„Wald wird aus wirtschaftlichen Gründen abgehackt“

Für Firmenerweiterungen werden Wälder gerodet

Für Firmenerweiterungen müssen Bäume gefällt werden.

Lüdenscheid - Für zwei geplante Firmenerweiterungen in Lüdenscheid müssen Wälder gerodet werden: insgesamt etwa 20.000 Quadratmeter.

Massive Industriebauten, ein stark befahrener Autobahnzubringer und die nahe A45 selbst – das Gebiet rund um Römerweg und Hoher Hagen geht trotz noch vorhandener Grünstreifen nicht eben als Naturparadies durch. Und aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Pendel in Lüdenscheid-Nord künftig weiter zugunsten des Wirtschaftswachstums ausschlagen.

Der konkrete Grund dafür: Die Spedition Lixfeld (Hoher Hagen 1) und die Kunststofffirma Megatec (Römerweg 25) sehen ihre Kapazitätsgrenzen an den jeweiligen Standorten erreicht und wollen im direkten Umfeld expandieren. Geplant sind neue Lagerhallen.

Das Problem dabei: An beiden Standorten muss Wald gerodet werden, insgesamt etwa 20 000 Quadratmeter. Das bereitet der Lüdenscheider Stadtverwaltung zwar Bauchschmerzen, besonders im Falle des rund 15 000 Quadratmeter großen Wäldchens, das neben Lixfeld weichen soll. Die Fläche gilt als ökologisch besonders wertvoll. Trotz der Bedenken halten Christian Vöcks, im Rathaus neuer Leiter des Fachdienstes Stadtplanung und Verkehr, und sein Kollege Rolf Mielke die Erweiterungen aber für alternativlos. Aus Gründen der „Betriebsstandortsicherung“. So äußerten sich die beiden Männer jetzt bei einer Bürger-Anhörung, die allerdings kaum Bürger anlockte. In besagtem Gebiet leben allerdings auch kaum Anwohner. Doch trotz der spärlichen Resonanz barg die Info-Veranstaltung Brisanz – wegen der Öko-Bilanz vor allem am Hohen Hagen.

Denn wie Rolf Mielke einräumte, leben in dem Lixfeld-Wäldchen nicht nur Vögel und Fledermäuse. Auch die gefährdete Haselmaus fühlt sich dort wohl. Und Walter Trimpop vom nahen Autohaus gab dies zu bedenken: „In dem Wäldchen stehen alte Eichen und auch der geschützte Ilex. Außerdem lebt dort ein Reh, das oft bis zu unserem Betrieb kommt.“ Beim Ilex handelt es sich um die Europäische Stechpalme. Trimpops Urteil: „Der Wald wird aus wirtschaftlichen Gründen abgehackt.“ Stadtplaner Christian Vöcks widersprach nicht: „Es ist eine Entscheidung gegen den Wald und für die Wirtschaft.“

Umfängliche ökologische Ausgleichsmaßnahmen sind laut Rolf Mielke allerdings vorgeschrieben und auch vorgesehen. So soll etwa die Haselmaus durch „Waldumbaumaßnahmen“ im unmittelbaren Umfeld eine neue Heimat finden. Die possierlichen Tiere lieben Buschwerk. Außerdem sollen als Ausgleich neue Bäume gepflanzt werden. Im geringen Umfang am Hohen Hagen selbst, im größeren Stil im weit entfernten Wettringhof. Rolf Mielke: „Für solche Projekte fehlen uns langsam die Flächen.“

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