auch mit Bildern.

Lüdenscheid – Die Lage der städtischen Forstflächen ist dramatisch. Revierförster Marcus Teuber sagt dies nicht nur ganz klar, sondern unterlegt die Folge der Entwicklung auch mit Bildern. Rund um den Stadtteil Bierbaum sah es vor drei Jahren noch gut aus. Gut im Sinne von dicht begrünt und bewaldet. Ein Blick auf die heutige Lage ist in diesem Zusammenhang deutlich ernüchternder. Viel Kahlfläche, wenig Bäume.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand: 31.12.2019)

„Das sind die Folgen der Entwicklung. Die Mitarbeiter des Forstamtes stehen nicht vor einem 100-Meter-Lauf, sondern einem Ultramarathon“, sagt Teuber mit Blick auf das heutige Luftbild und die anstehenden Arbeiten im Bereich Bierbaum. Vor den Mitgliedern des Umwelt- und Klimaschutzausschusses gab Teuber einen Sachstandsbericht über den Status Quo der städtischen Forstflächen ab.

Waldschäden in Lüdenscheid: Mehr als 30 Prozent der Waldfläche verloren

„Der Homertturm ist zum ersten Mal seit den 70-er Jahren wieder sichtbar“, sagt der Revierförster. Kein gutes Zeichen, war er doch sonst immer von Bäumen verdeckt. Der Borkenkäfer hat in den vergangenen drei Jahren in negativer Hinsicht ganz besondere Arbeit geleistet, erläutert Teuber weiter. Die Folge: Die kommenden drei bis fünf Jahre dienen der Wiederaufforstung, denn auf die gesamte Stadtfläche gesehen gingen 170 Hektar an Fichtenfläche. Das entspricht 65 000 Festmetern. Zur Einordnung: Eine Lkw-Ladung kann 30 Festmeter aufnehmen.

Die gesamte Waldfläche der Bergstadt beträgt 500 Hektar. Somit ging mehr als 30 Prozent der Waldfläche verloren. Viel Arbeit liegt vor Teuber und seinen Arbeitskollegen. „Welches Modell der Aufforstung kommt, ist höchst individuell und von vielen Faktoren wie beispielsweise Boden, Temperatur, Nutzung und Klima abhängig. Da wäre es unseriös, die Frage pauschal zu beantworten“, sagt Teuber. Nur eines stellt Teuber klar: Die Zeit der Fichten neigt sich dem Ende zu, das Aufforstungsmodell sieht vor, dass in der Regel vier bis fünf Baumarten gepflanzt werden.

Das Thema Beschaffung sei in diesem Zusammenhang kein Problem. „Wir haben genug Rückstellen bei Baumschulen“, sagt Teuber. In nächster Zeit sei es aber gar nicht primär das Ziel, direkt aufzuforsten. „Derzeit befinden wir uns in der Ruhephase“, führt der Revierförster aus. Um die Kosten der Aufforstung auch tragen zu können, sind landesweite Förderprogramme ausgeschrieben. Welche Kosten auf die Stadt zukommen, hängt aber nicht nur damit zusammen, welche Fördermittel zu erhalten sind, sondern ob sich auch Firmen anteilig an der Wiederaufforstung finanziell beteiligen. „Deswegen ist eine konkrete Zahl derzeit nicht auszumachen“, sagt Teuber.

Waldschäden in Lüdenscheid: Brügger Bahnhof als „Schlüsselsprojekt“

Als einen positiven Baustein beziehungsweise ein „Schlüsselprojekt“ bewertet Teuber die Wiederaufnahme des Brügger Bahnhofs im vergangenen November als Güterverladestation. Bis zu vier Züge pro Woche mit 23 bis 24 Waggons und jeweils 1600 Festmetern Holz werden seit November von Lüdenscheid aus auf die Schienen gebracht. „Pro Zug enstpricht dies einem Warenwert von 45 000 bis 50 000 Euro“, erläutert Teuber und ergänzt: „Das ist eine Dimension, die industriellen Charakter hat und auch der Größenordnung des Bahnhofs entspricht.“

In den kommenden Wochen und Monaten ist kein Abebben dieser Zahlen zu erwarten, da noch viele weitere Festmeter zu verladen sind. „Aber auf Sicht gesehen wird natürlich das Volumen der Schlagmenge absacken“, erklärte Hans Jürgen Badziura, Fachdienstleiter auf eine Nachfrage von Heidi Skorupa (SPD). Bis dahin ist der „Ultra-Marathon“ noch längst nicht abgeschlossen, das Ziel ist noch längst nicht in Sichtweite.

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