Vorsitzender der Sporthilfe NRW: „Sportklinik erfolgreich auf Sparkurs“

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Sieht die Klinik auf einem guten Weg: Manfred Peppekus, Vorsitzender der Sporthilfe NRW.

Lüdenscheid - Auf Krücken sieht er „seine“ Sportklinik nicht. „’Gehhilfe’ hätte auch gereicht“, formuliert es Manfred Peppekus, Vorsitzender der Sporthilfe NRW, des Trägers der Sportklinik Hellersen. Von Susanne Kornau

Damit spielte er im Gespräch an auf die LN-Berichterstattung über finanzielle Probleme der Klinik, die ein Sanierer in den Griff bekommen soll: „Wir helfen diesem Haus, dass es bald wieder vernünftig laufen kann.“

Der Kliniksanierer, Professor Dr. Thomas Kersting aus Berlin, hat viel zu tun. So gilt es, ein Defizit von rund 1,6 Millionen Euro abzubauen, zugleich aber den Geräte- und baulichen Standard konsequent zu heben. Und er muss in den Köpfen einiges ändern. Seit April geht Professor Kersting dabei systematisch vor, agiert als Interims-Geschäftsführer und ist an zwei Tagen die Woche vor Ort. Sein zum Jahresende auslaufender Vertrag wird noch einmal bis März verlängert. Auch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft stellt Kosten und Erlöse auf den Prüfstand. Bei vernünftiger Arbeit, da ist Peppekus zuversichtlich, könne die Klinik ab 2013 wieder Gewinne erzielen: „Gott sei dank sehen wir Licht am Ende des Tunnels.“

Verschiedene Schritte haben bereits erste Erfolge gebracht. Die Schließung des Labors bis auf eine Restfunktion hat die Kosten von rund 500 000 Euro halbiert. Auch Lieferungen kann die Klinik inzwischen zu ganz anderen Konditionen beziehen. Umorganisationen zahlen sich ebenfalls aus. Mit rund 300 rechnerischen Vollzeitkräften bei rund 200 Betten sei man zwar „zweifellos leicht überbesetzt“, räumt der Vorstand ein: „Aber sie machen einen guten Job.“ Man versuche, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Es gilt: „Wir versuchen es auf sanfte Art und Weise.“

„Vielleicht“, so sagt Manfred Peppekus, „haben wir in der Vergangenheit zu langsam umgeschaltet“. Das sei aber auch der Besonderheit des Hauses geschuldet: „Wir sind zu gut, deshalb geht es uns schlecht.“ Insbesondere die Versorgung von Sportlern sei immer darauf ausgerichtet gewesen, die Verletzten gründlich wieder so fit zu machen, dass sie ihren Sport wieder ausüben konnten. Das koste Zeit und Geld, lasse sich in Zeiten der Fallpauschalen und möglichst kurzen Verweilzeiten aber nicht mit den Kassen abrechnen. Kürzere Liegezeiten stehen also auch auf dem Maßnahmenkatalog. Doch es geht nicht nur ums Sparen, auch die Erlöse sollen sich erhöhen. Honorare für besondere Leistungen auch abrechnen, den Parkraum bewirtschaften, auf wirtschaftliche 150 Betten schrumpfen, weitere Zimmer für „Hotelservice“ einrichten, in denen Angehörige übernachten können – an vielen Schrauben wird gedreht.

Aber auch Geldausgeben ist erforderlich, will man dem Haus eine vernünftige Zukunft sichern. So sollen konsequent Drei-Bett-Zimmer in Zwei-Bett-Zimmer umgestaltet und im nächsten Jahr die OP-Säle optimiert werden. Hygiene, Klimatechnik, Geräte, Abläufe – „all das kann man optimieren“, ist Peppekus überzeugt. Wenn der 66-Jährige in vier Jahren planmäßig seine Ehrenämter auslaufen lässt, dann will er ein Haus übergeben, das „wieder das Aushängeschild ist, das es mal war. Das Potenzial ist da, das wirtschaftliche Denken müssen wir noch üben.“ Wichtig sei aber auch, rechtzeitig einen Nachfolger zu finden, Führungskräfte aufzubauen. Derzeit sucht die Sporthilfe NRW einen neuen Geschäftsführer.

Die Ursachen für die gegenwärtige Situation sind vielschichtig. Kurz nachdem der Mülheimer Peppekus 2003 Vorsitzender der Sporthilfe NRW geworden war, wurden Pläne für eine umfangreiche Sanierung der Klinik geschmiedet. Doch mit der neuen Regierung habe es auch keine Investitionsförderung mehr gegeben. Ein eingeplanter Zuschuss von 16 Millionen Euro fiel von heute auf morgen weg. Die Gesamtplanung wurde eingestellt, es staute sich einiges auf. Durchaus selbstkritisch sieht Peppekus heute die Zeit, in der es der Klinik noch blendend ging: „Die Entscheidungswege waren zu lang.“ Zudem müsse man sich überlegen, ob man künftig in den alten Strukturen – mit einem Direktorentrio – weiterarbeite: „Der kaufmännische Bereich übernimmt eine immer stärkere Rolle.“ Den Vorstand hingegen sieht er in Zukunft eher als Aufsichtsrat: „Dann gibt es auch mehr freie Hand für Entscheidungen.“

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