Volksbank fragt Stimmung ab

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Auf großes Interesse bei Vertretern aus Politik und Wirtschaft stießen gestern die Ergebnisse der Volksbank-Umfrage.

Lüdenscheid - Nicht nur Bürger und Unternehmen leiden unter immer mehr Bürokratie. Auch für Bürgermeister Dieter Dzewas und Landrat Thomas Gemke sind Vorschriftenflut und Regelungswut ständige Ärgernisse, wie sie an Beispielen bewiesen. Gemke: „Es macht langsam keinen Spaß mehr.“

Dieter Dzewas erkennt bei den Deutschen eine Vollkasko-Mentalität, deren Rahmenbedingungen „reflexartig mit einer Affengeschwindigkeit“ geschaffen würden. Viele wichtige Weichenstellungen dauerten hingegen Jahre, scheiterten an Fledermaus-Nistzeiten oder, so Gemke, „weil immer mehr Einzelbedenkenträger immer mehr Rechte“ bekämen.

Offensichtlich traf also die Belastung durch Bürokratie, die sich bei der diesjährigen Unternehmensbefragung der Volksbank im Märkischen Kreis erstmals als Hauptproblem für Unternehmen herauskristallisierte, den Nerv aller am Tisch. Volksbankvorstand Roland Krebs stellte die Ergebnisse in einer hochkarätig besetzten Gesprächsrunde in der Phänomenta vor. Dabei waren Hauptprobleme, zu denen auch Lohn- und Gehaltskosten sowie Facharbeitermangel gehören, nur ein Aspekt.

Der „Lagebericht Mittelstand“, den die Bank nach der Online-Befragung von 122 Unternehmen gab, kündet von einer „guten Lage“. „Wir können sehen, dass die Sonne richtig scheint“, formulierte Roland Krebs. Damit decke sich die Stimmung vor Ort mit der in Deutschland. Die Ergebnisse hier würden vor allem vom Verarbeitenden Gewerbe geprägt. Das Dienstleistungsgewerbe schätze die Lage sogar noch etwas besser ein. Mit einer Verschlechterung in naher Zukunft rechne man nicht.

Trotzdem wirkten eine Fülle von Stichworten aus der Welt- und Bundespolitik auch vor Ort, hieß es weiter. Griechenland, die Flüchtlingsproblematik, die Infrastruktur – die Bundestagsabgeordneten nutzten die Gelegenheit zu kurzen Stellungnahmen. Mit Blick auf die Region betonte Dr. Matthias Heider (CDU, MdB), wie wichtig eine gute Anbindung an schnelles Internet sei und dass man sich um die Vitalität der Kommunen und der Innenstädte Gedanken machen müsse.

Für Petra Crone (SPD, MdB) war der Fachkräftemangel ein großes Thema. „Gut ausgebildete Flüchtlinge sind ein Schatz, den wir heben müssen“, sagte sie. Dirk Jedan, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, griff auch die Ausbildung auf. Abi, Studium, Auslandsaufenthalt – unter dem Dreiklang leide man. Und er räumte Fehler ein: „Wir haben auch vergessen, unsere duale Ausbildung zu vermarkten.“

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