Wahl-Drama als „spannend und ernsthaft“ erlebt

Angela Freimuth während des ersten Wahlgangs mit dem künftigen Bundespräsidenten Christian Wulff und FDP-Chef Guido Westerwelle. Hier erwartete auch sie noch, dass es bei einem Urnengang bleiben würde.

LÜDENSCHEID/BERLIN - „Es war spannender als erwartet und zugleich doch sehr ernsthaft und geschäftsmäßig“: So erlebte die heimische FDP-Landtagsabgeordnete Angela Freimuth als Wahlfrau die Bundespräsidentenwahl in Berlin. Vor allem nach dem ersten Wahlgang, die dem CDU/FDP-Kandidaten Christian Wulff 44 mindestens fehlende Stimmen aus den eigenen Reihen bescherte, sei die Stimmung im Koalitionslager „sehr angespannt“ gewesen. Sie selbst habe nur mit einem Wahlgang gerechnet.

Zugleich war die hohe Zahl der Abweichler nicht nur in ihren Augen der Beleg dafür, dass sie vor allem aus den Reihen der Union kamen. In der Fraktion unmittelbar vor der Wahl hatten laut Freimuth vier Liberale erklärt, für Joachim Gauck stimmen zu wollen. „Die Gründe dafür waren durchweg sehr respektabel“, aber dass es darüberhinaus keine weiteren Unterstützer für den Kandidaten von Rotgrün gab, davon zeigte sich Angela Freimuth felsenfest überzeugt: „Bei uns war das sehr transparent, es gab im Vorfeld keine großen Ansprachen an die Fraktion oder sonstigen Druck.“

Am Ende des langen Wahlabends gratulierte sie Christian Wulff, „dem ich für sein Amt viel Glück wünsche“.

Bei einem vierten Wahlgang, der im Drama der Bundespräsidentenwahl zeitweilig möglich schien, hätte sich der Lüdenscheider SPD-Ersatzwahlmann Gordan Dudas ein neues Oberhemd kaufen müssen: „Ich hatte mich, was die Klamotten angeht, nur auf zwei Tage eingerichtet“, berichtete er aus dem Reichstag, als das Ergebnis noch nicht feststand. Für einen möglichen Einsatz musste Dudas, der beim Ausfall eines SPD-Mitglieds aus Nordrhein-Westfalen in der Bundesversammlung hätte mitwählen können, während der drei Wahlgänge auf der Zuschauertribüne des Reichstages bereit halten – am Ende blieb es dabei. „Ich saß in unmittelbarer Nähe zu Joachim Gauck und seiner Familie, habe erlebt, wie sie bei allem Realismus doch mitgefiebert haben“, schilderte der junge Landtagsabgeordnete.

Dudas fand es am Ende „schade, dass sich die Linke angesichts der Enthaltung im letzten Wahlgang der Ernsthaftigkeit dieser Wahl nicht bewusst war. Sie hätte zeigen können, dass sie in der Demokratie angekommen ist.“

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