Wachmann im Jobcenter: schützen und informieren

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Olaf Schetzel vom Wachdienst IPS schützt die Jobcenter-Angestellten – meist aber ist eine wandelnde Auskunft.

LÜDENSCHEID - Wenn Kunden das Jobcenter am Duisbergweg betreten, lächelt Olaf Schetzel sie freundlich an. Der Mann vom Mendener Wachdienst IPS ist für die allermeisten eine wandelnde Auskunft.

Er zeigt Wege zu den Anlaufstellen, eine Frau wollte ihm gleich ihren Kindergeldbescheid in die Hand drücken. Doch der IPS-Mann kann auch anders: Sollte jemand ausfällig werden, setzt Schetzel ihn vor die Tür.

Seit Januar werden die Jobcenter Lüdenscheid und Iserlohn bewacht – „ein einjähriges Pilotprojekt“, erklärt die Lüdenscheider Leiterin Jutta Busenius. Einen konkreten Auslöser dafür habe es zumindest in Lüdenscheid nicht gegeben. Es war der Mord an einer Jobcenter-Angestellten in Neuss, der diesen Stein ins Rollen brachte.

Dass sich seither auch in Lüdenscheid ein Gefühl der Unsicherheit unter den 56 Angestellten breit machte, sei an der wachsenden Zahl der Hausverbote ablesbar gewesen, berichtet Jutta Busenius. Zwar sei die weit überwiegende Zahl der Jobcenter-Kunden freundlich, doch Drohungen und Beschimpfungen der Sachbearbeiter hätten sich in den letzten Jahren gehäuft. „Wir wollen den Menschen helfen und wissen, dass es vielen nicht gut geht. Aber wo wir an Recht und Gesetz gebunden sind und deshalb Nein sagen mussten, gab es zunehmend aggressive Reaktionen. Auch wurden außerhalb der Sprechzeiten wie selbstverständlich die Büros betreten.“

Streit komme meist auf, wo es um die vom Gesetzgeber verlangte Mitarbeit der Kunden gehe. Busenius: „Es sind nun mal Unterlagen mitzubringen, ohne die es nicht geht. Oder es sind Termine für Bewerbungen wahrzunehmen.“ Passiert das nicht, drohten Kürzungen der schmalen Hartz-IV-Sätze, und dann sehe mancher Rot.

Immerhin: In den ersten drei Wochen im Jobcenter musste Olaf Schetzel erst ein einziges Mal eingreifen und einen laut schimpfenden Mann vor die Tür bringen. Bevor er kam, war das Alarmsystem, das alle Kollegen herbeirufen kann, der einzige Schutz für die Jobcenter-Beschäftigten. „Heute können wir Herrn Schetzel herbeipiepen.“ Mit dem IPS-Mann sei der Ton im Haus tatsächlich ruhiger geworden, berichtet die Jobcenter-Chefin. Auch verärgerte Kunden sähen ja, dass der freundliche Mann im Eingang die Uniform eines „Schwarzen Sheriffs“ trägt.

Thomas Hagemann

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