Probleme waren im Rathaus schon länger bekannt

Personalmisere bei der Feuerwehr: Brandbrief warnte schon vor zwei Jahren

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Zum Thema Personalmisere bei der Feuerwehr werden jetzt weitere Details bekannt.

Lüdenscheid - Die Personalmisere der Feuer- und Rettungswache ist in der Chefetage des Rathauses schon weitaus länger bekannt als bislang angenommen.

Demnach war die Verwaltungsspitze frühzeitig gewarnt. Bereits im Mai 2017 hat Stadtbrandmeister Martin Walter mit einem ausführlichen Personalentwicklungskonzept auf den drohenden Mangel an Kräften hingewiesen. Das Papier liegt unserer Redaktion nun vor. 

Darin heißt es unter anderem: „Feuerwehren im nahen Umfeld (Iserlohn, Hagen, Dortmund) wie auch im gesamten Land NRW bieten bereits höhere Besoldungen (...) oder haben bereits umfangreiche Planungen betrieben und Stellenanträge gestellt.“ 

Vor diesem Hintergrund sei es „zwingend notwendig“, dies auch im Lüdenscheider Stellenplan abzubilden. Im Wettbewerb mit anderen Feuerwehren müsse sich die Lüdenscheider Wehr „durch eine Vielzahl von attraktiven Rahmenbedingungen auszeichnen“. Eine wesentliche Rolle spiele dabei ein „gut aufgestellter und strukturierter Stellenplan“. 

So spitzte sich die personelle Lage zu

Wie aus dem 16-seitigen Konzept hervorgeht, herrschte bereits vor knapp zwei Jahren ein „extremer Bewerbermangel“ im Hinblick auf ausgeschriebene Stellen. 

Damals forderte der Stadtbrandmeister: „Hier muss dringend durch geeignete Maßnahmen gegengesteuert werden, ansonsten besteht die große Gefahr, nicht nur kein neues Personal zu gewinnen, sondern auch vorhandene Mitarbeiter an andere Feuerwehren zu verlieren.“ 

Doch die Warnungen verhallten im Verwaltungsvorstand offenbar. In der kleinen Runde des Bürgermeisters und seiner Beigeordneten Thomas Ruschin (Brandschutz) und Dr. Karl Heinz Blasweiler (Personal) ließ sich nach LN-Informationen keine Einigung über die Position des Feuerwehrkommandos erzielen. 

Das Papier des Stadtbrandmeisters erreichte die Fraktionen nicht und wurde demnach auch nicht öffentlich politisch diskutiert. 

Derweil blieben Stellenausschreibungen zunehmend ohne Resonanz. Die Tatsache, dass Kräfte in den Ruhestand gingen oder sich aus finanziellen Gründen in andere Städte versetzen ließen, verstärkte die Misere, ließ den Überstundenberg anwachsen und „vermieste“ die Stimmung am Dukatenweg laut CDU-Fraktion weiter. 

Erst durch die gemeinsame Initiative aller Fraktionen und einen entsprechenden Beschluss des Rates könnte die Stadt nun gegensteuern und verhindern, dass die schwärzeste Prognose des Feuerwehr-Chefs sich bewahrheitet: die Einstellung des Betriebes der Feuer- und Rettungswache, wenn das Überstundenkontingent Mitte November seine Höchstgrenze erreicht hat. 

Inwieweit Vorschläge für Sofortmaßnahmen, die Martin Walter vor zwei Wochen gemacht hat, rechtlich und organisatorisch umsetzbar sind, wird derzeit im Rathaus geprüft. 

Der CDU-Fraktion liegt das Walter-Papier nach LN-Informationen seit wenigen Tagen ebenfalls vor.

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