Volme verändert ihr Gesicht

Nachdenkliche Blicke: Rund 30 Besucher waren zu dem Ortstermin an der Volme erschienen.

Brügge  - Naturnahe Maßnahme oder in erster Linie doch nur eine Baumrodung? Um ein Stück Flusslandschaft in Brügge zu renaturieren, sollen zunächst mehrere hundert Bäume fallen.

Das sehen die Pläne für das Volme-Ufer zwischen der Bahnüberführung nördlich der Ahelle und der Flussbrücke am südlichen Ortsausgang von Lüdenscheid-Brügge vor. Warum das so sein soll, versuchten jetzt Hans Jürgen Badziura und Thomas Meilwes vom städtischen Fachdienst Umweltschutz bei einem Ortstermin an der Volme zu erklären. Rund 30 Bürger waren dazu erschienen.

Die nahmen die städtischen Ideen ohne große Begeisterung, aber auch ohne wesentlich Kritik zur Kenntnis. Mit einer Ausnahme: Manfred Künsting, auch über die Brügger Grenzen hinaus als Naturschützer und Querdenker bekannt, fuhr heftige Attacken gegen das Vorhaben. Doch der Reihe nach.

Recht friedlich schlängelt sich die Volme auf besagter Strecke durchs Tal. Eingerahmt wird der knapp eineinhalb Kilometer lange Abschnitt von Baumreihen. Zur B 54 hin thront eine steile Ufermauer, im Fluss gibt kleine Gefällestufen und auch Metalleinfassungen – Folgen von Straßenbau und wirtschaftlicher Nutzung.

Obwohl es fraglos verbautetere Flüsse im Lande gibt, sieht die Stadt hier dennoch starken Renaturierungsbedarf. So soll laut Badziura und Meilwes das Flussbett um vier Meter geweitet werden. Im Gewässer platzierte Steine würden dazu einen natürlichen Flusslauf gewährleisten. Neben dem Naturschutz-Gedanken geht es laut Badziura auch darum, um durch das geweitete Flussbett die Lage bei Hochwasser zu entspannen. Dazu aber müssten erwähnte Baume weitgehend „abgeräumt werden“, so die Formulierung Badziuras. Verbleiben würden indes einige „Gehölzgruppen“ unten im Flussbett. Kosten der Maßnahme, die bereits im November beginnen soll: rund eine halbe Million Euro. Das Geld kommt zu 90 Prozent aus Landesmitteln.

Anderer Effekt der Renaturierung: Durch das Verschwinden der Bäume würde der Blick auf das angepeilte Gewerbegebiet Brügge-Ost auf dem alten Bahngelände stärker als bisher freigegeben. Nach längerer Unklarheit ist dieses Areal inzwischen von einem Investoren-Konsortium gekauft worden. So die Auskunft Badziuras. Die neuen Besitzer wollen dort im nächsten Jahr mit dem Bau diverser Fachmärkte beginnen.

Die Entwicklung indes lässt bei Manfred Künsting von der Nabu-Ortsgruppe mittleres Volmetal alle Alarmglocken schrillen. Künsting kritisiert dabei nicht nur „eine mangelnde Beteiligung der Naturschutzverbände.“ Er fürchtet auch den Verlust von Vogelbrutplätzen und einer grünen Lunge, die bis dato vor Lärm und Abgasen der B 54 schütze. Sein Verdacht: „Die Bäume sollen deshalb weg, damit man die neuen Firmen und ihre Logos sehen kann.“

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