Wachsende Probleme bei der Drobs

LÜDENSCHEID ▪ Die Zahl der Drogensüchtigen steigt in der Kreisstadt offenbar weiter an. Das Team der Drogenberatungsstelle (Drobs) an der Körnerstraße hat bei den Fallzahlen seit Anfang des Jahres eine Zunahme von 50 Prozent verzeichnet. Derzeit schätzen die Berater die Zahl der Lüdenscheider, die von illegalem Rauschgift abhängig sind, auf 450 bis 500. Das erklärten Drobs Geschäftsführer Stefan Tertel und die Sozialarbeiter Jutta Hendess und Bernd Weißflog gestern im LN-Gespräch.

Das Bekanntwerden der aktuellen Entwicklung und die Erfahrung, dass labile Klienten gerade zur Weihnachtszeit vermehrt Zuspruch und Beratung benötigen, trifft auf einen für die Drobs und deren Schützlinge unglücklichen Vorfall: Ein Wasserrohrbruch in der Beratungsstelle hat den Betrieb fast komplett lahmgelegt. Zwar suchen Tertel und sein Team händeringend nach einem vorübergehenden Ersatz für die zeitweise überschwemmten Räume. Aber zunächst, sagte der Drobs-Geschäftsführer, „kann hier zunächst bis zum 9. Januar kein Publikumsverkehr stattfinden“. Betroffen von dem Schaden ist auch das Bad, in dem die Klienten duschen und ihre Wäsche waschen können. Lediglich akute Krisenintervention bietet das Team an der Körnerstraße noch an.

Der jüngste Vorfall erschwert den Beratern den ohnehin komplizierten Arbeitsalltag. Bernd Weißflog: „Unsere Tätigkeit ist durch verschiedene Faktoren vielfältiger und anstrengender geworden.“ Nach wie vor gebe es nur einen einzigen niedergelassenen Arzt in Lüdenscheid, der Heroinsüchtige mit der Ersatzdroge Methadon versorgt. Aber auch bei ihm landen nur 25 der Bedürftigen. Der Rest muss teilweise lange Wege in Kauf nehmen, um legal Methadon zu bekommen. Und es sei nicht absehbar, dass hier ein weiterer Arzt hinzukomme. Jutta Hendess: „Pro Tag vier Stunden mit dem Linienbus, das ist keine Seltenheit.“ Die Abhängigen fahren nach Halver und Schalksmühle, aber auch bis Iserlohn oder sogar Schwerte.

Gleichzeitig blüht der Schwarzmarkt für Methadon. Je weiter die Abnehmer von einer legalen Abgabestelle entfernt wohnen, desto teurer wird es. Weißflog: „In Lüdenscheid kostet Methadon doppelt so viel wie in umliegenden Städten.“

Ralf Tertel wagt trotz wachsender Probleme an eine personelle Aufstockung der Drobs nicht zu denken. „Wir müssen angesichts der allgemeinen Finanzlage froh sein, wenn wir den Status quo überhaupt halten.“

Olaf Moos

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