Wahlkampf auf der Zielgeraden: Olaf Scholz im Brauhaus Schillerbad

+
SPD-Bürgermeister-Kandidat Sebastian Wagemeyer und Volker Schmidt, Bewerber um das Landratsamt, gaben dem prominenten Gast aus Berlin „Wünsche für Lünsche“ mit auf den Rückweg in die Hauptstadt.

Lüdenscheid - Das war, im Endspurt des Wahlkampfs vor den Stichwahlen am Sonntag, noch einmal Balsam auf die Seele der Lüdenscheider SPD: Bürgermeister-Kandidat Sebastian Wagemeyer und Volker Schmidt, der MK-Landrat werden will, sonnten sich gestern Abend im Brauhaus Schillerbad im Licht des prominentesten Wahlkämpfers ihrer Partei.

Bundesfinanzminister, Vizekanzler und Kanzlerkandidat Olaf Scholz appellierte an die „lieben Genossinnen und Genossen“: „Geht raus, sprecht mit Nachbarn, Freunden und Verwandten und sagt ihnen, dass sie zu Wahl gehen müssen!“ 

Rats- und Kreistagsmitglieder, Bürgermeister Dieter Dzewas, Kommunalpolitiker aus Olpe oder Attendorn, die Bundestagsabgeordnete Nezahat Baradari und ihr Landtagskollege Gordan Dudas gesellten sich im Brauhaus zu den Parteifreunden, die dem Gast aus Berlin in gebührendem Abstand zueinander lauschten – und keine Gelegenheit zum Zwischenapplaus ausließen. 

Für Scholz war sein Besuch in der Kreisstadt „ein Zeichen, dass der Bund an eurer Seite steht“. Dabei machte er auch Wahlkampf in eigener Sache. So plädierte der Gast, begleitet von Sicherheitsbeamten und einem Sprengstoffspürhund, dafür, den Kreisen, Städten und Gemeinden nach den Bundestagswahlen im nächsten Jahr „eine neue Stunde Null zu bescheren“ und alte Schulden abzuschaffen – sollte er Kanzler werden.

SPD-Bundesfinanzminister Olaf Scholz zu Gast im Lüdenscheider Brauhaus

Olaf Scholz: „Zwei Drittel der öffentlichen Investitionen werden von Kommunen geleistet.“ Deshalb habe der Bund den kommunalen Ausfall von Gewerbesteuern in der Coronakrise ausgeglichen. „Und deshalb wäre es verrückt, wenn wir die Kommunen alleine ließen.“ 

Gerade in Zeiten der Pandemie setze er auf Zusammenhalt und gegenseitigen Respekt. Der Minister: „Einen Satz, den ich vorher nie gehört habe, höre ich nun nahezu jeden Tag: Ich bin froh, dass ich diesem Augenblick in Deutschland bin.“ Das, was das Land in dieser Krise stark gemacht habe, müsse danach weiter ausgebaut werden. 

Kandidat Wagemeyer konzentrierte sich in seiner kurzen Rede auf den politischen Gegner vor Ort. „Die Stadt schlecht zu reden, wie der Mitbewerber es seit Wochen macht, das ist nicht unser Anspruch.“ Denn damit treffe man auch diejenigen, die sich zum Beispiel im Ehrenamt seit Jahren „den Hintern aufreißen“, und das führe zur Spaltung einer Gesellschaft. 

Sebastian Wagemeyer: „Wir sind hier nicht in einem Vorort von Detroit, uns geht es hier um Zusammenarbeit und darum, positiv nach vorne zu schauen.“ Die laut Wagemeyer etwa 500 Rückmeldungen, die nach dem Internet-Aufruf der SPD aus der Bevölkerung gekommen seien, habe sein Team ins Wahlprogramm eingearbeitet. 

Nach knappen Ausflügen in die Finanz-, Wirtschafts- oder Außenpolitik, mit denen Olaf Scholz wortgewandt Fragen von Wählern beantwortete, griff sich der Lüdenscheider Unternehmer Axel Turck das Mikrofon und sprach den Vizekanzler auf die Praxis der Hilfsprogramme für notleidende Unternehmen an.

 „Die Lufthansa hat vom Bund 75 000 Euro pro Mitarbeiter bekommen. Bekomme ich für meine 45 Leute auch so viel?“ Scholz verteidigte die Finanzspritzen an Großunternehmen als „Kredite, die wir wiederkriegen werden – in verbesserter Situation sogar mit Zuschlag“. Immerhin: Turck bedankte sich für die flexiblen Kurzarbeitsregeln nach Ausbruch der Pandemie. 

Und dann war Scholz auch fast schon wieder weg, dem engen Terminplan geschuldet. Bürgermeister Dzewas überreichte noch schnell eine Flasche Schnaps, „Versewässerchen“, Olaf Scholz und seine Mannschaft enteilten, der Sprengstoffspürhund auch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare