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Vom Aussterben bedroht: Talsperre im MK soll ganze Art retten

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3000 Edelkrebse sind am Montagmorgen in die Versetalsperre gesetzt worden. Die Schalentiere sind zwei Jahre lang in Bad Münstereifel gezüchtet worden und sollen nun zwischen Lüdenscheid und Herscheid heimisch werden.
3000 Edelkrebse sind am Montagmorgen in die Versetalsperre gesetzt worden. Die Schalentiere sind zwei Jahre lang in Bad Münstereifel gezüchtet worden und sollen nun zwischen Lüdenscheid und Herscheid heimisch werden. © Hans-Georg Gottfried Dittmann

Die nordamerikanischen Artgenossen setzen den europäischen Edelkrebsen nicht nur zu, sie rotten sie aus. Nachdem vor vier Jahren eine Population der Fürwiggetalsperre gegründet wurde, sollen weitere Schalenkneifer im Stausee der Verse heimisch werden.

Lüdenscheid – Aus den unscheinbaren Styroporkisten am Ufer der Versetalsperre dringt ein knarzendes Geräusch. Mit ihren Scheren kratzen die 3000 Edelkrebse an den Wänden ihrer Transportbehälter, lange werden sie nicht mehr dort gefangen sein. Die Versetalsperre soll die neue Heimat der Tiere werden, die südwestlich von Bonn in Bad Münstereifel zwei Jahre lang in Zuchtbecken herangewachsen sind.

Die Bestände an Flusskrebsen gehen hierzulande stark zurück. Die beiden in NRW heimischen Arten, Edelkrebs und Steinkrebs, sind sogar vom Aussterben bedroht. Amerikanische Flusskrebse schleppen die Krebspest ein, die für die europäischen Arten tödlich ist. Um ein Aussterben der heimischen Schalentiere zu verhindern, wurden als Pilotprojekt 2000 Tiere im Oktober 2017 am Ufer der Fürwiggetalsperre angesiedelt – mit großem Erfolg.

Klaus Reinhardt (li.) und Markus Kühlmann entlassen die Tiere in die Freiheit. Die Krebse wurden an drei verschiedenen Stellen ausgesetzt.
Klaus Reinhardt (li.) und Markus Kühlmann entlassen die Tiere in die Freiheit. Die Krebse wurden an drei verschiedenen Stellen ausgesetzt. © Hans-Georg Gottfried Dittmann

Nun soll der nächste Stausee im Märkischen Kreis Heimat für die europäischen Scherentiere werden. Die „Einwanderung“ haben das Edelkrebsprojekt NRW, der Ruhrverband und das Naturschutzzentrum MK realisiert. „Insgesamt haben wir die Neusiedlung drei Jahre lang vorbereitet“, sagt Markus Kühlmann, der beim Ruhrverband für Fischerei und Talsperren verantwortlich ist. Für die Schalentiere seien etwa 3000 Euro ausgegeben worden, die der Ruhrverband übernehme.

Der größte Teil der Vorbereitungen sei es, ein passendens Gewässer zu finden, erklärt Kühlmann. „Wichtig ist, dass die amerikanischen Flusskrebse nicht in diesen Gewässern beheimatet sind“, verdeutlicht Marina Nowak. Die Leverkusenerin war wie Kühlmann bereits bei der „Besiedlung“ der Fürwiggetalsperre dabei und weiß, welche Umstände die Edelkrebse zum Leben brauchen. Es seien zudem mehrere Tauchgänge nötig gewesen, um die bereits vorhandenen Arten zu bestimmen.

„Wir müssen auch nach Einbruch der Dunkelheit tauchen, denn die Edelkrebse sind nachtaktiv“, sagt Volker Knipp vom Naturschutzzentrum MK. Reusen auszulegen, um anhand der gefangenen Tiere Rückschlüsse auf die Population im Gewässer zu schließen, reiche nicht aus. „Wenn die Reusen leer sind, bedeutet das nicht, dass dort keine Krebse sind“, führt Nowak aus. Um den Artenbestand zu erhöhen, sei es unabdingbar, die europäischen Krebse dort anzusiedeln, wo die amerikanischen Artgenossen noch nicht sind.

Bei bestem Wetter haben Markus Kühlmann vom Ruhrverband und Marina Nowak vom Edelkrebsprojekt NRW die Tiere zwischen Lüdenscheid und Herscheid in die Freiheit entlassen.
Bei bestem Wetter haben Markus Kühlmann vom Ruhrverband und Marina Nowak vom Edelkrebsprojekt NRW die Tiere in die Freiheit entlassen. © Hans-Georg Gottfried Dittmann

Denn die Schalentiere aus Übersee tragen nicht nur eine tödliche Krankheit in sich, sie vermehren sich auch schneller als ihre europäischen Artgenossen. Talsperren seien dadurch, dass es keinen natürlichen Abfluss gebe, für andere Arten ohne „menschliche Hilfe“ schwer zu erreichen. „Der Großteil der amerikanischen Krebse werden von Aquarium-Besitzern ausgesetzt. Sie wollen einem Tier die Freiheit schenken, können dadurch aber das Aussterben einer ganzen Art auslösen“, mahnt Nowak.

An der Versetalsperre hoffen alle Beteiligten, dass die Population der Edelkrebse zügig zunimmt, und die Art dadurch nicht ausstirbt. „Wir wollen den Bestandsverlust durch Neuansiedlungen von Edelkrebsen ein bisschen ausgleichen“, lautet das bescheidene Ziel von Nowak. Sollte die „Ansiedlung“ ähnlich erfolgreich verlaufen wie in der Fürwiggetalsperre, müssen Nowak und ihre Mitstreiter in Zukunft weniger häufig Styroporkisten zu neuen Ufern bringen und dort entleeren.

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