500 Millionen Euro

Volksbank Südwestfalen klagt: Wir haben zu viel Geld

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Norbert Kaufmann (links) und Karl-Michael Dommes legten die erste gemeinsame Bilanz der Volksbanken MK und Siegerland vor. Tenor der beiden Vorstände:  „Die Fusion war genau richtig.“

Lüdenscheid – Die Volksbank in Südwestfalen hat zu viel Geld. 500 Millionen Euro sind es genau genommen. „Wir leben in paradoxen Zeiten“, brachte es Volksbank-Vorstand Karl-Michael Dommes auf den Punkt. Warum das nicht gut ist.

Galten wachsende Kundeneinlagen früher als Markenzeichen eines renommierten Geldinstituts, wirken heute hohe Spar- und Sichteinlagen wie überflüssiger Ballast.

Gemeinsam mit seinem Siegener Kollegen Norbert Kaufmann stellte er die erste gemeinsame Bilanz der fusionierten Volksbank Südwestfalen vor. Dabei fällt das Zahlenwerk ausgesprochen positiv aus. „Wir sind mit ordentlich Rückenwind nach dem Zusammenschluss der Häuser im Märkischen Kreis und im Siegerland in das neue Geschäftsjahr gestartet“, erklärte Neumann.

Das Kundenkreditgeschäft wuchs um 6,8 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro, die Kundeneinlagen kletterten auf 2,6 Milliarden Euro und die Bilanzsumme stieg auf 3,6 Milliarden Euro – ein Plus von 2,8 Prozent. „Im Kreditgeschäft wachsen wir stärker als der Markt“, stellte Dommes fest. 1,3 Milliarden Euro flossen an Firmenkunden („Wir sind ein ausgeprägter Mittelstandsfinanzierer“), weitere rund 780 Millionen Euro wurden für Baufinanzierungen abgerufen.

„Die Immobilienberatung wird an Bedeutung gewinnen“, prognostizierte Kaufmann. Für immer mehr ältere Eigentümer in der Region werde sich die Frage nach einem Hausverkauf stellen, wenn die Kinder fern der Heimat lebten und kein Interesse mehr an einer weiteren Nutzung hätten. 

Das bekannte Sprichwort „Spare in der Zeit – dann hast du in der Not“ bringt nun seinerseits die Banken in die Bredouille. Die Kundeneinlagen sind um rund 500 Millionen Euro höher als die vergebenen Kredite. „Wir haben keine Lust, das Vermögen bei Herrn Draghi anzulegen“, sagte Dommes. Wer Geld beim Chef der Europäischen Zentralbank parkt, zahlt dafür Minuszinsen von 0,4 Prozent. Stattdessen werde in sichere Mischfonds mit „Minirenditen“ investiert.

Ein verändertes Kundenverhalten durch zunehmende Digitalisierung führe in den nächsten Jahren zu einem Abbau der Filialstandorte (heute 39) und der Mitarbeiterzahl (641). Zeitpunkt und Umfang stünden aber noch nicht fest. Ein Grund: Die Zahl der Transaktionen in den Geschäftsstellen hat von 2011 bis 2018 um 50 Prozent abgenommen. 

Auch bei der Baufinanzierung erlebe die Bank einen Bruch mit der Tradition. „60 Prozent klicken sich übers Netz ein. Das läuft wie geschnitten Brot.“ Plattformen böten ein hohes Potenzial. „Wir wachsen mit weniger Menschen“, sagte Dommes. Aber niemand müsse sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen und auch in Zukunft brauche man kluge Köpfe, warb Neumann um engagierte Azubis. Bei guten Prüfungsnoten sei die Übernahme garantiert. 

Freuen dürfen sich auf jeden Fall die 71 175 Mitglieder: An sie wird eine Dividende in Höhe von drei Prozent (1,2 Mio. Euro) ausgezahlt.

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