Wagemeyer klar vorn / Kopf-an-Kopf-Rennen

Wahl-Analyse in Lüdenscheid: Spannender als jeder Krimi

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Lüdenscheid – Da konnte der Tatort einpacken. Die Kommunalwahl in Lüdenscheid war nicht nur für Politikinteressierte spannender als jeder Krimi.

Die CDU ist seit Sonntag mit 36,32 Prozent die stärkste politische Kraft in Lüdenscheid vor der SPD, die von 44,9 auf 34,57 Prozent abstürzte. Doch ob die Union auch den Bürgermeister stellen wird, ist noch sehr ungewiss. 

Zwischen ihrem Kandidaten Christoph Weiland und dem SPD-Bewerber Sebastian Wagemeyer wird es am 27. September eine Stichwahl geben. Im Rennen um das Bürgermeisteramt kam Sebastian Wagemeyer auf 46,77 und Christoph Weiland lediglich auf 35,69 Prozent. Wagemeyer lag in 22 von 23 Wahlbezirken vorn. 

Überraschend stark schnitt Einzelbewerber Olaf Knuth ab, der mit 1019 Stimmen fast halb so viel wie Jens Holzrichter von der FDP (2475 Stimmen, 10,9 Prozent) gewann. Bedeutungslos blieb NPD-Kandidat Stephan Haase (2,16 Prozent). 

Die Überraschung bei der Wahl zum Lüdenscheider Stadtrat war die ÖDP. Sie errang 2,76 Prozent und wird mit einem Vertreter in den Rat einziehen. Die Wahlbeteiligung war mit 40,2 Prozent die schlechteste im gesamten Märkischen Kreis. 

Wagemeyer steuert die absolute Mehrheit an, dann wendet sich das Blatt

Nachdem die SPD und ihr Bürgermeisterkandidat Sebastian Wagemeyer kurz nach Schließung der Wahllokale noch wie die großen Sieger der Kommunalwahlen aussahen, wendete sich das Blatt mit jedem weiteren ausgezählten Stimmbezirk. 

Die Stimmen der Briefwähler wurden als letztes ausgewertet, hier holte die CDU immer weiter auf – bis sie schließlich beim 73. von 77 Stimmbezirken an der SPD doch noch vorbeizog. Bei der Wahlparty im Restaurant Lazarus brach Jubel aus, der Wirt legte den Queen-Evergreen „We are the Champions“ auf. 

398 Stimmen trennten die Christdemokraten am Ende von den Sozialdemokraten – und ein Ratsmandat. Es war ein Rennen auf Augenhöhe zwischen den Bewerbern von CDU und SPD. In vielen Wahlbezirken waren die Ergebnisse extrem knapp. Ein Novum gibt es im Wahlbezirk 7 Kalve/Berliner Straße. 

Stimmengleichheit zwischen Fabian Ferber (SPD) und Lucas Karich (CDU)

Hier erhielten Fabian Ferber (SPD) und der 29-jährige Debütant Lucas Karich (CDU) jeweils beide 314 Stimmen. Sollte das Unentschieden amtlich bestätigt werden, entscheidet im Wahlausschuss am Mittwoch das Los. 

Christoph Weiland (2. von links) und die CDU-Kandidaten freuen sich über die erfolgreiche Aufholjagd.

SPD-Bürgermeisterkandidat Sebastian Wagemeyer durfte an diesem Abend lange von der absoluten Mehrheit träumen. Er verbrachte die erste Stunde nach Schließung der Wahllokale mit seiner Familie, genoss den Moment der Ruhe nach mehr als einem Jahr Wahlkampf. Dann wurde es wieder laut. 

Als er gegen 19.30 Uhr ins Foyer der Schützenhalle am Loh einzog, hatte er noch mehr als 50 Prozent der Stimmen. Die Genossen quittierten das starke Ergebnis mit tosendem Applaus. Auch wenn der Vorsprung etwas schmolz, landete Wagemeyer am Ende dennoch deutlich vor dem Kandidaten der CDU, Christoph Weiland. 

Strahlender Sieger: SPD-Bürgermeisterkandidat Sebastian Wagemeyer zieht unter tosendem Applaus in die Schützenhalle ein. Da hatte er noch mehr als 50 Prozent der Stimmen, nun muss er doch noch in die Stichwahl.

„In der Gesamtkonstellation ist es ein sehr gutes Ergebnis für mich. In 22 von 23 Wahlbezirken war ich vorne. Bis zur Stichwahl müssen wir jetzt alles mobilisieren“, analysierte Wagemeyer, der bei der Wahl am 27. September als Favorit ins Rennen um die Nachfolge von Dieter Dzewas geht. Das heißt für ihn: Noch einmal zwei Wochen Vollgas geben. 

Christoph Weiland (CDU) bemüht das Wunder von Malaga

Das will auch BVB-Fan Christoph Weiland. „Ich war damals beim Wunder von Malaga dabei. Daher weiß ich: Um zu gewinnen, reicht die Nachspielzeit.“ Er hat eine Wechselstimmung wahrgenommen, die er in die Stichwahl hinüberretten will. CDU-Stadtverbandsvorsitzender Ralf Schwarzkopf sieht in dem Wahlergebnis einen Auftrag der Wähler und nimmt gleich mögliche Koalitionspartner in die Pflicht. 

Kommunalwahl in Lüdenscheid

„Ich wünsche mir dringend von den Grünen und der FDP, dass sie erkennen, dass es an ihnen ist, Mehrheitsverhältnisse zu schaffen, die frischen Wind ins Rathaus bringen. Die Bürger wollen sehen, dass eine neue Politik umgesetzt wird“, glaubt Schwarzkopf. 

Dirk Franke (SPD) gewann seinen Wahlkreis mit zehn Stimmen Vorsprung. 

SPD-Stadtverbandsvorsitzender Fabian Ferber gratulierte der CDU, „dass sie die Nase vorn hatten.“ Eine Wechselstimmung sieht Ferber jedoch nicht. Trotz eigener Verluste könne die Ampelkooperation mit Grünen und FDP weiterregieren. „Es gibt keinen Grund, nicht darüber glücklich zu sein, dass die Ampel das dritte Mal in Folge eine Mehrheit hat“, sagte der Stadtverbandsvorsitzende am Abend. 

Schwierige Mehrheitsfindung: SPD will auch mit der CDU sprechen

Gleichwohl werde man mit allen demokratischen Parteien sprechen, auch mit der CDU. Entscheidend für den Verlauf der Gespräche sei aber, wie mehrheitsfähig die Lösungen der CDU sind. Ferber: „Die CDU muss sich klar werden, was sie will. Eine Gewerbesteuersenkung durch Personalabbau finanzieren zu wollen, wie es der CDU-Bürgermeisterkandidat fordert, wird es mit uns nicht geben.“ Nach 16 Jahren Dzewas und elf Jahren Ampel wurden die Karten gestern neu gemischt. Das Spiel um die Macht hat begonnen.

Alle Ergebnisse der Kommunalwahlen im Märkischen Kreis: Unser Newsticker zum Nachlesen

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